Autofahrer und Logistiker kalt erwischt

Schwalm-Eder-Kreis: Neuschnee wie seit Jahren nicht

Hilfseinsatz nahe der Kläranlage Sebbeterode: Ein Transporter war auf ungeräumter Straße von der Fahrbahn abgekommen und in einen Graben gerutscht. Andreas Schaal befreite das Fahrzeug mit seinem Schlepper. Sohn Jonas und Hund Goldie assistierten.
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Hilfseinsatz nahe der Kläranlage Sebbeterode: Ein Transporter war auf ungeräumter Straße von der Fahrbahn abgekommen und in einen Graben gerutscht. Andreas Schaal befreite das Fahrzeug mit seinem Schlepper. Sohn Jonas und Hund Goldie assistierten.

Zu einem schweren Unfall kam es in der Nacht zu gestern auf der A7, ansonsten blieb es beim heftigen Wintereinbruch bei Blechschäden. Vielerorts wurde den ganzen Tag nach Kräften geräumt.

Schwalm – Ihre Schicht wesentlich früher beginnen mussten am Montag zum Beispiel die Mitarbeiter des Gilserberger Bauhofes, berichtet Bürgermeister Rainer Barth aus dem Hochland. Um die 20 Zentimeter Neuschnee war hier binnen weniger Stunden gefallen. „Bis gegen zehn Uhr war in den sehr kleinen Ortsteilen wie Appenhain noch nicht geschoben. Da ging nichts mehr. Die Priorität lag auf den Kreisstraßen“, sagt Barth, der, zumindest mit Blick auf vergangene Jahre, von einer außergewöhnlichen Schneelage spricht. Beschwerden wegen des Räumens habe es im Rathaus nicht gegeben. „Die Menschen reagieren mit Verständnis. Wir arbeiten so schnell wir können.“

Neuschnee wie seit Jahren nicht: Lage im Knüll

„So viel Schnee wie jetzt hatten wir in den vergangenen fünf Jahren nicht mehr“, so Horst Nierichlo, der seit Jahrzehnten die Loipe am Stadtrand Schwarzenborns spurt und somit Experte ist. Schneeverwehungen machten diese Arbeit gestern unmöglich, aber möglichst am heutigen Dienstag soll wieder gespurt werden.

„Ich fühle mich an die Schneefälle in meiner Kindheit erinnert“, beschreibt Schwarzenborns Bürgermeister Jürgen Liebermann die Lage in der höchstgelegenen Stadt der Region. Etwa 30 Zentimeter Neuschnee fielen, so Liebermann. Ab Montagmittag war am Knüllköpfchen wieder eine Einbahnregelung eingerichtet. Vereinzelte Parkplätze seien aber weiterhin nicht befahrbar. „Der Bauhof und die Straßenmeisterei leisten ganze Arbeit, damit die Straßen frei werden“, lobte Liebermann, „die Mitarbeiter sind im Dauereinsatz, können aber nicht überall gleichzeitig sein.“

Neuschnee wie seit Jahren nicht: Schneeketten

Bereits am Wochenende hatten sich die Rettungskräfte im Altreis Ziegenhain auf den Wintereinbruch vorbereitet und ihre Einsatzfahrzeuge mit Schneeketten ausgerüstet. Damit im Ernstfall keine Zeit verloren geht, werden die Fahrzeuge bei vielen Wehren mit montierten Ketten im Feuerwehrhaus geparkt. Auch für das DRK Schwalm-Eder kam der Schnee nicht überraschend. Wie Rettungsdienstleiter Marco Hille gegenüber unserer Zeitung sagte, habe man einen Teil der Rettungswagen bereits im Vorfeld vorsorglich mit Schneeketten ausgestattet.

Bei den Notarzteinsatzfahrzeugen handele es sich um Allradfahrzeuge, die ohnehin gut mit dieser Witterung zurechtkommen würden, so Hille. Von größeren Probleme mit dem Schnee berichtetet der Rettungsdienstleiter nicht.

Für den Fall der Fälle hatte sich das DRK auch auf einen sogenannten „Schwarzfall“ vorbereitet. Darunter versteht man einen flächendeckenden und länger andauernden Stromausfall. 2005 hatten Schnee und Eisregen im Münsterland für umgeknickte Strommasten und in Folge Stromausfall gesorgt. Am Wochenende hatten Meteorologen vor einem ähnlichen Szenario gewarnt.

