Gefangenenhilfe unterstützt seit 25 Jahren Häftlinge in Ziegenhain

Der Vorstand: (von links) Kassiererin Iris Köhler, Schriftführer Wilfried Porada, Vorsitzender Karl Vermöhlen und 2. Vorsitzender Manfred Hattenhauer.

Ziegenhain. „Wieder draußen und was nun?", titelte die HNA vor 25 Jahren anlässlich der Gründung der Gefangenenhilfe Schwalmstadt. Seit dieser Zeit ist der Verein eine wichtige Schnittstelle zwischen Inhaftierten und Entlassung. In dieser Woche wurde anlässlich des Jubiläums in einer Feierstunde im Ziegenhainer Gefängnis Bilanz gezogen.

Bis zur Gründung der Schwalmstädter Gefangenenhilfe war es eine Nebenstelle des Fürsorgevereins Marburg gewesen, die sich ehrenamtlich um die Belange der Gefangenen im Schwalmstädter Gefängnis gekümmert hatten, berichtet Vorstandsmitglied Wilfried Porada. Im Juni 1989 wurde die Gefangenhilfe ins Vereinsregister eingetragen.

In den ersten Vorstand wurden Georg Weckert, Friedrich Malkemus, Ingrid Schneider und Gerhard Trenkel als Schriftführer gewählt. Seit der Nutzung des Schlosses im Jahre 1842 als Justizvollzugsanstalt war das der erste Verein dieser Art.

Neben einer schnellen unbürokratischen Hilfe wie finanzielle Unterstützung bei Telefongesprächen, Tagesausgängen, Urlaub und Ausführungen unterstützte der Verein auch größere Projekte. So offenbart beispielsweise der Geschäftsbericht aus dem Jahre 2002, dass es Zuschüsse für den Ausstattung des Freizeitraums der Sicherungsverwahrten, für ein Saxophonkonzert, aber auch für Übernachtungskosten von Angehörigen gab, so Porada. Einige Jahre unterhielt die Gefangenenhilfe ein kleines Büro mit einer Beratungsstelle in der Nähe der Anstalt für Gefangene, die sich außerhalb der Haftanstalt frei bewegen konnten, und für Angehörige. Als die Zahl dieser Gefangenen durch die veränderte Haftlockerungspraxis zurück ging, wurde das Büro aufgegeben. Beratung fand fortan allein innerhalb der Mauern statt.

Einen deutlichen Schritt weiter ging der Verein im Jahr 2007, als er die Trägerschaft des sogenannten Übergangsmanagements übernahm. Einer Aktivität, mit der der Verein höchst unterschiedliche Erfahrungen machte: Einerseits erfuhr man größte Anerkennung für die geleistete Arbeit; andererseits gelangte der Verein aufgrund seiner inneren Struktur, die völlig auf ehrenamtliche Arbeit ausgerichtet war, schnell an seine finanziellen, personellen und organisatorischen Grenzen, war doch die Trägerschaft des Übergangsmanagements mit der Beschäftigung bezahlter Mitarbeiter verbunden, erklärte Porada. Nicht zuletzt deshalb wurde der mit dem Hessischen Justizministerium geschlossene Vertrag im Jahr 2010 aufgelöst.

Weiterhin will der Verein „den Gefangenen soziale, pädagogische und materielle Hilfe und Beratung“ zuteil werden lassen und darüber hinaus die Anstalt selbst unterstützen, heißt es aus dem Vorstand. Das Gründungsjubiläum nahm der Verein zum Anlass, die Ernsthaftigkeit dieses Vorhabens durch eine konkrete Unterstützung zu dokumentieren. Das Geburtsgeschenk bekam in diesem Fall nicht der Jubilar: 5000 Euro für die Neugestaltung einer Gemeinschaftsküche auf der Behandlungsstation des Gefängnisses.

Von Sylke Grede

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