Brisante Details werden laut

Prozess in Marburg: Geschädigte war wohl schwere Alkoholikerin

Justitia-Figur vor strahlend blauem Himmel.
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Schwere Körperverletzung und Vergewaltigung sind Anklagevorwürfe in einem Strafverfahren am Marburger Landgericht. (Symbolbild)

Es geht um schwere Körperverletzung und Vergewaltigung: Der zweite Verhandlungstag am Marburger Landgericht lieferte weitere Puzzleteile, die den Fall weiter aufklären könnten.

Marburg/Schwalm-Eder – Schwere Körperverletzung und Vergewaltigung sind Anklagevorwürfe in einem Strafverfahren am Marburger Landgericht. Dreimal soll ein 46-Jähriger aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis gegen seine damalige Lebenspartnerin straffällig geworden sein. Die Frau ist inzwischen verstorben, die Wahrheitsfindung umso schwieriger. Beim zweiten Verhandlungstag sollte durch weitere Zeugenaussagen geklärt werden, ob der 46-Jährige der Frau mit einer leeren Wodka-Flasche eine Platzwunde am Hinterkopf zufügte und sie so stieß, dass sie auf einem Auge ihr Sehvermögen verlor. Wurde er durch Eindringen mit Fingern in ihren Körper sexuell übergriffig? Hat der 48-jährige Mitangeklagte die Geschädigte dabei festgehalten?

Der Verhandlungstag lieferte dabei allenfalls einige neue Puzzleteile. Zum Beispiel sagte der Vorsitzende Richter Dr. Frank Oehm zwischendrin: „Ich glaube, es ist unstrittig, dass die Geschädigte eine schwere Alkoholikerin war.“ Wie mehrere Personen bezeugten, sei ihr Alkoholkonsum häufiges Streitthema in der fünfjährigen Beziehung mit dem Hauptangeklagten gewesen. „Die Geschädigte war täglich voll“, berichtet eine Bekannte, was auch der damalige Nachbar bestätigt.

Prozess in Marburg: Polizist schildert Details aus Vernehmung

Sie sei häufig wankend gestürzt. Der Nachbar ergänzt: „Wenn die betrunken war, ist die richtig aggressiv geworden.“ Auch an diesem Verhandlungstag tauchten brisante Details auf. So berichtet etwa die Ex-Frau des Angeklagten Folgendes: Die Cousine des 46-Jährigen, die bereits gehört wurde, hätte zur befreundeten Geschädigten einmal gesagt: „Man müsste ihm mal einen reinwürgen.“ Daraufhin habe sie die Geschädigte dazu bewogen, ihre Aussage zu ändern – wo sie damals von Stürzen gesprochen hatte, sollte sie jetzt dem Angeklagten die Schuld in die Schuhe schieben. Die Ex-Frau führte als Zeugin weiter aus, die Geschädigte habe ihr gesagt, dass sie den mutmaßlichen Übergriff gar nicht als solchen empfunden habe und dass lediglich die Cousine von einer „Vergewaltigung“ gesprochen habe. Dass die Cousine weiter ausgesagt hatte, der Mitangeklagte habe sie festgehalten, stimme demnach auch nicht. Weiter berichtete ein Polizeibeamter von seiner Vernehmung mit der Geschädigten, diese habe mehrfach und ausdrücklich gesagt, sie wolle nicht, dass der Übergriff verfolgt würde.

Der Zeuge schilderte sogar ein Telefonat aus dem Jahr 2019, in dem die Geschädigte ihre gesamte Aussage zurücknehmen wollte, denn sie komme wieder gut mit dem jetzt Angeklagten klar. Dann tauchte im bisherigen Verfahren noch dieses Detail auf: Mehrere Zeugen sagten, die Mutter des Hauptangeklagten habe nach dem Vorfall mit dem kaputten Auge das Blut weggewischt, „um die Spuren zu beseitigen“ sowie „aus Angst vor der Polizei“. (Beatrix Achinger)

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