Von einem, der sich den Räubern anschloss

Schwalm: Alte Justizaufzeichnungen zum Lebenslauf von Gaunern aus der Region

In Reptich wurde Jonas Hoos geboren, das Dorf verließ er aber nach der Konfirmation, um sich Fuhrleuten anzuschließen. 
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In Reptich wurde Jonas Hoos geboren, das Dorf verließ er aber nach der Konfirmation, um sich Fuhrleuten anzuschließen. 

Jeder kennt den Schinderhannes – doch wer war der Heidenpeter, der Schodenheinrich, der Hessenheinrich oder Jonas Hoos?

Sie sind allesamt aus unserer Heimat stammende Bandenmitglieder, die in der Region ihr Unwesen trieben.

Räuberbanden waren von 1790 bis 1815 in Wetterau und Vogelsberg am Werk – skrupellos, nur um sich selbst zu bereichern. Für viele endete ihr Treiben mit dem Tod: Enthauptet, gehängt oder aufs Rad geflochten. Räuberbanden hatten auch damals schon Konjunktur. Nach vielen Kriegen war die Armut unendlich groß. Die Räuber waren die „Ärmsten der Armen“.

Räuber hatten eigene Sprache

Ihre Opfer waren nicht etwa die ganz Reichen, denn die konnten sich gut schützen, sondern die städtische und ländliche Mittelschicht. Die gut organisierten Banden verwendeten Geheimzeichen, die zum Beispiel sichere Unterkünfte anzeigten oder vor Gefahr warnten. Sie bedienten sich auch einer eigenen Sprachform, dem Rotwelsch, in der „baldowern“ für Auskundschaften steht, „pumpen“ für Leihen oder „die Platte putzen“ für Verschwinden steht.

Durch die vielen Kleinstaaten war die Verfolgung der Banden schwierig. Sie flüchteten in einen anderen Staat und waren sicher. Nach dem Wetzlarer Kongress 1801 jedoch konnten Polizei und Justiz die Räuber grenzübergreifend verfolgen.

Lebensläufe finden sich in Justizakten

Durch akribische Recherche von Johannes Schütz in alten Justizaufzeichnungen konnten Schicksale und Lebensläufe einiger Räuber mit heimischen Wurzeln in der Region aufgezeichnet werden, darunter auch Jonas Hoos aus Reptich.

Jonas Hoos wurde 1812 zum Tode verurteilt und in Gießen hingerichtet.

Räuber wurde als Bauernsohn geboren

Geboren wurde Jonas Hoos im Jahr 1784 in Reptich als Sohn des Bauern Conrad Hoos. Nach dem frühen Tod der Mutter kam es bald zu familiären Konflikten mit der zweiten Frau des Vaters. Deshalb lief er bereits im Alter von zehn Jahren von zu Hause fort, verdingte sich als Helfer in einer Wirtschaft und half Fuhrleuten bei ihren Geschäften. 

Mehrere Versuche des Vaters, den Jungen noch ans Elternhaus zu binden, scheiterten. Nach der Konfirmation verließ er endgültig seine Heimat und begab sich mit Fuhrleuten auf Reisen. Schließlich lernte er Angelica Krämer, einen Spross aus echtem „Gaunergeschlecht“, kennen.

Er verließ die Fuhrleute, zog mit seiner „Beischläferin“ über Land und sammelte Lumpen. Durch sie machte er Bekanntschaft mit Räubern und wurde Mitglied der Vogelsberger Räuberbande. Nach einem Einbruch im Jahre 1807 erfolgte die erste Einlieferung in das „Stockhaus“ (Landgerichtgefängnis) in Gießen.

Räuber wurde mit dem Schwert hingerichtet

Nach einer achtmonatigen Zuchthausstrafe wurde er des Landes verwiesen, später wieder inhaftiert. Nach seiner Entlassung aus der Haft im April 1810 verübte er unbeeindruckt weitere Diebstähle, Einbrüche und Überfälle und landete wieder im Zuchthaus. Dort gelang es ihm, einen Ausbruchsversuch zu organisieren. 

Durch Verrat scheiterte das Unternehmen jedoch. Hoos wurde wegen mehr als 60 verübter Straftaten und der geplanten Gefängnisrevolte angeklagt, schuldig gesprochen und am 1. Juli 1812 zum Tode verurteilt. 

Er wurde am 14. Juli in Gießen mit dem Schwert hingerichtet. „Das Sterben ist ihm nicht leichtgefallen“, wie Richter Grolman als Augenzeuge der Hinrichtung notiert: „Schwebend musste er zum Schafott hinaufgetragen werden und seine letzten Worte waren das Flehen um Gnade und Branntwein.“

Von Ute-Anemone Lorenz

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