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Abverkauf läuft: Massivholzmöbelhaus „Primus Natura“ macht dicht

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Von: Sandra Rose

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Fast 40 Jahre lang war das Massivholzmöbelhaus „Primus Natura“ Anlaufstelle für Wohn-Ambiente aus Nordhessen. Nun ist Schluss – die Besitzer finden keinen Nachfolger.

Treysa – Jetzt schließt das Unternehmerpaar aus Altersgründen sein Geschäft, das tatsächlich weit über die Grenzen Schwalmstadts bekannt ist. Aktuell läuft der Abverkauf, ein exaktes Schließungsdatum gibt es noch nicht. „Wir finden für unser besonderes, eher unkonventionelles Möbelhaus keinen Nachfolger“, begründet Ute Bagus die Entscheidung, „sind aber offen für Ideen zur Nutzung“, ergänzt ihr Mann.

Dass der Verkauf von Massivholzmöbeln ein solcher Erfolg würde, daran haben die Unternehmer immer geglaubt. „Wir hatten eine Vision und waren unserer Zeit voraus, aber wir haben genau das angeboten, was die Kunden sich gewünscht haben“, ist Ute Bagus überzeugt. Und das gäben ihr die vielen treuen Kunden auch zurück. „Bei uns werden Geschichten geschrieben. Viele Jüngere, deren Eltern bei uns Kunden sind, kommen ebenfalls zu uns. Das ist ein schönes Gefühl.“

Ute und Dr. Josef Bagus stehen zwischen Möbeln und Deko in ihrem Unternehmen.
Aus Altersgründen schließen Ute und Dr. Josef Bagus ihr Unternehmen in Treysa – Primus Natura war das erste Massivholzmöbel-Geschäft in Nordhessen und weit über die Schwalm hinaus bekannt. © Sandra Rose

„Primus Natura“ in Treysa: Das erste Massivholzmöbelhaus Nordhessens

Der Startschuss fiel 1985, als der inzwischen verstorbene Firmengründer Heinrich Siebert in einem Anbau der damaligen Küchenmöbelfabrik Siewa den Primus-Möbel-Abholmarkt eröffnete, in dem es Möbel zum Selberbauen gab. Kurz darauf übernahm Tochter Ute Bagus die Geschäftsleitung und strukturierte das Angebot um – Primus wurde zum ersten Massivholzmöbelhaus Nordhessens. Kiefernmöbel waren überaus gefragt, Kunden kamen von weither nach Treysa, das aktuell durch die Eröffnung vom Café „Dätschweck“ für mehr Urbanität in der Region sorgen möchte.

Ein altes Foto der Geschäftsinhaber mit dem Maler Ferdinand von Reitzenstein: Zu dritt stehen sie vor einem Werk des Malers.
Die Geschäftsinhaber mit dem Maler Ferdinand von Reitzenstein in den Anfangsjahren des Möbelhauses, er stellte im Haus aus. © Privat

„Wohnen mit allen Sinnen“: Nordhessens Erlebniswelt mit Brücken und Fachwerkhäusern

Auch Ehemann Dr. Bagus, Zahnarzt, stieg ins Unternehmen mit ein. Nach und nach erweiterte man das Sortiment, Buche, Eiche, Teak und Nussbaummöbel vervollständigten die Palette. Dafür brauchte es Platz: 1997 wuchs die Verkaufsfläche auf die heutige, insgesamt 3500 Quadratmeter. Die Idee, den Kunden eine besondere Wohlfühlatmosphäre beim Einkaufen zu bieten, wurde konkreter.

Das Geschäft Primus Natura wird in der Außenansicht gezeigt.
Seit 1997 heißt das Geschäft Primus Natura, gegründet wurde es 1985 In der Aue in Treysa als Erweiterung einer Küchenmöbelfabrik. © Privat

Und so schuf ein junges Innenausbauer-Team in wochenlanger Arbeit eine Art Erlebniswelt mit künstlich angelegten Brücken, rustikalen Mauern und alten Fachwerkhäusern, in der Möbel noch besser zur Wirkung kamen. „Das Wohnen mit allen Sinnen war mir immer ein Anliegen – es sollten einfach alle Sinne angesprochen werden. Bei der Auswahl und der Dekoration konnte ich meine kreative Seite voll ausleben“, sagt Ute Bagus.

Erstes Möbelhaus Nordhessens schließt: „Wertschätzung trägt uns durch diesen anstrengenden Prozess“

Bei der persönlichen Beratung durch acht Mitarbeiter und saisonalen Dekorationen blieb es nicht: Das Haus öffnete seine Türen auch zu Verkostungen und Ausstellungen, beispielsweise mit dem Kasseler Künstler Ferdinand von Reitzenstein, der seine Werke in dieser besonderen Atmosphäre präsentierte.

In den vielen Jahren hat das Ehepaar auch viele Kontakte knüpfen können, „und nicht selten waren wir auch einfach Zuhörer und Berater in persönlichen Fragen“, berichtet die Chefin, der die Schließung sichtbar nahe geht. „Es war eine bewusste von uns getroffene Entscheidung, aber sie fällt uns sehr schwer“, erzählt die 64-Jährige.

Das Bild zeigt einen weihnachtlich geschmückten Tisch und einen Weihnachtsbaum im Möbelhaus.
Zur Firmenphilosophie gehört auch die saisonale Dekoration im kompletten Haus und einer liebevoll gestalteten Boutique. © Sandra Rose

Umso mehr freue sie sich über die Resonanz der Kunden, die vielfach ihr Verständnis für die Entscheidung zeigten – aber auch ihr großes Bedauern. „Die Wertschätzung trägt uns durch diesen anstrengenden Prozess“, sagt Ute Bagus.

Noch gibt es kein exaktes Datum für die Schließung, das lassen sich die Inhaber bewusst offen. Der Abverkauf laufe, man werde sehen. Möbel seien zwischen 20 und 50, Dekoartikel um 20 Prozent reduziert, Neubestellungen immer noch möglich, ergänzt Bagus. Die angrenzende Polsterwelt 3000 ist nicht von der Schließung betroffen. (Sandra Rose)

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