„Wir werden ungerecht behandelt“

Bewohner der Höfe im Schrecksbacher Außenbereich sind gegen  geplante Windanlagen

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Diskutierten Möglichkeiten: von links Erwin Krauß, Sebastian Jungklaus, Heinz Möller, Jörg Köhler, Georg Keil, Walter Glänzer sowie Gerald und Regina Morgenstern. Sie wollen sich gegen weitere Windanlagen bei Schrecksbach wehren.

Schrecksbach – „Wir sind keine Windkraftgegner, aber wir werden ungerecht behandelt. Dagegen möchten wir vorgehen.“ Das sagen die Bewohner der Höfe im Schrecksbacher Außenbereich.

Gerald und Regina Morgenstern, Erwin Krauß, Sebastian Jungklaus, Heinz Möller und Walter Glänzer wohnen auf den Koden- und Eggenhöfen im Außenbereich Schrecksbachs und wären vom geplanten Bau zweier Windkraftanlagen der Firma Abicon im Kohlwald (wir berichteten) laut eigener Aussage immens betroffen.

Nicht nur sie sind mit den Plänen nicht zufrieden. Auch die Anteilseigener des Waldes der geplanten Standorte – Waldinteressenten, Kirche und Gemeinde – sind gegen die Windanlagen. Es bliebe dann nur die Fläche von Hessen Forst. Hier wäre Platz für insgesamt sechs Windkraftanlagen. „Wir sind uns darin einig, dass die geplanten Windenergieanlagen in nur 600 Meter Abstand nicht akzeptiert werden können“, sagt Gerald Morgenstern.

Tourismus würde stark eingeschränkt werden

Er wohnt mit seiner Familie auf einem der 450 Jahre alten Eggenhöfe und betreibt seit einigen Jahren eine Ferienwohnung mit angrenzendem Campingplatz. „Unsere Gäste kommen wegen der Ruhe und der Landschaft hierher. Das ist jetzt schon wegen des Windparks Die Gleiche eingeschränkt“, sagt Morgenstern.

 Mit dem Bau der geplanten Anlagen würde sich das Ganze noch verschlimmern: Der Kodenhof und die Eggenhöfe würden von den Windanlagen förmlich umzingelt. „Unser Ferienhof wäre dann vom Lärm und vom Schattenschlag der rotierenden Flügel betroffen. Welcher Gast möchte schon beim Entspannen in der Natur oder an unserem Schwimmteich im Schattenschlag liegen?“, fragt Morgenstern. 

Unterschiedliche Mindestabstände ärgern sie

Die Grundstücke würden zudem einen erheblichen Wertverlust erleiden. Morgenstern hält außerdem fest: „Der Windpark im Kohlwald wird die Energiewende nicht retten, aber die Existenz unseres Ferienhofes erheblich gefährden.“

Wäre betroffen: Familie Morgenstern wohnt auf einem der Eggenhöfe und bietet für Urlauber und Gäste neben einer Campingfläche auch einen Schwimmteich an. Im Hintergrund ständen aufgereiht die neuen Windräder, die für ordentlich Schattenschlag auf die Fläche sorgen würden.

Ganz besonders stört es die Anwohner, dass für sie als Bewohner eines Außenbereichs (600 Meter Mindestabstand) andere Regeln gelten als für Wohngebiete (1000 Meter). Bereits jetzt höre man die Windräder von der Gleiche, obwohl diese rund 900 Meter weit weg ständen. Das Regierungspräsidium habe außerdem zugesagt, dass bei den geplanten Anlagen mindestens 1000 Meter Abstand eingehalten werden würden. Als der Teilregionalplan Energie dann mit den Vorranggebieten offengelegt wurde, waren es nur noch 600 Meter.

Auch auf die Natur werde bei den Bebauungsplänen keine Rücksicht genommen. „Das Gebiet wurde erst wieder in den Teilregionalplan aufgenommen, nachdem der geschützte Schwarzstorch-Horst ‘zufällig’ vom Baum gefallen ist“, berichten die Schrecksbacher. Es gebe aber noch weitere Arten, die von Windanlagen bedroht werden würden: Rotmilan, Uhu, Baumfalke, Schwarzmilan, Wespenbussard und auch Fledermausarten leben im Kohlwald. Auch Zugvogelarten machten in dem Gebiet Halt oder würden hindurchziehen. Hier gebe es ein zu großes Konfliktpotenzial.

Bürgermeister Schultheis steht hinter seinen Bürgern

Der Verein Schöner Ausblick blickt genau auf die Bebauungspläne. „Wir werden demnächst als Naturschutzverband anerkannt und sind dann in Angelegenheiten des Naturschutzes klageberechtigt“, sagen Jörg Köhler und Georg Keil vom Vorstand. Sie sehen es ähnlich wie die Anwohner: Im Umkreis gibt es schon genügend Windanlagen für die regionale Größenordnung. „Wo die Entscheidungsträger wohnen, gibt es komischerweise keine Windanlagen“, sind sie sich einig.

Eine „zusätzliche, unzumutbare Belastung“ der Anwohner der Höfe werde von der Gemeinde abgelehnt, betont Schrecksbachs Bürgermeister Andreas Schultheis: „Das ist ein erheblicher Verlust der Lebensqualität.“

Das sagt das Regierungspräsidium

Harald Merz, Sprecher des Regierungspräsidiums in Kassel (RP), betont, dass im Schwalm-Eder-Kreis insgesamt nur 17 Windenergieanlagen genehmigt sind. Das sei im Verhältnis zum gesamten Regierungsbezirk eine deutliche Unterpräsentation. 

Das RP verstehe Hinweise auf Überbelastung nicht in Gänze. Diese sei weder für die Gemeinde noch für den Kreis ersichtlich. Vielmehr sei sie als subjektiv zu bezeichnen und ggf. wahrzunehmen. "Auch mit Blick auf die 600 Meter Abstände zu Einzelhöfen sehen wir keine außergewöhnliche Belastung", teilte Merz auf Anfrage der HNA mit. Dem Regierungspräsidium erschließt sich die Sorge der Umzingelung nicht. "Auf dem Kartenauszug sind deutlich die Siedlungsabstände erkennbar und auch, dass außerhalb dieses südwestlichen Bereichs keinerlei Vorranggebiete dargestellt sind.

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