1. Startseite
  2. Lokales
  3. Schwalmstadt

Jäger retten Rehkitze vor der Mähmaschine

Erstellt:

Von: Matthias Haaß

Kommentare

Kitzrettung: Jagdpächter Michael Weigt trägt ein Rehkitz von der Wiese, bevor der Landwirt mäht. Das Tier wurde mit einer Drohne gefunden.
Kitzrettung: Jagdpächter Michael Weigt trägt ein Rehkitz von der Wiese, bevor der Landwirt mäht. Das Tier wurde mit einer Drohne gefunden. © Michael Weigt

Jagdpächter ziehen Bilanz – 27 Kitze wurden dank Drohne gefunden. Im Mai und Juni mähen die Landwirte ihre Wiesen. Rehkitze kamen dabei immer wieder zu Tode.

Schwalm - Dank des Einsatzes einer Drohne konnten im Frühjahr und Frühsommer in der Jagdgenossenschaft Immichenhain/Kleinropperhausen und Asterode auf einer Fläche von gut 210 Hektar 27 Kitze vor dem Tod gerettet werden, zieht Jagdpächter Michael Weigt gegenüber der HNA Bilanz.

Aufgrund ihres angeborenen Schutzreflexes folgen sehr junge Kitze nicht der Mutter und fliehen vor den Schleppern mit den Kreiselmähwerken, sondern ducken sich im hohen Gras auf den Boden. Das hilft zwar gegen Fressfeinde, aber nicht gegen moderne Landtechnik. Vom Schlepper sind die Tiere dann nicht mehr auszumachen und es besteht immer die Gefahr, dass ein Rehkitz durch das Mähwerk getötet wird.

Moderne Maschinen sind gefährlicher für Kitze

Das ist allein auch der Tatsache geschuldet, dass moderne Maschinen eine sehr große Arbeitsbreite haben und auf den Wiesen auch schneller fahren können. Während Landwirte früher die Wiesen, oft gemeinsam mit den Jägern, aufwändig am Boden absuchen mussten, haben sich bereits seit einigen Jahren Drohnen als probates Hilfsmittel erwiesen.

Wie gut das funktionieren kann, bewiesen in dieser Saison die Landwirte der Jagdgenossenschaft Immichenhain/Kleinropperhausen und Asterode, welche die Zusammenarbeit der Jagdpächter Michael Weigt und Heinrich Riehm mit Drohnenpilot Daniel Kurz von der Firma Kurz Airworks aus Schrecksbach finanziell unterstützt.

Jäger suchen die Kitze - ab 4 Uhr morgens

Dabei gilt für Jäger und Landwirte der altbekannte Grundsatz: Der frühe Vogel fängt den Wurm, oder in diesem Fall: die Drohne entdeckt das Rehkitz – um vier Uhr geht es auf die Wiese.

Der Landwirt ist in der Verpflichtung, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um das Leid an den Tieren zu vermeiden. Den zuständigen Jagdpächter über den Zeitpunkt der Mahd zu informieren, sollte selbstverständlich sein, mahnt der Jagdpächter: „Jede Wiese ist gefährdet.“

Zum Greifen nahe: Ein Rehkitz im Blick der Drohnenkamera. Die Drohne hat auch eine Wärmebildkamera.
Zum Greifen nahe: Ein Rehkitz im Blick der Drohnenkamera. Die Drohne hat auch eine Wärmebildkamera. © Privat

Am frühen Morgen vor der Mahd werden die Wiesen mittels einer Drohne mit einer hochauflösenden Wärmebildkamera überflogen und mit einem dualen Kamerasystem werden die Fundstellen identifiziert. Die Drohne fliegt dabei laut Weigt in 80 bis 100 Meter Höhe. Sobald ein Tier gefunden ist, macht sich das Bodenteam auf den Weg zur Fundstelle. „Die gefundenen Kitze werden dann in einen Karton verbracht und nach der Mahd wieder der Freiheit beziehungsweise der Mutter übergeben“, sagt der Jagdpächter.

Landwirten droht Strafe, wenn sie Kitze töten

Der Drohneneinsatz hilft nicht nur den Tieren, sondern erspart den Landwirten auch viel Ärger. Wer eine Wiese ohne vorherige Absuche abmäht und dabei ein Rehkitz verletzt oder gar tötet, verstößt gegen das Tierschutzgesetz.

Dort heißt es: Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder einem Wirbeltier aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt, kann mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft werden.

Das ist keine leere Drohung: In jüngster Vergangenheit mussten sich Landwirte wegen toter Rehkitze immer wieder vor Gericht verantworten und Geldstrafen zahlen. Wiederholungstäter gelten sogar als vorbestraft. In der Schwalm gebe es da keine Probleme, sagt Weigt: „Man arbeite kooperativ zusammen und die Landwirte nehmen das Angebot an.“

Auch interessant

Kommentare