Herz schlägt für die Vögel

Gebürtiger Florshainer engagiert sich für Kranich-Sammelplatz in Brandenburg

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Kraniche beim Durchzug: Das Foto entstand im Rastrevier in Linum in Brandenburg. 

Brandenburg/Schwalm. Die Kraniche über der Schwalm, die im Frühling und im Herbst zu Abertausenden zu beobachten sind, ziehen vielfach förmlich eine Linie zu dem gebürtigen Florshainer Dr. Eberhard Schneider.

Der 71-Jährige hat wesentlich zur Schaffung eines einmaligen Vogelschutzgebietes in Linum in Brandenburg als beliebtem Sammelplatz der Großvögel beigetragen. Er ist der Kopf des bundesweit bekannten Vereins Vogelschutz-Komitee.

Die Zeiten des Kranichzuges sind für Schneider immer noch ein großes Ereignis. Zu den Hauptzeiten lebt er auch dort vor Ort, das ausgedehnte Teichgebiet Linum ist nur etwas mehr als einen Steinwurf entfernt von Berlin, nordwestlich, nicht weit von der A 2. Und er gibt auch zu, dass der zunehmende Rummel um die Vögel des Glücks ihm auf die Nerven geht, wenn vorgebliche Kranichfreunde die Ruhe der Tiere stören. Schneiders innigste Lieblinge jedoch sind die Wildgänse.

Schneiders Herz schlägt von Jugend an für die Natur, immer schon ist er gern draußen, „es ist eine Infektion, die man nie mehr los wird“. Allerdings entwickelten sich die Sichtweisen des Akademikers darüber, was Naturschutz ist und wie er gelingt, ganz anders, als es anfangs den Anschein hatte. War er in frühen Jahren begeisterter Jungjäger, wurde er zum scharfen Kritiker der Jagd: „Es ist ein blutiges Handwerk, Jagd ist der verkehrteste Weg, um die Wälder zu schützen.“

Über die Jahre hat sich Schneider nicht nur für die Zugvögel in Deutschland mit aller Kraft eingesetzt. 15 Jahre lang war er jeden Herbst in Katalonien, um gegen den Vogelfang mit Leimrouten zu kämpfen. Auch in Zypern war Schneider oft, wo den Tieren ebenfalls mit Leimruten sowie mit Netzen nachgestellt wird.

Auf den Flächen, die sein Verein Vogelschutz-Komitee im Land Brandenburg gepachtet und gekauft hat, herrscht absolute Jagdruhe ohne Forstwirtschaft. „Man muss Grundeigentümer sein, um wirklich Vogel- und Artenschutz betreiben zu können.“ Schneider und seine Mitstreiter dulden keine Interessen Dritter und nehmen daher auch keine Erbschaften oder irgendwie fragwürdigen Gelder an.

Über die Jahre haben sie das Linum zu einem viele Dutzend Hektar großen Gebiet werden lassen, das ungezählten Vögeln als Refugium dient, entweder als Trittstein auf ihrem Zug oder dauerhaft. In diesen Tagen ist der Vogelzug wieder voll im Gange, auch Kraniche und viele arktische Gänse sind dabei, über 150 Arten und mehr sind vertreten. Über das Winterhalbjahr hielten sich 1000 Kraniche in Linum auf. Auch die Pflanzenwelt profitiert, Orchideen zum Beispiel.

Wann freilich der Massenansturm einsetzt, vermag Schneider nicht vorherzusagen. Die durchziehenden Vögel rasten im Frühjahr in Linum meist nur ein oder zwei Tage und ziehen dann meist weiter in Richtung Nordosten.

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