Jäger fordern Leinenpflicht

Jäger im Schwalm-Eder-Kreis fordern: Hunde an die Leine nehmen

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Barbara Schäfer ist Vorsitzende des Kreisjagdvereins Hubertus Ziegenhain und war zugleich langjährige Hundeobfrau des Vereins. Sie spricht sich dafür aus, Hunde in Waldgebieten an der Leine zu führen. Es läuft die Brut- und Setzzeit bei Wildtieren, außerdem schützt man so den Hund vor Krankheiten.

Wer mit seinem Hund in den Wäldern des Schwalm-Eder-Kreises spazieren geht, muss bei wärmer werdenden Temperaturen aus mehreren Gründen aufmerksam sein.

In diesem Jahr gehen die Wildkrankheiten Räude und Staupe vermehrt um. Außerdem befinden sich viele Tiere aktuell in der Brut- und Setzzeit.

Nicht zuletzt deshalb forderten Tierschützer in der Vergangenheit immer wieder eine Leinenpflicht für Hunde, wie sie in Niedersachsen in Feld und Flur seit dem 1. April und bis zum 15. Juli gilt. In Hessen gibt es keine gesetzlich-pauschale Leinenpflicht. „Die Jagdverbände gäben alles für eine Leinenpflicht in dieser Zeit, aber aktuell können nur die örtlichen Kommunen diese aussprechen“, sagt Kreisjagdberater Werner Wittig.

Es sei dringend ratsam, aktuell Hunde an die Leine zu nehmen. „Hasen bringen jetzt ihre Kinder zur Welt. Rebhühner, sofern es sie noch gibt, Rotwild wie das Reh und auch Schwarzwild wie Wildschweine folgen in Kürze“, ergänzt Wittig. 

Erhöhter Stress für das Wild

Barbara Schäfer, Vorsitzende des Kreisjagdvereins Hubertus Ziegenhain, stellt klar: „Die Elterntiere haben in der Brut- und Setzzeit erhöhten Stress. Sie sind mit Aufzucht, Schutz und Fütterung beschäftigt. Das ist eine stressige und anspruchsvolle Zeit für die Tiere.“ Durch freilaufende Hunde erhöhe sich der Stress nur noch mehr.

Barbara Schäfer spricht sich dafür aus, Hunde in Waldgebieten an der Leine zu führen. 

Viele Menschen würden zwar glauben, ihr Haustier jage kein Wild, doch es sei das Grundbedürfnis jedes Hundes. „Ein Hund hat zwei Grundeigenschaften: Hunger und Zuwendung. Die Jagd ist ein selbstbelohnendes Verhalten. Hat ein Hund mit einer Jagd einmal Erfolg, tut er es wieder“, so Schäfer. Wittig fügt hinzu: „Es ist ratsam, den Hund an die Leine zu nehmen und bei Hecken- oder Buschwerk auch kurz zu halten.“ 

Das schütze auch die Hunde selbst – Die Räudeerkrankung, auch Krätze genannt, tritt vermehrt auf. Durch die heiße Witterung des letzten Jahres haben viele Räudemilben überlebt. 

Wildkrankheiten können tödlich sein

Die Jagdverbände des Schwalm-Eder-Kreises empfehlen, Hunde in Waldgebieten an der Leine zu führen.

Warum sollten Hunde an die Leine?

Aktuell ist Brut- und Setzzeit bei den Wildtieren. Diese gilt von Anfang April bis Mitte Juli. In dieser Zeit haben die Elterntiere erhöhten Stress. „Freilaufende Hunde und schon deren Reviermarkierung erhöhen diesen enorm“, sagt Barbara Schäfer, Vorsitzende des Kreisjagdvereins Hubertus Ziegenhain. Zudem kann man sein Haustier durch das Führen an der Leine auch vor Wildkrankheiten schützen. „Viele Krankheiten verbreiten sich durch Kontakt. Läuft ein Hund zu einem verstorbenen, infizierten Fuchs, ist die Ansteckungsgefahr groß.“

Was ist das Problem mit Räude und Staupe?

Räude ist eine Milbenerkrankung und wird auch Krätze genannt. Durch die heiße Witterung des vergangenen Jahres haben viele Milben überlebt. Die Räude zeigt sich zunächst durch gerötete Pusteln, später kommt es zu starkem Juckreiz. Hunde verletzen sich durch exzessives Kratzen selbst, auch Haarausfall, Schuppung oder Krusten sind Folgen. Sie tritt überwiegend dort auf, wo die Population zu hoch ist. Die Staupe ist eine Viruserkrankung, in deren Verlauf es zu hohem Fieber, Abgeschlagenheit, Durchfall, Erbrechen, Atemwegssymptomen und Schädigung des Gehirns kommen kann.

Was tue ich, wenn ich einen zahmen Fuchs sehe?

Das ist ein Zeichen für Staupe. Laufen Füchse oder Waschbären am Tage und ohne Scheu durch die Gegend, sollte dringend ein Jäger gerufen und direkter Kontakt unbedingt gemieden werden.

In Hessens Wäldern gibt es keine Leinenpflicht?

Es gibt zwar eine Leinenpflicht, nicht aber für Waldgebiete. Anders ist dies zum Beispiel in Niedersachsen, wo extra für die Brut- und Setzzeit ein Leinenzwang geschaffen wurde.

Mein Hund gehorcht aufs Wort. Warum sollte ich ihn an die Leine nehmen?

Hunde sind triebgesteuert, stellt Kreisjagdberater Werner Wittig fest. Zudem gebe es Leinen, mit denen der Hund genug Auslauf hat. Es bestehe bei vielen Hundehaltern die Gefahr, dass man aufgrund von einer emotionalen Bindung zum Tier den realistischen Blick verliere. „Man sollte die Kontrolle über den Hund nicht abgeben. Jungtiere können nicht flüchten und der Hund sollte kein Gefallen an der Jagd finden“, erklärt Barbara Schäfer.

Räude und Staupe

Die Räude ist eine Milbenerkrankung, die bei 104 Säugetierarten auftritt. Dies können sowohl Wild- als auch Haustiere sein. Die Staupe hingegen ist eine Viruserkrankung: Kennzeichnend für die Erkrankung sind hohes Fieber, Abgeschlagenheit, Durchfall, Erbrechen oder Atemwegssymptome. 

Im weiteren Verlauf kann es zu einer Schädigung des Gehirns mit zentralnervösen Erscheinungen kommen. Gegen beide Krankheiten sollten Hundehalter ihr Haustier impfen lassen, da sie tödlich enden können.

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