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Bürokratie vor dem Einsatz: Lösch-Helikopter muss per Fax angefragt werden

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Von: Matthias Haaß

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Für Hubschrauberanforderungen gibt es ein Fax-Formular. Einfach mal losfahren beziehungsweise fliegen und löschen geht so nicht.

Schwalm-Eder – Neben der Feuerwehr sind bei großen Waldbränden oft auch die Bundeswehr, die Landespolizei und die Bundespolizei im Einsatz. Hubschrauber können aus der Luft Brände zielgenau löschen, Berge- und Pionierpanzer Schneisen in unwegsames Gelände schieben. Helfer in der Not sind auch die großen Wasserwerfer der Polizei, egal ob von Bund oder Land. Einfach mal losfahren beziehungsweise fliegen und löschen geht aber nicht. Der Dienstweg muss eingehalten werden.

In der Regel werden diese Institutionen im Zuge der Amtshilfe tätig. Die Anforderung von Hubschraubern ist zum Beispiel im Hessen genau geregelt. Das darf nicht jeder Wehrführer oder Gemeinde- beziehungsweise Stadtbrandinspektor nach eigenem Ermessen machen, bürokratische Wege sind auch im Brandfall einzuhalten.

Ein Löschhelikopter bei der Arbeit.
Ein Löschhelikopter bei der Arbeit. © Matthias Bein/dpa

Schwalm-Eder-Kreis: Ordnung muss auch im Brandfall sein

Das hat aber durchaus seine Berechtigung, schließlich sind Hubschrauber, egal ob in Blau oder Tarnfarben lackiert, eine endliche und vor allem wertvolle Ressource. Einen Hubschraubereinsatz können in Hessen nur die Kreisbrandinspektoren oder ein berechtigter Stellvertreter anordnen. Im Schwalm-Eder-Kreis ist das zunächst Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar. Das dazu notwendige Formular findet sich im „Sonderschutzplan Waldbrand“ wieder. Dort heißt es, dass das ausgefüllte Formular per Fax an das Lagezentrum der Hessischen Landesregierung geschickt werden muss. Für den Einsatz aus der Luft bedient sich das Land primär der Polizei Fliegerstaffel, der Staffel der Bundespolizei in Fuldatal.

Auch wenn die Bundeswehr zum Einsatz kommen soll, muss alles seine Ordnung haben. Grundvoraussetzung für eine Unterstützung sei die Frage nach Fähigkeiten, die von den zivilen Einsatzkräften nicht eingebracht werden können oder nicht vorhanden sind, erklärte ein Sprecher des Landeskommandos Hessen unserer Zeitung: „Nur dann kann die Bundeswehr im Rahmen von Artikel 35 Grundgesetz aktiv werden.“

Die Bundeswehr gewährt in eiligen Fällen auch Soforthilfe

Das Prozedere sieht demnach vor, dass das Kreisverbindungskommando (KVK) im Landkreis als militärischer Berater dem Landrat und seinem Katastrophenschutzstab zur Verfügung steht. Eine Anfrage für eine Hilfeleistung der Bundeswehr und der geforderten Fähigkeit geht über das Landeskommando Hessen. „Es koordiniert und prüft die Hilfeleistungsanträge, welche zur Abfrage an das Kommando Territoriale Aufgaben in Berlin gesendet werden“, so der Sprecher weiter. Dort erfolgt eine Abfrage, ob die gewünschte Fähigkeit zur Verfügung steht. „Bei einer eiligen Anfrage kann ein Soforthilfeantrag gestellt werden“, so der Sprecher des Landeskommandos.

Waldbrandbekämpfung: Ein Hubschrauber der Bundespolizei mit einem Bambi Bucket. Der Außenlastbehälter kann bis zu 2000 Liter Wasser punktgenau abgeben.
Waldbrandbekämpfung: Ein Hubschrauber der Bundespolizei mit einem Bambi Bucket. Der Außenlastbehälter kann bis zu 2000 Liter Wasser punktgenau abgeben. © Patrick Metz

Die Bereitstellung von Fähigkeiten kann aber schon mal etwas länger dauern. So gibt es in Nordhessen keine Einheit mehr, die über Bergepanzer verfügt. In Fritzlar sind zwar Hubschrauber stationiert, aber der Kampfhubschrauber Tiger ist nicht gerade für den Löschangriff geeignet. Die Kosten für einen Einsatz des Militärs werden der anfordernden Stelle in Rechnung gestellt, teilte der Sprecher der HNA mit: „In der Vergangenheit wurden diese aber in der Regel vom Verteidigungsministerium übernommen.“

Schwalm-Eder-Kreis: Lösch-Hubschrauber können Wasser von fast überall holen

Egal ob Polizei oder Bundeswehr: Für den Löscheinsatz aus der Luft nutze man sogenannte Bambi Buckets: Ein Bambi Bucket sei ein Außenlastbehälter, der unter einem Hubschrauber hängt, erklärt Patrick Metz, Stadtbrandinspektor in Melsungen: „Der Behälter kann in Seen, Flüssen oder auch Schwimmbädern oder privaten Pools gefüllt werden und wird dann über dem Brand im Flug entleert.“

Patrick Metz Stadtbrandinspektor
Patrick Metz Stadtbrandinspektor © Wenderoth, Helmut

Die für den Lufteinsatz notwendige Ausstattung befindet sich teilweise auf Abrollcontainern, die das Land Hessen für den Katastrophenschutz beschafft hat. Der nächste steht in Wolfhagen. (Matthias Haaß)

Auch für die Früherkennung von Bränden gibt es Unterstützung aus der Luft. Flugzeuge kreisen über gefährdeten Gebieten, um schon kleine Feuer frühzeitig erkennen zu können.

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