Trotz Höhe und Tiefen: Gesangverein Liederkranz Ottrau feiert seinen 120. Geburtstag

Sie sangen durch die Jahre

Historische Aufnahme: Das Foto zeigt den Männerchor des Liederkranzes Ottrau zu Gründung im Jahr 1894. Fotos:  privat/ Rose2

Ottrau. Freud und Leid liegen manchmal eng beieinander – das musste auch der Gesangverein Liederkranz Ottrau erfahren: Anfang Dezember blickt der Verein auf sein 120-jähriges Bestehen zurück. „Höhen und Tiefen konnten dem Verein nichts anhaben“, sagt der Vorsitzende Berthold Schmerer.

1894 gründete sich der Männergesangverein. In der Chronik war dazu zu lesen: „Die Geburtswehen dauerten zwei Jahre“. Immerhin 14 Sänger trafen sich regelmäßig zum Üben, 1910 war der Chor auf 40 Mitglieder gewachsen.

Im Ersten Weltkrieg ruhten die Vereinsaktivitäten. Erster Höhepunkt nach dem Krieg war 1924 ein Sängerfest auf Bambeys Hof. Die für 600 Rentenmark erworbene Fahne wurde eingeweiht. Dokumentiert ist auch, dass der heiße Tage es erforderte, dass sich die Sänger die Kehlen vor dem Singen mit reichlich Wasser befeuchteten.

Ein Jahr später gründete sich der Sängerbund Bechtelsberg. Im selben Jahr wirkte der Chor kurze Zeit als Gemischter Chor: 60 Sänger gehörten ihm an. Im Zweiten Weltkrieg waren die Mitglieder anderweitig beansprucht, das Singen kam zum Erliegen.

Zu lesen ist, dass viele Menschen Schichtarbeit beim Bau der Autobahn leisteten. 1950 fanden sich die Sänger wieder zusammen.

Nach der Euphorie des 60-jährigen Bestehens beutelten Krisen und Unstimmigkeiten den Verein. Die Mitglieder fanden bei Theateraufführungen und Familienabenden wieder zusammen. Anfang der 1970er-Jahre stand wieder einmal der Männerchor auf wackeligen Füßen: Damen bereicherten den Chor.

Nach Vorstands- und Dirigentenwechsel stellte sich 1976 die Existenzfrage. Durch Mitgliederwerbung im Dorf blühte der Verein wieder auf. 220 Menschen unterstützten den Gesangverein. 1977 lebte der Männerchor erneut auf. Auch im Gemischten Chor ging es stetig aufwärts. Zur 1200-Jahr-Feier Ottraus 1982 nahmen die Chöre sogar ihre Lieder auf Kassette auf.

Kontakt nach Fambach

Im November 1989 knüpfte die Gemeinde nach der Wiedervereinigung Kontakt mit dem grenznahen Städtchen Fambach im Thüringer Wald. Die Vertreter der Gemeinde wurden 1990 beim ersten Besuch von Sängern des Liederkranzes begleitet.

Alsbald gab es einen Gegenbesuch des dortigen Frauenchores. 1998 ging der Männerchor in den Gemischten Chor über. Seitdem bereichern 23 Sänger das klangliche Vereinsleben.

Chorleiterin ist seit zehn Jahren die 27-Jährige Jennifer Wagner. Das Amt des Vorsitzenden bekleidet seit 20 Jahren Berthold Schmerer, ebenso lange unterstützt ihn sein Stellvertreter Wilfried Lindemann.

„Die Singstunden sind Begegnungsstätte und fördern die Gemeinschaft im Ort“, sind beide überzeugt. Seit 120 Jahren bereichere der Gesangverein das gesellschaftliche und kirchliche Leben in der Gemeinde. „Darauf sind wir stolz.“

Von Sandra Rose

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