Stipendiatin Romina Abate zeigt eine überraschende, vorwärts gewandte Ausstellung

Den Schalk im Nacken

Strahlend bei der Eröffnung: Romina Abate (Mitte) mit Gästen. Fotos: Rose

Willingshausen. Selten gab es in der Kunsthalle einen Stau: Am Freitagabend aber staute sich der Zustrom der Besucher bis auf den Hof. Sie warteten im Eingangsbereich, dass sich die Türen zur Ausstellung von Künstlerstipendiatin Romina Abate öffneten.

Von einem Stau im Kunsthallenbetrieb wollte Bürgermeister Heinrich Vesper indes nichts wissen. Er bemühte sich, zu versichern, dass sich „die Türen nicht so schnell schließen werden“. Fritz-Otto Winter vom Vorstand der Kreissparkasse wünschte sich, dass das Thema „mit aller Sachlichkeit diskutiert wird“. Die Sparkassenkulturstiftung - Träger des Stipendiums - unterstütze auch im kommenden Jahr die Kunst in Willingshausen. Man habe zwei neue Stipendiaten ausgewählt.

Kurator Bernhard Balkenhol kommentierte die Entscheidung der Gemeinde, die Stelle von Kunsthallenleiterin Kati Werkmeister nicht zu verlängern, kritisch: „Noch können Sie heute hier eine Kletterpartie erleben, ich stelle in Frage, wie lange noch. Kunst ist eine Frage des Könnens und des Wollens.“ Kati Werkmeister habe „eine Jugendlichkeit in die Kunsthalle gebracht“ und sich fachlich hervorragend um die Stipendiaten gekümmert.

Und so schien es sinnfällig, dass die Gäste in Romina Abates Ausstellung zunächst über Zäune steigen mussten. „In Willingshausen musste die Künstlerin jedoch keine Zäune überspringen, sie wurde freundlich aufgenommen“, erläuterte Balkenhol. Vielmehr waren es die vielen Motive, die ihr zunächst Hindernis gewesen seien: Ihre Wohnstatt, Hochsitze, alte Möbel, Bücher, Staffeleien („von denen der Hobbymaler fühlte sie sich provoziert“).

Romina Abate kenne keine medialen Grenzen. Sie zeichne, installiere, fotografiere, filme. Sie setze Fundstücke in Beziehung, so dass Sinn und Bedeutung neu entstünden. Ihre Methode sei, selbst zum Gegenstand im Kunstwerk zu werden, erklärte Balkenhol. Ihre Ausstellung vermittele den Eindruck eines Labors, man finde sich in einem Ensemble künstlerischer Versuchsanordnung wieder, einem Raum, in dem Anfang und Ende nicht auszumachen seien. „Jeder Zustand ihres Arbeitens ist ein Werk“, sagte der Kurator. Meist greife sie dabei zur Kamera. „Für Romina Abate steht alles auf dem Spiel: Form, Inhalt, Bedeutung, Wert, Konvention und Irritation.“ Die Gleichzeitigkeit von Möglichem und Unmöglichem sei die künstlerische Freiheit, die sie sich nehme. Dabei werde immer auch ihr Schalk im Nacken sichtbar, „genießen Sie die Freiheit, der eigenen Wahrnehmung zu folgen. Und vergessen Sie nicht, über das Gesehene und sich selbst zu lachen“.

Die Stipendiatinnen für das kommenden Jahr heißen Maren Graf und Susanne Wagner.

Zu sehen ist die Ausstellung der 39. Stipendiatin noch bis zum 23. Dezember, dienstags bis freitags, 14 bis 17 Uhr, samstags und sonntags 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.

Von Sandra Rose

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