Oft fehlen klare Inhalte

Landtagswahl in Hessen: Check der Wahlplakate im Schwalm-Eder-Kreis

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Poster im Expertencheck: Der Plakat-Wahlkampf im Schwalm-Eder-Kreis erreicht in den kommenden Tagen seinen Höhepunkt.

Sie sind gerade überall, auch im Schwalm-Eder-Kreis – die Wahlplakate. Trotz Facebook und Co. sind die Poster aus dem Wahlkampf nicht wegzudenken. Wir haben sie checken lassen. 

Rainer Wälde von der Gutshof-Akademie in Großropperhausen ist Reputationsberater für Führungskräfte. Er bewertete für unsere Zeitung eine Auswahl von Plakaten zur Landtagswahl in Hessen.

Nahezu alle seien in verschiedenen Punkten kritikwürdig, meint der Experte und beruft sich dabei auf wissenschaftliche Studien.

Bis auf die der FDP weisen nahezu alle Plakate weiße Schrift auf. „Das ist schwer leserlich“, sagt Wälde. Es sei erwiesen, dass wegen der schlechteren Lesbarkeit die Zielgruppe der über 50-Jährigen ausgeschlossen werde. Genau aus diesem Grund fallen dem Experten auch die Großbuchstaben auf den Plakaten negativ auf.

Ins Auge fällt auch die Farbe Blau. „Alle lieben die Farbe Blau“, sagt Wälde. Das bringt er mit der farbpsychologischen Wirkung in Verbindung. Blau stehe zum einen für Transzendenz, drücke aber auch Sicherheit und Neutralität aus. CDU, SPD und AfD bedienen sich nahezu der gleichen Blautöne, stellt er fest.

AfD - Limburger Dom

Wahlplakat AfD

Der Experte Wälde wundert sich, dass die AfD mit dem Limburger Dom im Schwalm-Eder-Kreis wirbt. Auch sei fraglich, ob es sinnvoll sei, das Limburger Kirchengebäude als deutsches Leitmotiv zu verwenden. 

Wahlplakat AfD

Die Bilder der AfD-Kandidaten Renate Glaser (Wahlkreis 7) und Peter Völker (Wahlkreis 8) stehen für Heimat, meint Wälde. Das belegt der jeweilige Hintergrund mit Landschaften samt gelb blühenden Rapsfeldern. Zwar wirkt das Bild heimatverbunden, sagt Wälde, aber insgesamt fehle eine Botschaft. Wälde: „Der Slogan drückt nichts aus, ich vermisse die Richtung, in die es gehen soll.

Freie Wähler - Der Nachbar

Wahlplakat Freie Wähler

Engin Eroglu tritt für die Freien Wähler im Wahlkreis 8 an. Er wirke wie der nette Nachbar von nebenan, sagt Wälde. Nahezu ohne Hintergrund fehle die Projektionsfläche. Das Gesicht wirke fast emotionslos. Und auch hier fehlt Wälde der Appell, warum man den Kandidaten wählen sollte.

FDP - Originelle Slogans

Wahlplakat FDP

Die Gestaltung der Plakate der FDP-Kandidaten findet Wälde „ganz raffiniert“. So treffen die traditionellen Farben der Liberalen – zum Beispiel mit dem Blazer von Wiebke Knell – auf Magentarot. Das wirke progressiv und jugendlich frisch, etwas gegen den Strich, aber auch etwas boulevardmäßig, sagt der Experte. Auch komme die Botschaft klar rüber. „Die Slogans sind cool“, meint Wälde. 

Wahlplakat FDP

Allerdings sind die Namen der Kandidaten schlecht zu lesen. Insgesamt findet Wälde die Plakate zu klein. Die Köpfe seien nur halb so groß wahrnehmbar wie bei anderen. „Die Typografie ist als Autofahrer kaum wahrnehmbar.“

Grüne - Ohne Köpfe

Wahlplakat Grüne

Jörg Warlich und Marcel Breidenstein kandidieren für die Grünen in den Wahlkreisen. Offenbar führt die Partei keinen personalisierten Wahlkampf. „Ich vermisse Köpfe“, sagt Wälde. Das Plakat sieht er mit einem emotionalen Thema besetzt. „Man muss ums Eck denken, steht aber im inneren Dialog.“

CDU - Mit weißer Weste

Wahlplakat CDU

CDU-Kandidat Mark Weinmeister (Wahlkreis 7) wirkt auf Wälde wie der Mann mit der weißen Weste. Sein Parteikollege Matthias Wettlaufer aus dem südlichen Landkreis kommt dagegen im Business-Look daher. Wälde fehlt auch hier der Inhalt. Bei der CDU (wie auch der SPD) scheint die Partei unwichtig zu sein. Der Name ist gerade mal briefmarkengroß in der Ecke sichtbar. 

Wahlplakat CDU

Ministerpräsident Volker Bouffier kommt für Wälde als „Grandseigneur“ oder „Elder Statesman“ rüber: volkstümlich, bürgernah und dialogbereit. Den Slogan findet Wälde eher beliebig. „Ein Evergreen“, meint er.

Linke - Haarfarbe ist Programm

Wahlplakat Linke

Heidemarie Scheuch-Paschkewitz kandidiert für die Linken im südlichen Wahlkreis, Hans-Joachim Böhme-Gingold im nördlichen. Die Haarfarbe der Kandidatin ist Programm“, stellt der Experte fest. Mit dem weißen Hintergrund habe das Foto Passbildcharakter. Die Schrift auf dem Plakat ist teilweise nicht lesbar. Auffällig auch: Der Vorname von Scheuch-Paschkewitz ist größer als der Nachname geschrieben. 

Wahlplakat Linke

Nicht verstehen kann Wälde, was Waffenexporte mit der Landtagswahl zu tun haben. „Dieses Thema ist verfehlt.“ Es gehört in die Bundespolitik. Wälde fehlt die Inszenierung und der regionale Bezug.

SPD - Natürlich, bodenständig

Wahlplakat SPD

Die Plakate der SPD wirken frisch und bodenständig, urteilt Wälde. Regine Müller (Wahlkreis 8) wie auch Günter Rudolph (Wahlkreis 7) wirken sehr natürlich. Durch die Schlagschatten erscheinen auch die weißen Hintergründe lebendig. Negativ bewertet Wälde das schlechte Deutsch des Slogans. Außerdem: „Eine Worthülse“. Aufgefallen sind Wälde die schwarz-weiß Plakate des SPD-Spitzenkandidaten Thorsten Schäfer-Gümbel. 

Wahlplakat SPD

„Das ist sehr in – retro-mäßig modern.“ Es passe zu dem Slogan „Der Wechsel tut Hessen gut“. Durch die Schwarz-Weiß-Komposition trete die Person demgegenüber nahezu in den Hintergrund.

Er machte den Plakate-Check

Rainer Wälde wurde 1961 geboren und wuchs bei Freiburg auf. Wälde ist Diplomverwaltungswirt, wechselte schnell in die Medienbranche. 

Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht und ist seit 1997 als Master-Trainer für Moderne Umgangsformen tätig. Von 2004 bis 2015 war er Herausgeber des Referenzwerkes „Der Große Knigge“(Verlag der Deutschen Wirtschaft) und ist seit 2006 Vorsitzender des Deutschen Knigge-Rats.

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