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Ehemalige Kirche in Schrecksbach wird zu Wohnraum

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Von: Matthias Haaß

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Die ehemalige katholische Kirche in Schrecksbach wird von außen gezeigt.
Zuschlag erteilt: Ein Schrecksbacher Unternehmer hat das Bieterverfahren um die ehemalige katholische Kirche für sich entschieden. In der Kirche sollen Wohnungen entstehen. © Matthias Haaß

In einer ehemaligen katholischen Kirche entstehen in Schrecksbach neue, günstige Wohnungen.

Schrecksbach – Im Juli wurde die katholische Kirche in Schrecksbach „entweiht“ und damit aus ihrer ursprünglichen Funktion als Gotteshaus genommen, HNA berichtete. Jetzt hat ein bekannter Schrecksbacher Unternehmer von der katholischen Kirche den Zuschlag für den Erwerb des Gebäudes bekommen. Das bestätigte der Investor im Gespräch mit der HNA, möchte aber in dieser Sache seinen Namen nicht in der Zeitung lesen.

Im nächsten Schritt wird der Kaufvertrag noch notariell beurkundet, dann ist das ehemalige Kirchengelände in weltlicher Hand. „Ich habe den Zuschlag bekommen, aber noch nicht gekauft“, erklärt der Schrecksbacher den formalen Verlauf des Verfahrens.

günstiger Wohnraum

Der Unternehmer möchte in dem Kirchengebäude Wohnraum schaffen. Er plane vier bis sechs Wohneinheiten mit einer Größe von jeweils 55 bis 65 Quadratmetern, sagt der Schrecksbacher: „Aus dem alten Kirchengebäude werden ganz normale Wohnungen.“

Zielgruppe für die Wohnungen seien Menschen, die sich keine hohen Mieten leisten können, erklärt der Investor. Nach eigenen Angaben hat der Unternehmer – der in der Gemeinde Schrecksbach unter anderem zwei Firmen besitzt – in der Schwalmkommune bereits 30 Wohneinheiten geschaffen und habe mit solchen Bau- und Investitionsprojekten Erfahrung.

Vergabe durch das Bistum

Mit der Abgabe seines Angebots habe er der katholischen Kirche, in diesem Fall dem Bistum Fulda, bei einem Bieterverfahrens ein Nutzungskonzept vorlegen müssen. Unter anderem wäre eine Weiternutzung der Räumlichkeiten durch eine andere Glaubensgemeinschaft nicht möglich gewesen, berichtet der Mann unserer Zeitung. Das letzte Wort im Verfahren hatte also das Bistum.

Auch nach dem Umbau in ein Mietshaus bleibe der Charakter der ehemaligen katholischen Kirche zumindest äußerlich erkennbar, so der Unternehmer.

Ihm sei bekannt, dass jemand für den Kauf des Kirchengebäudes wohl den Zuschlag erhalten habe, bestätigt Schrecksbachs Bürgermeister Andreas Schultheis auf Anfrage der HNA-Redaktion.

Portrait von Andreas Schultheis
Andreas Schultheis, Bürgermeister © Andreas Schultheis

Leihglocke bleibt wohl in Schrecksbach

Die in der Kirche befindliche Glocke wird vermutlich einen Platz in der Gemeinde Schrecksbach behalten. Vorbehaltlich der Zustimmung der politischen Gremien sei es angedacht, dass die Kirchenglocke funktionsfähig auf dem Friedhof aufgestellt werde, das teilt der Verwaltungschef mit: „Das wir die Glocke übernehmen, ist einhelliger Wunsch.“ Die Glocke gehe aber nicht in das Eigentum der Gemeinde Schrecksbach über, sondern man werde einen Dauermietvertrag mit der katholischen Kirche abschließen, schränkt der Verwaltungschef ein.

Das ist wohl auch der Geschichte der Glocke geschuldet, die nicht eigens für die Schrecksbacher Kirche angefertigt wurde, sondern eine Leihglocke ist.

Glocke kommt aus Schlesien

Als Leihglocke werden Glocken aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten bezeichnet, die während des Zweiten Weltkriegs eigentlich für die Rüstungsproduktion eingeschmolzen werden sollten, aber aufgrund des Kriegsverlaufs nicht eingeschmolzen wurden und bei Kriegsende in den drei westlichen Besatzungszonen lagerten. Die Glocken wurden an westdeutsche Kirchengemeinden ausgeliehen, das heißt, sie könnten von den ursprünglichen Besitzern auch wieder eingefordert werden.

Die Schrecksbacher Glocke wurde 1492 gegossen und stammt aus Wolmsdorf in Schlesien (heute Polen). Am Glockenhals ist laut einer der HNA vorliegenden Informationsschrift eine umlaufende gotische Majuskelinschrift angebracht. Die Inschrift lautet: Hilf * Got * Maria * Berot * alles * das * wyr * beginnen * das * ys * ein * go *1492 * unleserlich. (Matthias Haaß)

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