Wo die Krebsgefahr am höchsten ist

Durch jede Lücke: Krebsgefahr durch Radon

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Krebsgefahr durch Radon - Strahlung im Schwalm-Eder-Kreis

Radon ist ein radioaktives Gas, das im Grunde überall vorkommt. Bei hohen Mengen kann es allerdings Krebs auslösen.

  • Radioaktive Strahlung durch Radon
  • Radon kommt fast überall vor
  • Das Gas verursacht Krebsleiden

Das radioaktive Edelgas Radon ist nach Angaben der Behörde für rund fünf Prozent der Todesfälle durch Lungenkrebs in Deutschland verantwortlich. 

Im Schwalm-Eder-Kreis machen bislang zwölf Haus- und Wohnungsbesitzer bei der Untersuchung mit, sagte eine Sprecherin des Bundesamtes auf Anfrage unserer Redaktion: „Etwa zehn weitere Teilnehmer werden noch gesucht.“ 

Radioaktive Strahlung: Radon kommt überall vor

Das radioaktive Gas Radon kommt im Grunde überall vor. Es entsteht im Boden als eine Folge des radioaktiven Zerfalls von natürlichem Uran, das im Erdreich in vielen Gesteinen vorkommt. 

Der geologische Untergrund ist im Schwalm-Eder-Kreis nicht einheitlich und kann sich kleinräumig unterscheiden, sodass auch der Radongehalt der Bodenluft nicht einheitlich ist und somit auch die Strahlung nicht. Er schwanke etwa zwischen 20 000 und 70 000 Becquerel pro Kubikmeter, so die Behördensprecherin: „Erhöhte Radon-Werte in Aufenthaltsräumen sind nicht in großer Anzahl zu erwarten, können insbesondere in älteren Gebäuden und Räumen mit direktem Bodenkontakt aber durchaus vkommen." Innerhalb von Häusern, insbesondere in Kellergerschossen, beträgt der Radon-Wert im Kreis laut Bundesamt 20 bis 70 Becquerel.

Strahlung: Nicht die Höhe des Wertes, sondern die Dauer ist entscheidend

Das Problem: Bei Radon ist nicht die Höhe des Wertes entscheidend, sondern die Dauer des Einflusses auf den Körper. „Das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, ist umso größer, je mehr Radon in der Atemluft ist und je länger der Zeitraum ist, in dem Radon eingeatmet wird“, erklärt der Sprecherin des Bundesamts. 

Aus einer Karte des Bundesamtes ist ersichtlich, dass in einem Bogen von Edermünde über Melsungen, Knüllwald, Oberaula und Neukirchen mit Radon Konzentration bis zu 70 000 Becquerel zu rechnen ist. 

Ähnliche Radon-Strahlungs-Werte finden sich in einer Linie Gilserberg-Jesberg-Densberg. Verstärkt betroffen sind also höhere Lagen. In den Niederungen entlang Flüsse ist die Belastung teilweise nur halb so hoch.

Bei den auf der Landkarte dargestellten Werten für die Bodenluft handelt es sich nur um eine Prognose, es gibt auch noch weiße Flecken. Um eine bessere Übersicht der Durchschnittskonzentration zu erhalten, soll eine vom Bundesamt initiierte Studie jetzt ein Jahr lang die Radon-Werte in 6000 Wohnungen messen.

Krebs durch Strahlung: Tödliche Krankheit im Bergbau

Bereits vor 400 Jahren fiel auf, dass junge Bergarbeiter in den den Bergwerken im Erzgebirge häufig an den Lungen erkrankten. Die oft tödlich verlaufende Lungenerkrankung wurde unter dem Namen Schneeberger Krankheit bekannt. Erst Jahrhunderte später habe man erkannt, dass es sich dabei um Lungenkrebs gehandelt habe und dass das Einatmen von Radon und seinen Folgeprodukten den Krebs verursacht hatten, so das Bundesamt für Strahlenschutz.

