Apotheker bestätigen reges Interesse

Cannabis-Arzneien: Mehr Nachfrage als vor Gesetz gedacht

Schwalm-Eder. Die Nachfrage nach Cannabis-haltiger Arznei ist seit Einführung des Cannabis-Gesetzes im März vergangenen Jahres auch im Schwalm-Eder-Kreis gestiegen, bestätigten Apotheker.

Bisher war eine Ausnahmeerlaubnis nötig, doch nun kann Cannabis auch mit einem üblichen Kassenrezept verschrieben werden, erläuterte Apotheker Alexander Gerhold von der Fritzlarer St.-Martin-Apotheke.

Wie hoch die Nachfrage speziell im Schwalm-Eder-Kreis ist, wird nicht erfasst, sagte Barmer-Sprecherin Brigitte Schlöter. Hessenweit seien aber seit März 2017 102 von insgesamt 207 gestellten Anträgen zur Kostenübernahme bewilligt worden, bundesweit waren es 3200 Anträge, von denen 2000 bewilligt wurden. Insgesamt reichten bei den drei großen Krankenkassen AOK, Barmer und Techniker 13.000 Patienten Anträge ein.

"Es ist gut, dass damit viele Schmerzpatienten aus der Kriminalität herausgeholt werden. Wegen der hohen Hürden haben sich Patienten Cannabis auch auf illegalem Weg besorgt, das ist nun nicht mehr nötig", so Apotheker Gerhold. Wenn ein Patient mit einem Rezept und einer Bestätigung der Kostenübernahme in die Apotheke komme, würden die entsprechenden Produkte bestellt werden. Vorrätig gibt es keine Cannabis-Produkte in der Apotheke.

Diese zu besorgen, ist momentan aber noch gar nicht so einfach, sagt Bernd Adam, Inhaber der Stadtapotheke in Treysa. Dazu fehle in Deutschland noch die nötige Infrastruktur. Denn nach dem Cannabis-Gesetz wird der Bedarf vorerst über Importe zum Beispiel aus Kanada gedeckt. Gleichzeitig wurde damit begonnen, Cannabis zu medizinischen Zwecken in Deutschland anzubauen. Bis dieses Cannabis verwertbar ist, wird es aber noch dauern. "Wir rechnen frühestens in 24 Monaten mit der ersten brauchbaren Ernte", so Adam.

Das Gesetz "Cannabis als Medizin" ist im März 2017 in Kraft getreten. Ziel ist eine bessere Schmerzlinderung schwerkranker Menschen. Das Gesetz regelt den Einsatz von Cannabis, wenn andere Medizin nicht mehr hilft. Viele Anträge werden auch abgewiesen. Das Landessozialgericht in Darmstadt hatte kürzlich entschieden, dass ein Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis ein Recht auf Cannabis hat, weil er an Bauchschmerzen leidet. Der Gesetzentwurf hatte mit knapp 700 Anträgen pro Jahr gerechnet. Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU) bewertet die hohe Zahl an Anträgen positiv. Es zeige, wie wichtig die Einführung des Gesetzes gewesen sei.

Rubriklistenbild: © dpa

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