Kulturherbst: Theodor Hoffmeyer und Roswitha Aulenkamp entführten in andere Welten

Reise entlang der Seidenstraße

Weltmusik zum Auftakt: Schauspieler und Opernsänger Theodor Hoffmeyer und Pianistin Roswitha Aulenkamp empfingen am Sonntag ihre Gäste in der Casa Aulenkamp. Foto: Rose

Ziegenhain. Unter dem Titel „Entlang der alten Seidenstraße“ stand am Sonntagabend der Auftakt zur Veranstaltungsreihe „Kulturherbst“ in der Casa Aulenkamp in Ziegenhain. Die Gäste erlebten uralte Hörtraditionen sowie einen Reisebericht.

Für den musikalischen Part zeichnete die Pianistin Roswitha Aulenkamp verantwortlich, den literarischen Teil übernahm der Schauspieler und Opernsänger Theodor Hoffmeyer. Schlagzeuger Steffen Moddrow, der beide unterstützen sollte, war erkrankt. Als alte Seidenstraße gilt jene sagenumwobene Handelsstraße zwischen Ost und West – sie bestand aus einem Netzwerk von Routen – die den Westen mit dem Osten verbanden. Einige dieser Straßen führten durch Usbekistan und Kirgistan.

Die Zuhörer reisten mit den Künstlern in die mystische Welt der Derwishe und Hirten, der Kurden und Klöster, Tempeltänzerinnen und Choräle. Roswitha Aulenkamp interpretierte Weltmusik von Georges Gurdjieff – einem griechisch-armenischen Esoteriker, Schriftsteller, Choreographen und Komponist, der zunächst in Russland und später in Frankreich wirkte – die er zusammen mit dem russischen Komponisten Thomas de Hartmann schrieb. „“Das hat es eigentlich nie gegeben, dass zwei Komponisten an einem Werk gearbeitet haben“, verdeutlichte die Pianistin und stellte damit die Einzigartigkeit der Komposition heraus.

Gurdjieffs Ziel sei es gewesen, die Melodien des Volkes zu sammeln und zu verarbeiten – Motivation sei ihm die brennende Frage nach der Existenz und dem Sinn des Lebens gewesen. „Er war auf der Suche nach Gott. Denn er hatte festgestellt, dass ihm im Leben fehlte – das war auch in seiner Musik zu spüren“, erläuterte Aulenkamp.

Esoterische Traditionen

Auf der Suche nach Orten verborgener esoterischer Traditionen, deren Spuren Gurdjieff seit seiner frühen Jugend meinte erkennen zu können, reiste er jahrzehntelang durch Zentralasien, Nordafrika und Europa. In seinem teils autobiographischen, teils wohl allegorischen Werk „Begegnungen mit bemerkenswerten Menschen“ beschreibt er die Erfahrungen, die er und eine Gruppe Gleichgesinnter, die „Sucher der Wahrheit“, dabei machten. Theodor Hoffmeyer las aus diesen Reiseberichten und lenkte den Geist der Zuhörer in mystische Sphären. Er erzählte von der beschwerlichen Reise in ein Kloster, vom Lernen tibetischer Wörter, von sakralen Tänzen der Priesterinnen. „Dahinter verbirgt sich ein Alphabet der Haltungen. Man zeichnete in Tänzen Informationen auf“, erklärte Hoffmeyer. Präzise, eindringlich und sinnlich verschmolzen Musik und Literatur zu einem aufregenden Ausflug, einem Diskurs zwischen Ost und West – auf der Suche nach dem einen Gott.

Von Sandra Rose

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