Die Maler und ihre Modelle: Volles Haus beim 18. Bilderschwatz zu Hugo Mühlig

Mit Schirm und viel Charme

Bilderschwatz mit Corells: Thema des Abends war ein Bild von Hugo Mühling „Corell aus Willingshausen“. Im Bild von links Ortsvorsteher Reinhold Corell, Erster Beigeordnete Manfred Ries, Ulli Becker-Dippel, Heike Corell und Udo Schölling. Foto: Rose

Willingshausen. Lebhaft ging es beim 18. Bilderschwatz am Sonntag in Willingshausen zu: Der Ortsbeirat hatte die Patenschaft übernommen. Im Mittelpunkt der Plauderei über Kunst standen der Maler Hugo Mühlig und sein Modell, der „Corell aus Willingshausen“.

Die Historie: Ulli Becker-Dippel nahm die Zuhörer zunächst mit auf Zeitreise. 1890 entstand Mühligs Werk. Zu einer Zeit, in der die Industrialisierung Einzug hielt. Neue Märkte sorgten für Absatz und Rohstoffe. Nach dem Aufstand der Bergarbeiter wurde der Ruf nach Arbeitsschutz lauter, erklärte die Willingshäuserin. 1891 sei das entsprechende Gesetz erlassen worden.

Der Künstler: Der Maler Mühlig wurde von Heinrich Geisel, dem Vorsitzenden der Vereinigung Malerstübchen, vorgestellt. Der auf dem Bild zu sehende Corell sei Butterführer, Leinweber und Feldschütz gewesen. Seine Markenzeichen waren Schildmütze und Regenschirm.

Vom Vater erbte er die Liebe zur Malerei – er war Landschaftsmaler. „Zunächst nahm er bei ihm Unterricht, dann ging er auf die Kunstakademie und siedelte 1883 nach Düsseldorf über“, erläuterte Geisel.

Im selben Jahr reiste Mühlig das erste Mal nach Willingshausen. Ab 1887 war er Mitglied der Künstlervereinigung Malkasten in Düsseldorf. Mit dem Maler Adolf Lins verband ihn eine Freundschaft: „Auf einem Bild ordnet er den darauf zu sehenden Karren per Schild ihm zu. Ob ihm auch die abgebildete Schwälmerin zuzuordnen ist, weiß man nicht. Vielleicht malte er die Szene mit einer gewissen Bissigkeit.“

Mühlig wurde erfolgreich, unter anderem als Professor in Berlin. In Willingshausen zog er mit Lins um die Häuser und trank gern das eine oder andere Gläschen.

Mit Bantzer verband beide wenig. „Es könnte sein, dass sich die Maler deshalb häufiger nach Röllshausen zurück zogen. Schließlich war Mühlig durchaus angesehen und hatte vermutlich wenig Lust, mit Bantzer über die Qualität der Malerei zu diskutieren“, erklärte Geisel.

Das Modell: Ortsvorsteher Reinhold Corell erzählte sowohl über das Modell Corell – „er ist mein Urururgroßvater“ – als auch über den gleichnamigen Bürgermeister sowie die Aufgaben des Ortsbeirates. Der Butterführer Corell sei mit der Schubkarre bis zum Markt nach Kassel gelaufen, um dort die Butter zu verkaufen. Zu der Zeit lebten im Ort 765 Menschen in 152 Familien. Schon damals hatte die Gemeinde Schulden: 8000 Mark. Die interkommunale Zusammenarbeit habe es ebenfalls bereits gegeben. Angeschafft wurde eine Feuerwehrspritze. Und zwar zusammen mit Wasenberg und Allendorf/Landsburg.

Bürgermeister Johannes Corell sei hingegen nicht von Mühlig, sondern 1841 von Knaus gemalt worden. Bei Brot, Wurst und Schmalz wurde in heiterer Runde noch lange rege weiter diskutiert. (zsr)

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