Der Tod schien gewiss

100 Jahre Erster Weltkrieg: Frankenhainer berichten über den Krieg im Osten

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Ihm gelang die Flucht: Der Frankenhainer Georg Zulauf flüchtete vom Kaspischen Meer aus russischer Kriegsgefangenschaft. 

Frankenhain. Der Reservist Georg Zulauf aus Frankenhain geriet am 9. Juni 1915 in russische Gefangenschaft und wurde in das Lager Simbirsk an der Wolga verbracht. Nach einer gelungenen Flucht traf er am 17. Juli 1918 wieder in Frankenhain ein.

Er berichtete, dass seine Kompanie vom Berliner Garde Füsilier Regiment bestimmt worden sei, den Rückzug in Galizien zu decken.

Es sei ihnen schon im voraus bewußt gewesen, dass sie fallen oder in Gefangenschaft geraten würden. In Viehwagen seien sie in das Innere Russlands transportiert worden.

Die Frankenhainer Schulchronik berichtet über ihn: „In der Nähe von Kiew angelangt, mussten sie auf Wunsch der Bevölkerung ihre Mützen abziehen, da die Leute dort selbst ihre Hörner sehen wollten. Jedenfalls stand die Annahme, dass die Deutschen Hörner auf dem Kopfe haben, in Beziehung mit den Helmspitzen, oder diese plumpe Albernheit ist dem russischen Volke durch die Presse eingeimpft worden, um Verachtung und Hass gegen dieselben zu schüren. Dass dem Gefangenen Zulauf sogleich bei seiner Gefangennahme Schnürschuh und Wäsche abgenommen, kann uns von dem barbarischen Russen nicht Wunder nehmen. (…) Allen Gefangenen wurden sogleich Ringe und Uhren abgenommen.

Georg Zulauf in Kriegsgefangenschaft: Diese Mitteilung des Roten Kreuzes beendete die Ungewissheit in der Heimat.

Oftmals wurden den Gefangenen die Finger abgeschnitten, wenn die Ringe so fest an denselben saßen. Nach wochenlanger Fahrt kamen sie dann in Simbirsk an, woselbst sie an einem Bahnbau arbeiten mussten. Ihre Nahrung bestand dortselbst wochenlang aus Brot und warmen Wasser. (…) Später wurde Georg Zulauf mit einer Anzahl Gefangenen an das Kaspische Meer in die Nähe von Astrachan gebracht.

Von hier ist er dann im März 1918 mit noch sieben Leidensgenossen in Zivilkleidern geflüchtet. Zunächst sind sie per Schiff auf der Wolga bis Zarizyn gefahren, dann haben sie die Bahn benutzt bis Orscha. Dort wollte sie der russische Posten nicht durchlassen, nachdem er aber 80 Mark in die Hand gedrückt bekam, konnten sie die russisch-ukrainische Grenze passieren, woselbst die Schwergeprüften dann mit offenen Armen von den Unseren empfangen wurden.

Nachdem Georg Zulauf erst noch drei Wochen in Quarantäne in Warschau gelegen, konnte er die Reise in die geliebte Heimat antreten. Er erhielt einen acht Wochen Urlaub.“

Bernd Lindenthal

 

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