Gäste lauschten den Erlebnissen von Johann Valentin Asteroth

Literatur zur blauen Stunde: Ein Schwälmer in Amerika

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Brachten den Gästen die Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges näher: Heidrun Merk und Bernd Schulz lasen am Sonntag in Holzburg aus Asteroths Tagebuch.

Holzburg. Zur blauen Stunde kamen am Sonntagnachmittag 50 Gäste im blauen Saal des Schwälmer Dorfmuseums in Holzburg zusammen, um sich bei einer Lesung in die Zeit des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges entführen zu lassen.

Johann Valentin Asteroth aus Treysa verließ 1776 als 18-Jähriger seine Heimatstadt, um als Hesse im Dienst der englischen Krone gegen die nach Unabhängigkeit strebenden Amerikaner zu kämpfen.

Tagebuch geführt 

Asteroth führte während seines insgesamt sechs Jahre andauernden Auslandsabenteuers ein Tagebuch, in dem er Erlebnisse und Beobachtungen festhielt. Das Originaltagebuch befindet sich in der Murhard´schen Bibliothek in Kassel. Heidrun Merk und Berndt Schulz lasen aus der vom stadtgeschichtlichen Arbeitskreis Treysa herausgegebenen Ausgabe „Das Tagebuch des Sockenstrickers Johann Valentin Asteroth“ - 1992 im Selbstverlag erschienen. Dazu ergänzten sie ihren Vortrag mit weiteren Quellen.

22 Wochen auf See 

Zu Fuß wanderte die 2. Hessische Division unter dem Oberbefehl des General Huyne von Ziegenhain über Wabern, Gudensberg und Uslar bis nach Cuxhaven. Mit einer Zwischenstation in England segelte Asteroth 22 lange Wochen bis nach Long Island. Da er gut singen konnte, begleitete er auf See die Gottesdienste mit seinem Gesang und erhielt dafür eine Kanne Bier extra.

Lebensart 

Pfarrer Heinrich Kümmel hatte Asteroth zu seinem Bediensteten erklärt, so dass er auch in Amerika nie kämpfen musste. Asteroth wunderte sich über die amerikanische Lebensart. So sah er bei seinen Stadtrundgängen junge Frauen, die ihr Haar offen trugen. „Da nahm ich mir die Freyheit, daß ich alletag eine stunte möchte spazieren gehen, daß ich bald die Hollen (Locken) gewohnt werden“, schrieb er 1777.

Arbeit der Sklaven 

Überrascht war er auch über die Arbeitsmoral: „Ein jeder Bauer oder Bürger hat sein Fehrt (Pferd) und seine Cargole (Kutsche). Da fahren sie spazieren in der Stadt, besuchen ihre Freunde oder besehen ihre Frucht. Ein jeder Man hat einen oder mehr Mohren, die sie gekauft haben. Die mussten ihnen die Arbeit thun.“

Lauschte den Erzählungen: der 11-jährige Valentin Asteroth aus Dittershausen.

Fasziniert stellte Asterroth fest: „Sommerszeit morgens steigen sie auf, dan wird der Tee getrunken und des Abends um 5 Uhr. Da mag dan ein Mensch seyn so arm wie er well, so wird zwei Mahl des Tages vor Tee gesorgt, dann sie glauben, sonsten könnten sie nicht leben.“ 1784 kehrte Valentin Asterroth nach Treysa zurück, heiratete und arbeitete als Sockenstrickermeister.

Neues über den Vorfahr

In dem überwiegend älteren Publikum saß auch der 11-jährige Valentin Asteroth aus Dittershausen. Sein Namensvetter Johann Valentin Asteroth aus Treysa war der Urgroßonkel des Urururgroßvater des Jungen und als eine weitere Gemeinsamkeit verriet der 11-Jährige, dass er mit seinem Ahn nicht nur den Namen, sondern auch das Geburtsdatum, den 12. Oktober, teilt.

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