828 Fahrzeuge

Zahl der Wohnmobile im Schwalm-Eder-Kreis steigt

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Überall zuhause: Für Birgit Pletsch-Viehmann und Jürgen Viehmann aus Michelsberg ist der Urlaub mit dem Wohnmobil eine Lebenseinstellung. Jährlich fahren die beiden Wohnmobilisten 6000 bis 8000 Kilometer.

Schwalm-Eder. Der Urlaub mit dem Wohnmobil ist schon länger kein Nischenthema mehr. Auch im Schwalm-Eder-Kreis besitzen immer mehr Menschen ein Freizeitmobil.

Laut Statistik der Zulassungsstelle des Landkreises beläuft sich die Zahl der angemeldeten Fahrzeuge auf 828. Die Zulassungszahlen nehmen seit Jahre stetig zu.

Käufer der häufig nicht gerade günstigen Fahrzeuge sind oft Ältere. Wer sich früher vor der Rente eine Ferienwohnung gekauft habe, kaufe heute ein Wohnmobil, sagt der Melsunger Wohnmobilhändler Heinz Oeste: „Man will ja nicht nur an einen Ort fahren.“ 

Oeste beobachtet bei seinen Kunden auch ein verändertes Reiseverhalten. Vor dem Hintergrund der politischen Entwicklung sei ein Urlaub in der Türkei oder in Ägypten nicht mehr so gefragt, meint der Melsunger. „Die Leute fliegen nicht mehr so gern.“

Bundesweite Zunahme

Von Juni 2017 bis Juni 2018 verzeichnet das Kraftfahrtbundesamt (KBA) eine bundesweit eine Steigerung der Zulassungszahlen um 13,8 Prozent. Allein im März 2018 wurden 3200 neue Fahrzeuge angemeldet. 

Dies sei so viel wie schon seit 20 Jahren nicht mehr, meldete kürzlich das Fachmagazin promobil. Insgesamt beläuft sich der Wohnmobilbestand zum laut KBA aktuell auf gut 490 000. 

Die steigenden Zahlen belegen, dass das Reisen mit dem Wohnmobil für viele attraktiv ist. Eine Beobachtung die auch Martina Bülter von der Touristinformation in Homberg gemacht hat. 

In der Kreisstadt werde die Belegung zwar nicht mehr erfasst, man könne aber eindeutig von einer positiven Entwicklung sprechen, sagt Bülter. „Unser Platz wird unglaublich frequentiert.“ Faktoren für den Trend zum Wohnmobil sieht Bülter in der zunehmenden Mobilität älterer Menschen, aber auch im technischen Fortschritt. Dank E-Bikes sind Wohnmobilisten auch am Stellplatz mobil.

Seit 30 Jahren Urlaub im Wohnmobil

Individualität statt Pauschalreise, Flexibilität statt der Reisegruppe hinterhertrotten – immer mehr Deutsche schwören auf die Urlaubsform, die das größtmögliche Maß an Freiheit bietet. 

Auch Birgit Pletsch-Viehmann (53) und Jürgen Viehmann (54) aus Michelsberg. Sie sind eingefleischte Reisemobilisten seit mehr als drei Jahrzehnten. „Drei Jahre waren wir mal ohne Wohnmobil, das war gruselig“, sagt Viehmann. 

Jürgen Viehmann Reisemobilist Für Viehmanns ist das Wohnen auf vier Rädern eine Art Lebenskultur. „Man ist flexibel, kann spontan entscheiden, wo man hinfährt und wo man bleibt „Sobald ich die Fahrzeugschlüssel herumdrehe, beginnt für mich der Urlaub“, sagt Jürgen Viehmann. 

Und um einen schönen Stellplatz zu finden, muss man auch gar nicht immer so weit fahren, wissen Viehmanns, die mit ihrem Reisemobil im Jahr 6000 bis 8000 Kilometer fahren. 

Eine „alte Camperfamilie“

Das Leben der Wohnmobilisten spielt sich meistens draußen ab - ruckzuck ist der kleine Campingtisch mit den Stühlen aufgestellt, die Markise ausgefahren. Vor allem im Stau sei so ein fahrbarer Untersatz mit Küche, Bad und Schlafzimmer unschlagbar, sagt Birgit Pletsch-Viehmann. Einmal sind sie für drei Wochen durch Frankreich gefahren, und als es zu windig wurde, an einem Tag spontan vom Atlantik bis ans Mittelmeer. 

Viehmann kommt aus einer „alten Camperfamilie“, wie er sagt, er kennt das Wohnen auf vier Rädern von klein auf. Seit 32 Jahren machen er und seine Frau Campingurlaub, mit einem VW-Bus fing alles an. Vor wenigen Wochen haben sie sich ein neues Reisemobil zugelegt, ein Weinsberg Edition (Pepper) 160 PS, 3,5 Tonnen, fast sieben Meter lang und gut viereinhalb Meter hoch. „Das Aldi-Modell unter den Wohnmobilen“, sagt Jürgen Viehmann. Für 50 000 bis 65 000 Euro sei es zu haben. 

Mit Anfang, Mitte 50 gehören Viehmanns noch zu der jüngeren Generation der Wohnmobilisten. „Es gibt ganz viele ausbezahlte Lebensversicherungen, die hier herum fahren“, so ihr Eindruck.

Alle haben das gleiche Hobby

Viehmanns erwachsenen Kinder gehen mittlerweile selbst mit dem Reisemobil auf Tour. Die ganze Familie ist vom Camper-Virus infiziert. „Es ist einfach cool“, sagt Tochter Doreen, die schon im Strampler aus dem Alkoven kroch - damals fuhren Viehmanns noch einen „Sporttraveller“ mit Alkoven und Etagenbetten. „Ich finde auch die Gemeinschaft auf den Stellplätzen toll“, sagt Doreen, die mit ihrem Freund Pascale in diesem Jahr nach Fehmarn fährt. 

Es sei eine Interessengemeinschaft auf so einem Platz, man gebe sich viele Tipps, alle haben das gleiche Hobby, sagen Viehmanns aus Erfahrung. Auch auf den Stellplätzen gehe der Trend hin zu mehr Komfort. „Einfach nur einen Parkplatz zur Verfügung stellen, wie das viele Städte noch tun, reicht heute nicht mehr“, sagt Viehmann - für mehr Komfort gebe man auch gerne mehr aus. Das Problem, so Birgit Pletsch-Viehmann: „Es gibt immer mehr Wohnmobile, aber nicht mehr Stellplätze - es wird eng.“

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