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Neue Dokumentation über das Ehrenmal in Röllshausen

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Von: Matthias Haaß

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Zeitgeschichte: In der Dokumentation über das Ehrenmal Röllshausen verwerten die Autoren auch Feldpostkarten. Im Bild ein Exemplar von der Westfront 1915. Die Karte wurde in Namur (Belgien) abgeschickt. Repros: Mathias Haaß
Zeitgeschichte: In der Dokumentation über das Ehrenmal Röllshausen verwerten die Autoren auch Feldpostkarten. Im Bild ein Exemplar von der Westfront 1915. Die Karte wurde in Namur (Belgien) abgeschickt. © Haaß, Matthias

Neue Dokumentation über das Ehrenmal in Röllshausen. In der Dokumentation verwerten die Autoren auch Feldpostkarten aus dem Ersten und Zweiten Weltrkrieg.

Röllshausen – Mit dem Krieg im Osten Europas bekommt eine Dokumentation über das Ehrenmal für gefallene Soldaten in Röllshausen eine Aktualität, die durchaus nachdenklich machen kann. In akribischer Recherchearbeit haben Konrad Selentschick und Hans Roth jetzt das 75-seitige Werk der Öffentlichkeit vorgestellt.

Besonders interessant an der Ausarbeitung ist nicht nur der Blick auf die Geschichte des über 100 Jahre alten Ehrenmals in dem Schrecksbacher Ortsteil, sondern unter anderem auch die Einordnung in die Zeit des 1. und 2. Weltkriegs. Dazu bedienen sich die beiden Autoren handschriftlich verfasste Feldpostbriefe und -karten, die sie in Druckbuchstaben übersetzt haben. Interessant ist aber sicherlich auch ein Brief des Röllshäuser Marine-Artilleristen Friedrich George, der im Dezember 1908 aus Singapur an seine Eltern schrieb.

Konrad Selentschik ehemaliger Schulleiter
Konrad Selentschik ehemaliger Schulleiter © Haaß, Matthias
Hans Roth Diplom-Ingenieur
Hans Roth Diplom-Ingenieur © Haaß, Matthias

Der Weg bis zur fertigen Dokumentation sei mühsam gewesen, sagt Konrad Selentschik. Gemeinsam mit Hans Roth hat der Röllshäuser schon mehrere lokalhistorischer Ausarbeitungen über seinen Heimatort erstellt. Anlass für die Dokumentation sei die Sanierung des Ehrenmals im Sommer 2021 gewesen, berichtet Selentschik. Damals habe er nicht ahnen können, dass das Ganze eine solche Brisanz gewinnen könnte. Dort wo sich heute die Ukraine gegen Russland verteidigt und NATO-Einheiten russischen Soldaten gegenüber stehen, kämpften und fielen im 1. und 2. Weltkrieg auch Männer aus Röllshausen.

Intensive Recherche im Dorf

Die Arbeit an der Dokumentation sei schon eine sehr emotionale Geschichte gewesen, meint Konrad Selentschik. Aufgrund vorheriger Projekte habe er gewusst, wo es im Ort historisch Dokumente aus Kriegszeiten geben könnte, erzählt der ehemalige Lehrer und Schulleiter: „Viele kenne ich ja persönlich. Das ist im Dorf nicht so schwierig.“ Im Ort stand sogar ein Zeitzeuge zur Verfügung. Nach der Quellenrecherche sei es Anfang des Jahres konkret geworden, so der Röllshäuser weiter: „Wir haben uns regelmäßig getroffen, wie eine Art Redaktionskonferenz.“ Während Konrad Selentschick überwiegend für das Inhaltliche verantwortlich war, übernahm sein Freund Hans Roth alles rund ums Layout. Die Arbeiten an dem Projekt dauerten bis in den Frühling hinein. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so umfangreich werden würde“, sagt Selentschik. Die Dokumentation reicht von 1900 bis in die Gegenwart.

Dokumentation Ehrenmal Röllshausen Rückseite Feldpostkarte Namur Belgien.
Dokumentation Ehrenmal Röllshausen Rückseite Feldpostkarte Namur Belgien. © Haaß, Matthias

Nach einer allgemeinen Einordnung zum Thema Ehrenmal – bis weit in die 1980er Jahre sprach man vielerorts noch von Kriegerdenkmal – folgt in fünf Kapitel die Geschichte des Denkmals in Röllshausen. Das letzte Kapitel beinhaltet ein Quellen und Literaturverzeichnis. Das Zusammentragen und einordnen der Quellen ist sicherlich der besondere Wert der Dokumentation.

Auch wenn man in den Briefen von der Front keine Überraschung entdeckt – Feldpost habe der militärischen Zensur unterlegen, schreiben die Autoren erklärend – so machen sie dennoch die Menschen die hinter den Zeilen stehen greifbar.

Nicht nur Feldpost der Soldaten findet sich, sondern im Abschnitt über den 2. Weltkrieg auch Benachrichtigungen, die den Familien mitteilen, das der Ehemann oder Sohn gefallen sind – im Duktus der NS-Zeit geschrieben machen die Schriftstücke nachdenklich.

Wie lange die Familien in Röllshausen an den Kriegsfolgen zu tragen hatten, lässt sich erahnen, wenn man das Gutachten des DRK-Suchdienst über das Schicksal von Hans Kurt Hoos ließt. Der Flieger wurde seit 1943 vermisst – das Ergebnis der Suchanfrage ist von 1988. Die Dokumentation kann über die Autoren bezogen werden.

Kontakt und Info: Konrad.Selentschik@t-online.de (Matthias Haaß)

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