Dorffeste kämpfen mit Problemen

An Bedeutung verloren: Vielen Kirmessen im Schwalm-Eder-Kreis droht das Aus

Schwalm-Eder. Früher war die Kirmes in Dörfern ein gesellschaftliches Muss: Man traf sich zur Geselligkeit und Unterhaltung. Aber die Tradition ist in den letzten Jahren im Kreis brüchig geworden.

Es gibt noch Hochburgen, aber insgesamt hat dieses Volksfest an Bedeutung verloren.

Beispiel Spieskappel. In der 600 Einwohner-Gemeinde im südlichen Schwalm-Eder-Kreis gibt es seit 2007 keine Kirmes mehr. Und auch in Frielendorf wird es dieses Jahr keine Kirmes geben. Nach Angaben des Onlineportals Kirmeskalender.de gibt es in diesem Jahr insgesamt 58 Kirmessen im Schwalm-Eder-Kreis. 

Viele Gründe für Kirmes-Sterben

Zum Vergleich: 2017 gab es im Landkreis noch 84. „Es gibt viele Gründe, warum die Kirmes in den kleinen Orten langsam stirbt“, erklärt Roger Simak, Geschäftsführer vom Landesverband für Markthandel und Schausteller Hessen. Neubürger mit Desinteresse am Ortsgeschehen, zu wenig Helfer, zu hohe Musiker-Gagen, mangelnde Flexibilität beim Programm, zu viele konkurrierende Veranstaltungen.

Die kleinen Feste kämpfen schon jetzt. „Bei uns lag es daran, dass wir zu wenig Besucher hatten“, sagt der ehemalige Vorsitzende der Spieskappeler Kirmes Bernhard Arend. Einen Mangel an Menschen, die sich für den Erhalt der Kirmes eingesetzt haben, gab es nicht. 

Ein Beispiel von vielen. Denn der Rückgang der Kirmessen beschränkt sich nicht nur auf den Schwalm-Eder-Kreis. Im gesamten Bundesgebiet sind in den letzten 15 Jahren etwa 1500 Kirmessen verloren gegangen, sagt Simak.

Zum einen liege es an den steigenden Auflagen und den damit verbundenen Kosten. Zum anderen werden die Umsätze dem nicht gerecht. Auch wenn sich hier und da bereits eingeschlafene Kirmessen wieder auftun und die Burschenschaften ihr Bestes versuchen, sei der Trend nicht mehr aufzuhalten, sagt Simak. 

Hintergrund: Kirmes mit langer Tradition

Ursprünglich war die Kirmes ein Fest zum Gedenken an die Einweihung der Dorfkirche. Das ganze Dorf kam an diesen Tagen auf dem Dorfplatz zusammen, um ausgelassen zu feiern, zu tanzen und gemeisam zu essen. Niemand arbeitete während der Kirchmess, für die Bauern waren es die einzigen freien Tage im Jahr und ein Fest für die ganze Familie. 

Wegen der weiten Verbreitung von Kirchweihfesten und ihrer jeweiligen lokalen Besonderheiten, haben sich in den regionalen Dialekten verschiedene Bezeichnungen für die Kirchweih eingebürgert. So heißen sie in anderen Bundesländern oder Landkreisen etwa Kerb, Kerwe, Kermes oder Kemmes.

Rubriklistenbild: © Daniel Bockwo ldt/dpa

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