Viele Grüße aus der Schwalm

Sammler aus dem Altkreis Ziegenhain feiern den 150. Geburtstag der Postkarte

Eine historische Ansichtskarte aus Treysa mit der die Bahnhofstraße aus dem Jahr 1906.  
Sammlung: Uwe Schmidt
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Eine historische Ansichtskarte aus Treysa mit der die Bahnhofstraße aus dem Jahr 1906. Aus der Sammlung von Uwe Schmidt.

Die Postkarte gibt es seit 150 Jahren in Deutschland. Sammler aus der Schwalm haben noch Exemplare von vor 1900 - Mit Motiven aus Schwalmstadt.

Vor 150 Jahren hatte der damalige Generalpostmeister Heinrich Stephan die Idee, eine offene Postsendung, die „Correspondenzkarte“, zum halben Briefporto in Deutschland einzuführen. Trotz der Bedenken, dass jedermann die private Botschaft lesen könnte, wurde sie in Form der Ansichtskarte bis heute zu einer Erfolgsgeschichte und Gegenstand großer Sammlungen.

Manche Sammler (Philokartisten) interessieren sich für die Frankatur und die Stempelung, andere für Grußkarten zu Geburtstagen, Ostern, Weihnachten oder Neujahr. Als Motivkarten mit Gebäude-, Städte- und Dorfansichten dokumentieren sie ein Stück Kultur- und Heimatgeschichte.

Uwe Schmidt aus Treysa sammelt Karten von Alt-Treysa, seitdem er 1956 im Kinder- und Jugenderholungsheim des Kreises auf Sylt war. Seine Eltern schickten ihm und seinem Bruder Karten aus Treysa, die später zusammen mit Urlaubsgrüßen der Geschwister im Schuhkarton gesammelt wurden. Als die Leidenschaft größer wurde, kaufte er Karten auch von Privat, aus Nachlässen und auf Flohmärkten. Seine älteste Karte von Treysa (Bahnhofstraße) lief 1906 durch die Post. Man erkennt rechts das Bahnhof-Hotel und links die Drogerie Adler.

Heute umfasst seine Sammlung etwa 500 Stück. Ebenso viele Karten von Treysa hatte der verstorbene Treysaer Helmut Brauroth zusammen getragen. Einmal hat er eine Karte sogar für 250 € ersteigert. Seine Sammlung befindet sich nunmehr im Archiv des Stadtgeschichtlichen Arbeitskreises, ist aber wegen der Corona-Pandemie noch nicht aufgearbeitet.

Ihre Postkartensammlung ist Heipel-Biedebachs Schatz

Anneliese Heipel-Biedebach sammelt alles zur Schwalm, was alt und schön ist und erfreut sich daran. Schon als Kind hat sie angefangen Dinge aufzuheben, die andere nicht zu schätzen wussten. Ihre Sammlungen sieht sie als Schatz, den sie sich immer wieder gerne hervorholt und anschaut. Ihre älteste Karte von Ziegenhain wurde dort am 14. Oktober 1896 gestempelt und ins Elsass verschickt. Dargestellt sind der Paradeplatz, das Landratsamt, das Schloss und der Marktplatz.

Historische Postkarte aus Ziegenhain aus dem Jahr 1896. Die Postkarte gehört in die Sammlung von Anneliese Heipel-Biedebach.

Im Ersten Weltkrieg hatte die Gruß- und Ansichtskarte als portofreie Feldpost Hochkonjunktur. Etwa 8 Millionen Sendungen täglich wurden mit der entscheidenden Botschaft „Mir geht es gut“ von der Front in die Heimat geschickt. Im Wirtschaftswunder nach dem Zweiten Weltkrieg und im folgenden Massentourismus wurde es für deutsche Urlauber nahezu Pflicht, Grüße aus fremden Orten und Ländern an die Daheimgebliebenen zu schicken.

Auch heute noch ist die Ansichtskarte, trotz der superschnellen Text-Bild-Übermittlung, bei über der Hälfte der Deutschen die bevorzugte Grußform. Der damit verbundene Aufwand und die Kosten werden gerne als besonderer Akt der Freundschaftspflege anerkannt.

Von Bernd Lindenthal

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