Corona: Feuerwehren müssen improvisieren

Schwalm-Eder-Kreis: Masken sind Mangelware

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Maximale Absicherung gegen Coronaviren: Da einfache Schutzmasken in ausreichender Zahl aktuell Mangelware sind, werden Feuerwehr zum Eigenschutz auch bei vermeintlich leichten Einsätzen vermehrt Atemschutz tragen. Unser Symbolbild entstand bei einer Feuerwehrübung in Schrecksbach . 

Auch die Feuerwehren im Schwalm-Eder-Kreis müssen teilweise wochenlang auf die Lieferung von Schutzmasken warten. Der Markt ist leergefegt.  

Für die Feuerwehren im Schwalm-Eder-Kreis ist die Corona-Pandemie eine besonderer Herausforderungen. Man kann das Virus weder sehen, noch riechen, noch schmecken. Aus diesen Grund setzen die Feuerwehren seit dem Wochenende ein ganzes Bündel von Maßnahmen und Handlungsanweisungen um und erweitern die persönliche Schutzausrüstung ihrer Einsatzkräfte umFFP 2 oderFFP 3-Schutzmasken.

Maskenkauf gestaltet sich schwierig

Und genau hier gibt es ein Problem. Wie eine Abfrage bei Wehren im Landkreis zeigt, sind Schutzmasken gar nicht oder nur im geringen Umfang vorhanden. Die bei den Brandschützer beispielsweise für das Schneiden von Autoscheiben zum Schutz vorgehaltenen Masken reichen für den Pandemiefall nicht aus und eine schnelle Beschaffung gestaltet sich für die Helfer schwierig.

Er habe in den vergangenen Tagen mit vielen Händlern und auch Behörden gesprochen, aber es sei nirgendwo mehr eine Maske zu bekommen, sagt Gilserbergs Gemeindebrandinspektor (GBI) Oliver Neuwirth: Wir haben alles abgegrast.“ Bei einem Verkehrsunfall werde der sogenannte Innere Retter und der Trupp, der mit hydraulischen Rettungsgerät in der Nähe des Patienten arbeitet, wohl Atemschutzgeräte tragen müssen, so Neuwirth: „Das wird bei uns so kommen.“

Lieferzeiten sind auch für Wehren ein Problem

Um über den normalen Bestand hinaus alle Einsatzabteilungen auszurüsten, hat die Feuerwehr Morschen vor vier Wochen FFP3 Schutzmasken bestellt. Diese Lieferungen erwarte man noch, sagt GBI Thomas Deist: „Lieferzeiten sind tatsächlich ein Problem, auch für die Feuerwehr“

Das Robert-Koch-Institut rät Feuerwehren bei Coronaverdacht das Tragen von Schutzmasken.

Ein ähnliches Bild in Gudensberg. Die Erstausstattung sei vorhanden, aber Nachbestellungen würden sich schwierig gestalten, teilte die Stadt auf HNA-Anfrage mit. Auch beim THW sind FFP 3 Schutzmasken Mangelware, wie Thomas Dickel vom THW Schwalmstadt auf Anfrage sagt: „Wir halten keine Masken vor. Wir haben auf jedem Auto eine Hygienebox, mit Seife, Wasser und Desinfektionsmittel.“

Maskenmangel wirkt sich auf Arbeit aus

Der Fehlbestand bei den Schutzmasken könnte sich schon in Kürze negativ auf die Arbeit der Wehren auswirken. Um die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr aufrechtzuerhalten sei es oberstes Ziel, die Gesundheit der Einsatzkräfte so lange wie möglich zu schützen, schreibt beispielsweise Frielendorfs GemeindebrandinspektorChristian Nill in einer zweiseitigen Dienstanweisung

Die Führungskräfte wissen, bereits ein infizierter Feuerwehrmann kann aufgrund notwendiger Quarantänemaßnahmen eine komplette Feuerwehrabteilung für zwei Wochen lahmlegen. Beispiele aus anderen Bundesländern häufen sich. Jede Feuerwehr, die unter Quarantäne gestellt wird, fehlt erst einmal im Sicherheitsnetz.

Schutz hat oberste Priorität

Schutz hat also Priorität, denn Feuerwehrleute haben bei Einsätzen in der Regel mit Menschen zutun. Können beim Löschen eines Hauses noch die empfohlenen Abstände zu anderen Personen eingehalten werden, ist das bei der Erstversorgung von Verletzten, technischer Rettung nach einem Unfall, Tragehilfe für den Rettungsdienst, Amtshilfe für Polizei oder Gesundheitsamt oft nur schwer möglich. 

Tagtäglich nimmt die Zahl der Corona-Infizierten zu und FFP 2 und FFP 3 Schutzmasken werden immer wichtiger. 

Feuerwehren reagieren flexibel auf den Mangel

Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar ist sich des Dilemmas bewusst und setzt bis auf Weiteres auf die berühmte Flexibilität der Feuerwehren. Bei fehlender FFP2 Maske könne zum Beispiel umluftunabhängiger Atemschutz beziehungsweise eine Atemschutzmaske mit Filter getragen werden, sagt die Feuerwehrfrau und fügt an: „Wir gehen davon aus, dass bei Patientenkontakt selbstverständlich medizinische Schutzhandschuhe getragen werden. Die Schutzkleidung ist nach dem Einsatz der Reinigung zuzuführen.“

Von Matthias Haaß

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