Neuschnee wie seit Jahren nicht: Unfälle

Auf winterglatten Straßen kam es im Altkreis Ziegenhain nach Informationen der Polizei zu mehreren Unfällen. Unter anderem rutschte schon am Samstag gegen 16.50 Uhr ein 20-jähriger Fahrer mit seinem Wagen zwischen Oberaula und Olberode von der Bundesstraße, der Wagen prallte gegen eine Schutzplanke. Mutmaßlich war der Mann aus Oberaula mit unangepasster Geschwindigkeit unterwegs. Am Fahrzeug entstand ein Schaden in Höhe von 2000 Euro, der 20-Jährige blieb unverletzt.

Am Sonntag gegen 11.30 Uhr geriet ein 35-Jähriger mit seinem Fahrzeug auf der Bornfeldstraße in Gilserberg ins Rutschen und kam erst auf der Kasseler Straße zum Stehen. Ein 24-Jähriger, der mit seinem Wagen auf der Bundesstraße in Richtung Jesberg unterwegs war, konnte nicht mehr rechtzeitig bremsen und es kam zum Zusammenstoß. Beide Fahrer blieben unverletzt. Am Wagen des 24-Jährigen entstanden 2500 Euro Schaden.

Auf der B  62 kam es am Samstag gegen 11.15 Uhr eine 20 Jahre alte Frau aus Alsfeld auf schneeglatter Straße mit ihrem Auto ins Rutschen, geriet damit auf die Gegenfahrbahn und stieß mit dem Wagen eines 29-jährigen Fahrers aus Schrecksbach zusammen. Die Frau wurde leicht verletzt, der Schaden beträgt 8000 Euro. Zwei junge Männer sind bei einem Unfall in der Nacht zu Montag auf der A 7 bei Homberg schwer verletzt worden. Sie waren mit ihrem Wagen auf einen Sattelzug aufgefahren. Die Rettungsarbeiten wurden stark durch die Witterung erschwert. Der Schaden wird auf etwa 45 000 Euro geschätzt.

Schaufeln Schnee vor ihrer Wache: von links Notfallsanitäterin Lisa Schneider und rechts Notfallsanitäter Valentin Werner.

Neuschnee wie seit Jahren nicht: Startprobleme

Wer gestern Morgen zur Arbeit fahren musste, hatte ein Problem. Und auch die, bei denen Fahren die Arbeit ist wie die Lkw-Fahrer der Edeka Hessenring. Sie konnten nicht aus dem Depot fahren, weil die Straßen zugeschneit waren. „Zwei Drittel der Lkw sind am Sonntagabend noch herausgegangen“, berichtet Hauptgeschäftsführer Florian Kramm. Dann stand der Edeka-Lkw-Verkehr erst einmal still. Es dauerte bis zum späten Montagvormittag, bis die 108 firmeneigenen Lastwagen von Melsungen aus die 537 Supermärkte in Nord- und Mittelhessen sowie regionale Ausläufer in Süd-Niedersachsen, Thüringen und dem östlichen Westfalen anfahren konnten.

„Wir haben einen halben Tag verloren“, sagt Kramm, aber er beruhigt: „Niemand muss Sorge haben, dass die Regale leer sind.“ Die Verzögerung bei der Auslieferung werde wieder aufgeholt. Das Unternehmen sei diese Belastung gewohnt, schließlich sei es eine ähnliche Situation wie wenn ein Feiertag in einer Woche liege. „Das wirft uns nicht aus der Bahn.“ Logistiker, Disponenten und Fahrer arbeiteten gestern mit Hochdruck daran, die Lastwagen mit Waren zu befüllen und die Märkte zu beliefern.

Neuschnee wie seit Jahren nicht: Hydranten

Im Internet machen die Feuerwehren in den Sozialen Medien auf das Problem zugeschneiter Hydranten aufmerksam. Unter der Schneedecke sind die Deckel schwer zu finden. Da es im Brandfall oft auf Minuten ankommen kann, bitten die Wehren um Unterstützung und rufen dazu auf, nicht nur den Bürgersteig, sondern auch die Hydrantendeckel vor der eigenen Haustür freizuräumen. Tipp: Am besten findet man die Hydranten, wenn man sich an den rot-weißen Hydrantenschildern orientiert. Die Zahlen auf dem Hydrantenschild sind Meterangaben und zeigen an, wo sich der Hydrant in der Straße befindet – insbesondere bei dieser Witterung eine wichtige Hilfestellung. (mha/sro/fbu/ddd)

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