Schlechtwetter im Sommer

Klimawandel fordert Baubranche heraus

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Bei Bauprojekten müssen zukünftig auch durch den Klimawandel hervorgerufene Extremwettereignisse berücksichtigt werden. Unser Bild entstand in Sachsenhausen an der Baustelle des Feuerwehrhaus. 

Mehr Hitze, mehr Stürme, mehr Starkregen – der Klimawandel wird auch Auswirkungen auf die Baubranche im Schwalm-Eder-Kreis haben. 

Wer in nächster Zeit einen Neu- oder Umbau plant, sollte sich auch mit dem Klimawandel auseinandersetzten. Im Sommer werde es lange Dürreperioden und Starkregenereignisse geben.

„Die Witterungsbeanspruchung von Bauwerken und Infrastruktur wird sich erhöhen.“ Vor allem bei bestehenden Bauwerken und der Infrastruktur seien erhebliche Investitionen notwendig, so der Wetterdienst in einer Analyse.

Die Einschätzung bestätigt auch der Guxhagener Bauunternehmer und Präsident des Verbandes baugewerblicher Unternehmer Hessen und Mitglied im Vorstand des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes, Frank Dittmar: „Mit Sicherheit werden die Baukosten steigen.“

Kurze Wege für Baumaterial und Arbeiter 

CO2-neutrales Bauen, oder Recyclingbaustoffe seien Themen mit dem man sich beschäftigen müsse, meint Ditmar und sieht in Regionalität ein Lösungsansatz: „Das heißt kurze Wege für Baumaterial und Arbeiter.“

Extremwetter kann sich direkt auf Gebäudestrukturen auswirken. Kommt es beispielsweise durch lang anhaltende Trockenheit zu einem starken Absinken des Grundwasserspiegels, könne es zu Schrumpfungsprozessen im Boden und in Folge zu Wandrissen bis hin zur Gefährdung der Standfestigkeit der Fundamente kommen, sagt Andreas Walter.

„Des Weiteren bestehen steigende Anforderungen an die Schlag- und Bruchfestigkeit der verwendeten Baumaterialien, im Hinblick auf Sturm in Verbindung mit Hagel.“ Nicht nur Trockenheit ist ein Problem, auch zu viel Wasser. Man müsse Keller zukünftig ganz anders abdichten, um eine Überflutung zumindest zeitweise zu vermeiden, so Dittmar.

Seltenere Frostperioden führen zwar zu weniger Unterbrechungen (Schlechtwettertage) im Winter, längere Hitzeperioden im Sommer seien aber genauso hinderlich wie Eis und Schnee, erklärt Andreas Walter: „Man kann sich gut vorstellen, was es für einen Dachdecker bedeutet, bei über 40 Grad auf einem Dach zu arbeiten.“

Klimawandel fordert Baubranche heraus

Mehr Hitze, mehr Stürme, mehr Starkregen – der Klimawandel wird auch Auswirkungen auf die Baubranche im Schwalm-Eder-Kreis haben. 

Mit Blick auf vermehrt trockene und heiße Sommer sei Dämmung ein wichtiges Thema, so Dittmar: „Nicht gegen Kälte, sondern dafür, dass sich die Gebäude nicht so stark aufheizen.“ Vor dem Hintergrund werden auch nach Süden ausgerichtete große Fensterfronten der Vergangenheit angehören, vermutet Andreas Walter vom zentralen Klimabüro des Deutschen Wetterdiensts in Offenbach.

Stürme und Starkregen machen Probleme

Ein Problem seien auch die mit dem Klimawandel einhergehenden Stürme und Starkregenereignisse, erklärt der Guxhagener Bauunternehmen Frank Dittmar: „Wir müssen unsere Gebäude Sturm- und starkregensicher machen.“ Bauherren sollten sich darauf einstellen, Keller noch besser abzudichten, um auftretende Starkregen abzuhalten und auch an nicht so exponierten Lagen kann es sinnvoll sein, Dachziegeln fest zu verankern.

Um die Folgen von Starkregenereignissen zu verringern, sei es außerdem notwendig weniger Flächen zu versiegeln, fordert Dittmar. Das sieht auch Michael Daume von gleichnamigen Bauunternehmen in Gilserberg so und sagt, dass in dieser Frage auch die Kommunen gefragt sind. Die Aufgabe der Städte und Gemeinden sei es, entsprechen leistungsfähige Abwassersystem vorzuhalten.

Hautkrebs großes Thema bei den Arbeitern

Für die Bauarbeiter selber hat der Klimawandel und damit einhergehende lange Sommer mit viel Sonnenstrahlung ebenfalls Folgen. Hautkrebs sei mittlerweile in ganz großes Thema, so Daume: „Der Schutz unsere Mitarbeiter ist das höchste Gut. 

Das Wetter muss so sein, dass man arbeiten kann.“ Vor dem Hintergrund werden sich zukünftig wohl Arbeitszeiten verändern. Gab es vor wenigen Jahren im Winter noch regelmäßig freie Tage wegen Schnee und Frost (Schlechtwetter), müssen Bauunternehmer nun die extrem Hitze und Sonne im Sommer im Blick haben. Eine Lösung könnte sein, früher anzufangen, erklärt Michael Daume. 

Um CO2 zu vermeiden, sei es notwendig wieder verstärkt regional zu denken, sind sowohl der Guxhagener, wie auch der Gilserberger Bauunternehmer überzeugt. Das könnte auch für Baustoffe gelten, meint Daume: „Früher wurde hier bei uns viel mit Sandstein gebaut, vielleicht wird das jetzt wieder ein Thema.“

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