Wo sich Schwälmer betteten

Schluss nach 120 Jahren: Polsterbetrieb und Fachgeschäft Ludolph in Treysa schließt

Ein eingeschworenes Team: von links Firmeninhaber Horst Ludolph, Sepp Krummer, Thekla Lang und Petra Lindenthal.
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Ein eingeschworenes Team: von links Firmeninhaber Horst Ludolph, Sepp Krummer, Thekla Lang und Petra Lindenthal.

Wer sich gut gebettet wissen wollte, der ging in der Schwalm seit jeher zur Firma Ludolph. Das Fachgeschäft mit Polsterei besteht seit 120 Jahren – jetzt wird der Laden zum 31. August schließen.

Treysa – „Irgendwann muss auch mal Schluss sein“, sieht es der Inhaber Horst Ludolph, der sich den Beinamen Traumausstatter gab, ganz pragmatisch. Seit Wochen läuft der Abverkauf, langsam leert sich das Geschäft, in dem die Schwälmer all die Jahre Matratzen, Bettgestelle und Kopfkissen aussuchten. Damit verschwindet nach der Schließung des Geschäfts von Dieter Dötenbier vor einigen Jahren auch das letzte Fachgeschäft für Betten aus dem Stadtbild.

Am 9. Oktober 1901 begann mit Georg Ludolph die Firmengeschichte der Sattlerei und Polsterei Ludolph, damals noch in Räumlichkeiten in der Mainzer Gasse. 21 Jahre später ging der Betrieb in die Hände des Sohnes Georg über, der stetig expandierte. Ein Meilenstein war die Ergänzung um den Einzelhandel mit Möbeln.

Enkel und Urenkel übernahmen das Geschäft

Franz Ludolph, Enkel des Gründers, wurde nach seiner Meisterprüfung erst als Teilhaber eingesetzt und übernahm in 1956 dann das Geschäft vollumfänglich. Möbeleinzelhandel und Raumausstatterhandwerk waren in den folgenden dreieinhalb Jahrzehnten die Steckenpferde der Firma. Dazu gehörten zwangsläufig auch Expansionen betreffend der Geschäftsräumlichkeiten.

Nachdem sich Franz Ludolph in 1989 nach 50 Berufsjahren in den Ruhestand verabschiedete, übernahm sein Sohn Horst zum 1. März 1990 den Familienbetrieb und eröffnete sein Betten- und Matratzenstudio in einer angrenzenden Lagerhalle. Auf einer Verkaufsfläche von 250 Quadratmetern blieb keine Kundenfrage rund um das Thema Schlafen unbeantwortet.

Zwischenzeitlich vergrößerte Horst Ludolph dann noch einmal die Geschäftsräume um einen Ausstellungs- und Verkaufsraum in der Ascheröder Straße 10, primär, um zum Thema Wasserbetten ausstellen und informieren zu können.

Langjährige Mitarbeiter und tolle Weihnachtsfeiern

In der ursprünglichen Werkstatt liegt der Schwerpunkt bis heute noch auf dem Polsterhandwerk. Als gelernter Raumausstatter übt Ludolph seinen Beruf nun bereits mehr als 50 Jahre aus. Zum echten Handwerk gehört das Aufpolstern und Beziehen antiker oder moderner Polster- und Sitzmöbel.

Unterstützt wurde Ludolph von Petra Lindenthal (61), die seit 25 Jahren im Betrieb und dort im Büro und Verkauf tätig ist. Thekla Lang (67) gehörte zwölf Jahre, bis zur Rente, fest als Verkäuferin zur Firma. Komplett wird das Team mit Joseph (Sepp) Krummer (82), der vor 67 Jahren, als Horst Ludolph geboren wurde, bereits im Betrieb tätig war: „35 Jahre habe ich bei seinem Vater gearbeitet. Dann bin ich 13 Jahre als Dozent auf der Meisterschule tätig gewesen und habe danach wieder 20 Jahre halbtags ausgeholfen.“

In Erinnerung bleiben dem Team besonders die Weihnachtsfeiern: „Wir gingen Kegeln, danach Essen und hatten immer eine Menge Spaß. Das Arbeitsklima war toll.“ Spätestens Ende August wird der Betrieb nun geschlossen – bis dahin bleibt noch Zeit, sich von treuen Kunden gebührend zu verabschieden. (Vanessa Schnücker)

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