Ganz Nordhessen betroffen

Pflegefamilien dringend gesucht: Ein Zuhause schenken

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Lebhafter Tisch: Neben drei leiblichen Kindern leben bei Familie Lambrecht auch noch zwei Pflegekinder.

Schwalm. In ganz Nordhessen sucht die Hephata Diakonie dringend Pflegeeltern. Wir erzählen zu Weihnachten die schöne und Mut machende Geschichte der Familie Lambrecht.

Für viele Kinder ist Weihnachten das schönste Fest, was aber, wenn die Familie unter Schicksalsschlägen zerbrochen ist oder wenn das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern so gestört ist, dass keine weihnachtliche Freude aufkommen kann?

Ist das Wohl des Kindes akut gefährdet, greift das Jugendamt ein und nimmt die Kinder in Obhut. „Ein Kind von den leiblichen Eltern zu trennen, ist natürlich kein einfacher Schritt und muss immer die allerletzte Wahl bleiben“, sagt Armin Kasper, Regionalleiter in der Jugendhilfe der Hephata Diakonie.

Die Hephata Diakonie arbeitet eng mit verschiedenen Jugendämtern zusammen, um Unterbringungsmöglichkeiten für Kinder zu finden, die nicht mehr bei ihren Familien leben können. Um diesen Kindern dabei zu helfen, wieder Halt im Alltag zu finden, greifen Jugendämter gerne auf Pflegefamilien zurück, dort finden die Kinder ein neues Zuhause auf Zeit. „Manchmal geht es nur darum, Kinder für einen befristeten Zeitraum von den leiblichen Eltern zu trennen, bis sich die Verhältnisse so weit verbessert haben, dass das Kind wieder nach Hause kann“, erklärt Kasper. „Manchmal aber wird im Verlauf klar, dass das Kind nicht zu den leiblichen Eltern zurück kann und besser dauerhaft in einer sogenannten Erziehungsfamilie aufgehoben ist.“

Solch eine Erziehungsfamilie sind auch Ivonna und Andreas Lambrecht, ihren Wohnort möchten sie nicht in der Zeitung wissen. Sie haben zwei Kinder bei sich aufgenommen – die beiden sind drei und vier Jahre alt und wachsen gemeinsam mit den drei leiblichen Kindern der Lambrechts auf.

„Das war am Anfang nicht immer leicht“, sagt Ivonna Lambrecht. „Die ältere der beiden hat am Anfang so viel geschrien, dass mein Mann irgendwann aus dem gemeinsamen Schlafzimmer ausgezogen ist, weil er sonst keinen Schlaf gefunden hätte.“ Heute möchte sie die beiden aber nicht mehr missen. „Als ich meine älteste Tochter gefragt habe, was das schönste daran ist, dass wir die beiden aufgenommen haben, sagte sie: Dass wir eine Familie sind.“

Für die Kinder ist der Schritt in eine neue Familie oft schwer. „Auch wenn ein Kind die Belastungen in seinem Elternhaus spürt, bedeutet der Weg heraus natürlich erst einmal große Unsicherheit“, so Kasper. Die Jugendämter arbeiten mit freien Trägern wie der Hephata Diakonie zusammen, um nach geeigneten Familien zu suchen, die Pflegekinder aufnehmen können. „Das muss nicht immer die klassische Familie mit Vater-Mutter-Kind sein“, weiß Kasper. „Auch unverheiratete Paare, gleichgeschlechtliche Paare, Alleinerziehende oder Alleinstehende können grundsätzlich junge Menschen bei sich aufnehmen.“

Hintergrund: 

Pflegefamilien werden in allen Landkreisen Hessens gesucht. Die Jugendhilfe der Hephata Diakonie sucht aktuell in etlichen hessischen Landkreisen nach Familien, die sich vorstellen können, ein Pflegekind bei sich aufzunehmen. Hephata betreut diese Familien intensiv mit Fachberatern und Fortbildungen. Gesucht werden Pflegefamilien aktuell in Kassel, Landkreis Kassel, Werra-Meißner-Kreis, Landkreis Hersfeld-Rotenburg, Schwalm-Eder-Kreis, Landkreis Waldeck-Frankenberg und Vogelsbergkreis. Weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten unter www.pflegeeltern-hessen.de Dort gibt die Familie Lambrecht in einem kurzen Video auch einen Einblick in ihren Familienalltag.

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