Kabarettist und Arzt Lüder Wohlenberg war in Willingshausen zu Gast

Ein Profipatient klärte auf

Berichtete vom schwierigen Ärzte-Alltag: Kabarettist Lüder Wohlenberg war zu Gast in Willingshausen. Foto: Rose

Willingshausen. Lüder Wohlenberg ist Arzt, Patient und Kabarettist - und zwar genau in dieser Reihenfolge: „Anders kann man das Gesundheitssystem auch kaum ertragen“, erklärte der Kölner Mediziner am Freitagabend dem Publikum im Gasthaus Stamm in Willingshausen. Zu dritten Mal trat dort ein Künstler in der Reihe „Hör-mal im Denkmal“ auf.

Der Arzt persiflierte sich mit Leichtigkeit durch Themen wie Krankenversicherungen, Kassenleistungen und Kreißsäle. „Wird schon wieder“ - dieser Satz sei quasi ein Reflex, ein ärztliches Heilversprechen. Man könne schließlich nicht das fragen, was einem unmittelbar durch den Kopf gehe, etwa: „Haben Sie schon über Organspende nachgedacht.“ Als Patient gelte es, stets auf der Hut zu sein. Besonders im Krankenhaus. „Da werden Sie als erstes gefragt, wer im Falle des Todes benachrichtigt werden soll. Die einzig richtige Antwort lautet: der Staatsanwalt.“

Überhaupt heilten 90 Prozent aller Krankheiten eigentlich von allein aus - „wenn man es als Arzt schafft, die Finger vom Patienten zu lassen“.

Er selbst sei auch noch mit einer Ärztin verheiratet. Das bedeute, dass die Kinder bereits früh EEG, Kernspintomografen und andere Untersuchungen umfänglich kennen gelernt hätten. „Nur in der Kita gibt es immer Kügelchen.“ Die wichtigste Erfindung in der Medizin sei übrigens Viagra. Das meist verkaufte Medikament mit der größten Gewinnspanne: „Zuerst haben es Ratten getestet, dann Radfahrer“, erläuterte Wohlenberg.

Und das Publikum lernte noch mehr. Etwa, dass der Arztberuf ein freier Beruf ist: „Ärzte dürfen Geschenke annehmen. Das ist eine wichtige Information für sie“, insistierte der Mediziner. Man könne ruhig den Quittengelee von der Oma mitbringen: „Das ist eine Win-Win-Situation. Der Arzt fühlt sich verpflichtet, besser zu arbeiten, und Sie sind das olle Zeug los.“

Täglich warme Mahlzeit

In der Rolle des Patienten fühlte sich Wohlenberg ebenso wohl. „Ich bin Profipatient - allein schon wegen der täglichen warmen Mahlzeit im Krankenhaus.“ Er sei altersmäßig für die Krankenversicherungen sowieso nur noch ein Kostenfaktor. Zum Geburtstag habe er einen Gutschein für eine Darmuntersuchung bekommen. „Da pumpen die Luft in dich rein, das reicht für 60 Luftballons.“ Festgestellt worden seien Hämorrhoiden: „Früher hatte ich den Tiger im Tank, jetzt den Drachen im Hintern.“

Von Sandra Rose

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