Radon durch jede Lücke 

FRAGEN UND ANTWORTEN: Gefahr durch radioaktive Substanz und Strahlung

Was viele Menschen oft verdrängen, Radioaktivität ist nicht nur Thema, wenn es um Atomkraftwerke oder Nuklearwaffen geht, sondern gehört zu unserem Alltag wie die Luft zum Atmen. An erster Stelle steht dabei das natürliche Gas Radon.

Was ist Radon und wo kommt Radon überall vor?

Beim radioaktiven Zerfall von Uran-238 in der Erde entsteht Radium, das wiederum zu Radon zerfällt. Je uranhaltiger der Boden sei, desto mehr Radon gibt es darin, erklärt eine Sprecherin des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS). Man kann Radon weder sehen, riechen noch schmecken. Es kommt überall auf der Welt vor. Der größte Teil der Strahlung, der die Bevölkerung aus natürlichen Strahlenquellen in Deutschland ausgesetzt ist, sei auf Radon zurückzuführen, so das BfS.

Ist Radon für Menschen gefährlich?

Ja. Radon und seine Zerfallsprodukte gelangen mit der Atemluft in den Körper. Während Radon selbst größtenteils wieder ausgeatmet wird, lagern sich die kurzlebigen radioaktiven Zerfallsprodukte im Atemtrakt an und zerfallen dort vollständig. Dabei entsteht energiereiche Alphastrahlung, die auf strahlenempfindliche Zellen der Lungen trifft. Durch die Alphastrahlung kann es zu einer Schädigung der Zellen und schließlich zu einer Lungenkrebserkrankung kommen.

Ab wann ist Radon für Menschen gefährlich?

Die Dosis macht das Gift. Das Lungenkrebsrisiko steigt proportional zur Radonkonzentration in der Wohnung an, eine Verdopplung der Radonkonzentration verdoppelt auch das Risiko. Es gebe keinen Hinweis auf einen Schwellenwert, unterhalb dessen Radon ungefährlich sei, so das Bundesamt für Strahlenschutz.

Wie kommt Radon in Häuser und Wohnungen?

Radon sucht sich durch Poren, Spalten und Risse im Boden den Weg ins Freie und gelangt so auch in Gebäude. Alte Häuser sind häufiger betroffen als Neue. Über Leitungsdurchführungen und undichte Stellen im Mauerwerk oder in der Bodenplatte im Kellerboden kommt Radon in die Häuser. Das Edelgas ist sehr beweglich und gelangt selbst durch kleinste Lücken. Grundsätzlich gilt: Je weiter ein Raum von der Erdoberfläche entfernt liegt, desto weniger Radon gelangt in der Regel dorthin.

Wie kann man sich vor dem radioaktiven Gas schützen?

Einfachste Maßnahme im Kampf gegen Radon ist regelmäßiges Lüften. Dadurch sinkt der Radongehalt in der Raumluft. Aufgrund seiner geologischen Beschaffenheit ist im Schwalm-Eder-Kreis von einem Radonwerten in der Bodenluft zwischen 20 000 und 70 000 Becquerel auszugehen, das sind 20 bis 70 Becquerel in der Raumluft. Zum Vergleich: Es gibt in Deutschland auch Orte mit bis zu 1000 Becquerel Radon in der Raumluft. In älteren Gebäude könnten durchaus erhöhte Radonwerte vorkommen, erklärte eine Sprecherin der Strahlenschutzbehörde: „Eine Messung kann hier mit geringem Aufwand Klarheit schaffen.“

Wie läuft eine Messung der Wohnung ab?

Die Messung der Radonwerte in der eigenen Wohnung ist unkompliziert und sollte in den wichtigsten Aufenthaltsräumen erfolgen. Am einfachsten lässt sich Radon mit einem passiven Detektor, einen Kernspurdosimeter, messen. Passive Detektoren müssen lediglich ausgelegt werden und benötigen keinen Strom. Die Messung dauert in der Regel ein Jahr. Im Ergebnis bekommt man so einen Jahresmittelwert. Für einen schnellen Überblick (Momentaufnahme) sind laut BfS aktive Radon-Messgeräte besser geeignet.

 Achtung, Strahlung: Das Radon-Risiko lauert im Keller!

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