Schlamm wälzt sich durch das Dorf

Merzhausen war vom Starkregen zum zweiten Mal betroffen

Der Tag danach: Teilweise hatte die Feuerwehr bereits in der Nacht den Schlamm in den Straßen beseitigt. Am Tag übernahm das der Willingshäuser Bauhof.
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Der Tag danach: Teilweise hatte die Feuerwehr bereits in der Nacht den Schlamm in den Straßen beseitigt. Am Tag übernahm das der Willingshäuser Bauhof.

Das Starkregenereignis in der Nacht von Sonntag zu Montag hat besonders die Gemeinde Willingshausen getroffen. Insbesondere die Menschen im Ortsteil Merzhausen hatten keinen guten Start in die Woche.

Merzhausen. Die Merzhäuser sind fassungslos: Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Wochen haben sich Schlamm- und Wassermassen durch den Ort gewälzt. War es am Abend des 9. Juni überwiegend der Schlamm in den Straßen, der die Einsatzkräfte beschäftigte, so war die Lage in der Nacht zu Montag eine andere: Die Kanäle konnten die Wassermassen nicht mehr fassen, so drückte die schmutzig-braune Brühe in den Kellern hoch. An die 50 Häuser sind betroffen, schätzt Ortsvorsteher Heinrich Keller. Ihm zufolge hat ein Merzhäuser 51 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen.

Fast die ganze Nacht waren die Willingshäuser Feuerwehren im Einsatz.

Laut Heinrich Vesper soll eine Wohnung unbewohnbar sein. Der Bürgermeister spricht von „einem Bild der Verwüstung“.

Der Ortsvorsteher beschreibt die Situation in der Nacht: Wasser und Schlamm wälzten sich von der Straße zur Grillhütte durch die Fischbacher Straße, den Lustgarten, die Straße „An der Erl“, die Judengasse, die Erbsengasse, die Ziegenhainer Straße sowie den Brückenweg. Das Wasser nehme diesen Weg, weil der Einlauf in Höhe des Friedhofs diese Mengen nicht aufnehmen könne, meint Keller. Auch den Maisanbau bringt der Ortsvorsteher als Ursache mit ins Spiel.

Schlammlawine in Merzhausen

Die Stimmung in Merzhausen gestern? Man sei überwiegen sauer – weil man sich mit diesem Problem allein gelassen fühle, erklärt Keller. Über das Problem, dass bei Starkregen die Wassermassen aus Richtung Grillhütte ins Dorf fließen, werde schon seit sieben Jahren diskutiert. Bereits 2014 waren innerhalb von zwei Wochen die genannten Bereiche schon zweimal überflutet worden. „Aber wirklich passiert ist in der Zwischenzeit nichts“, so der Ortsvorsteher. Der Ortsbeirat sei der Meinung, dass Wege beschritten werden müssten, die verhindern, dass die Wassermengen ungehindert ins Dorf stürzen.

Jürgen Schneider kämpft mit dem Schlamm.

„Es gibt für Merzhausen nicht die Lösung“, betont der Bürgermeister. Die Gemeinde sei sich der Lage bewusst. Es habe sich schon nach den Ereignissen in 2014 ein Planungsbüro mit dieser Problematik befasst.

Die Situation für Merzhausen sei schwierig – allein schon wegen der Topografie, erklärt Vesper weiter. Auch den Vorschlag des Ortsbeirates, geeignete Wiesen zu kaufen, um das Wasser umzuleiten, haben man versucht aufzugreifen. „Es gab Verhandlungen mit Eigentümern“, bestätigt Vesper, die seien allerdings gescheitert.

„Es ist den betroffenen Merzhäuser Bürgern nicht zuzumuten, bei jeder Gewittermeldung die Ungewissheit zu ertragen, ob sie diesmal wieder absaufen“, unterstreicht noch einmal Heinrich Keller. Es sei die Gemeinde in der Pflicht, denn lokale Starkregen wird es aufgrund der Klimaänderung zukünftig wahrscheinlich öfters geben.

Besonders stark betroffen von der Schlammwalze war die Ziegenhainer Straße an der Ecke Brückenweg.

Und auch die Willingshäuser Feuerwehren werden künftig sorgenvoll das Wettergeschehen beobachten. Für sie war es zum Montag eine kurze Nacht. Gemeindebrandinspektor Ralf Lipphardt war von 1.30 Uhr bis 5.30 Uhr mit 60 Einsatzkräften aus den Willingshäuser Ortsteilfeuerwehren nicht nur in Merzhausen, sondern auch in Willingshausen und Wasenberg im Einsatz. Natürlich auch an der Klinkenmühle bei Loshausen. Dort beschäftigte die Feuerwehrleute nicht nur das übliche Hochwasser auf der Straße, sondern auch ein umgestürzter Baum. (Sylke Grede)

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