Geübt wird am Bildschirm

Schrecksbachs Brandschützer drehen Ausbildungsvideos

Im Bild Wehrführer Daniel Platte vor einem Feuerwehrauto.
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Der Gerätewagen Logistik ist für die Schrecksbacher eine völlig neue Fahrzeugkategorie. Wegen Corona musste ein Teil der Ausbildung per Video oder online erfolgen. Im Bild Wehrführer Daniel Platte.

Neue Einsatzfahrzeuge sind in der Historie einer Feuerwehr immer ein besonderes Ereignis. Neben der Freude über ein modernes Fahrzeug, bedeutet es aber auch immer eine Menge Arbeit, denn die Technik soll im Ernstfall funktionieren und Menschen helfen.

Schrecksbach – Damit jeder Handgriff sitzt, werden in der Regel von den Führungskräften zusätzlich zu den regulären Übungseinheiten, Unterweisungen, Technische Dienste, und Maschinistenausbildungen unzählige Sonderausbildungen angesetzt. Oft treffen sich die Feuerwehrleute täglich, um sich mit der neuen Technik, die auch viel Geld gekostet hat, vertraut zu machen.

So weit, so normal – da wir aufgrund der Corona-Pandemie aktuell aber nicht in normalen Zeiten leben, mussten sich auch die Brandschützer neue Wege suchen – Kleinstgruppenausbildung, Online-Schulung und Video-Tutorials wurden in vielen Wehren ein Thema. Feuerwehrausbilder, die sonst direkt an und mit den Geräten arbeiteten, fuchsten sich in die Erstellung von Videos ein oder sendeten Online-Schulungen direkt aus dem Feuerwehrhaus. „Ich habe das Gefühl, dass wir das Doppelte oder sogar Dreifache an Zeit investiert haben“, sagt Schrecksbachs Wehrführer Daniel Platte. Die Feuerwehr im Herzen der Schwalm hat seit vergangenem Jahr gleich zwei neue Fahrzeuge bekommen. Ein Löschgruppenfahrzeug Katastrophenschutz (LF-Kats) und einen Gerätewagen Logistik (GW-L) mit einem erstmals in Schrecksbach eingeführten Rollcontainer-System – und dann kam Corona.

Bei dem neuen Löschfahrzeug haben man noch Glück gehabt, erzählt Platte. Als nach dem ersten Lockdown der allgemeine Übungsdienst wieder eingeschränkt möglich gewesen sei, habe man die Feuerwehrleute unter Einhaltung der geltenden Hygieneregeln am Fahrzeug ausbilden können, sagt der Schrecksbacher: „Ich hätte sonst nicht schlafen können.“

Damit im Einsatz jeder Handgriff sitzt, muss geübt werden. Gar nicht so einfach in Corona-Zeiten. Das neue Fahrzeug kam in der Pandemie nach Schrecksbach.

Der zweite Lockdown ab Oktober macht es dann deutlich schwieriger – auch in Schrecksbach musste die Feuerwehr den Übungsbetrieb größtenteils einstellen, erzählt der Wehrführer. Damit war auch keine vertiefende Ausbildung im größeren Rahmen möglich. Technik bedienen zu können ist das eine, aber Feuerwehr ist immer auch ein Zusammenspiel von Mannschaft und Gerät. Übungsdienste im Gruppenstärke – das sind neun Feuerwehrleute – oder gar im Zug- rahmen 22 Feuerwehrleute mit drei Fahrzeugen – waren aufgrund der Pandemie monatelang nicht mehr möglich.

Mitten im zweiten Lockdown kam der Gerätewagen Logistik nach Schrecksbach. Glücklicherweise habe der GW-L bislang noch nicht so viele Einsätze gehabt, sagt Schrecksbachs Wehrführer. Um die Mannschaft mit der Funktionsweise der Rollcontainer vertraut zu machen, habe man insgesamt acht Filme produziert, erzählt Platte. Die Filme wurden dann per E-Mail oder über WhatsApp an die Feuerwehrleute verschickt.

Und das mit guter Resonanz. Man merkt ja, wenn das Video nicht gesehen wurde, berichtet Gemeindebrandinspektor Thomas Schier.

Durch die Filme sei gewährleistet gewesen, dass sich jeder mit der Materie erst einmal grundsätzlich vertraut machen konnte, ergänz Platte. In Kleinstgruppen habe man den Feuerwehrleuten die Ausrüstung dann auch noch am Fahrzeug erklärt, so Daniel Platte: „Es ging ja nicht anders und so hat jeder alles gesehen und zumindest in der Hand gehabt.“ (Matthias Haaß)

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