Frauen trifft es am härtesten 

Schwalm-Eder: Vielen alten Menschen reicht ihre Rente nicht

Schwalm-Eder. Rente mit 65 Jahren? Deutlich mehr Menschen entscheiden sich dafür, länger zu arbeiten. Das unterstreichen die Zahlen für den Schwalm-Eder-Kreis von der Bundesagentur für Arbeit.

Die Gründe sind unterschiedlich: Während die einen auf das Geld angewiesen sind, weil die Altersbezüge nicht ausreichen, wollen die anderen einfach gern berufstätig bleiben.

2006 waren lediglich 1840 Menschen aus dem Schwalm-Eder-Kreis über 65 Jahren erwerbstätig – inklusive der Frauen und Männer, die einem Minijob nachgegangen sind. Binnen zehn Jahren stieg diese Zahl signifikant an um 60 Prozent: Knapp 2900 Ältere auf dem Arbeitsmarkt wurden 2016 gezählt.

„Die Gründe dafür, dass Menschen im rentenfähigen Alter arbeiten, sind vielschichtig“, sagt Peter Boucsein, Vorsitzender des Verdi-Ortsvereins Schwalmstadt. Es gebe durchaus Rentner, die das Geld brauchen. Andere würden sich noch fit fühlen und wollen gern etwas tun. So verschieden wie die Gründe seien auch die Tätigkeiten. „Das fängt an mit Zeitungenaustragen, geht über Hausmeistertätigkeiten bis hin zu den ursprünglichen Jobs – viele Rentner sind beratend tätig“, sagt Boucsein. Er befürchtet, dass es in Zukunft immer mehr Menschen geben wird, die dazu verdienen müssen. „Viele arbeiten in schlecht bezahlten Teilzeitjobs und bekommen keine hohe Rente.“ Das betreffe vor allem Frauen.

„Und viele schämen sich, Grundsicherung zu beantragen“, weiß Holger Kirchner. Er ist seit vielen Jahren Berater in der VdK-Kreisgeschäftsstelle in Treysa. Kirchner hat den starken Eindruck, dass die Rentnerarmut voranschreitet, auch wenn er keine Zahlen hat, denn, so Kirchner: „Ich spreche mit vielen Rentnern, viele kommen nicht zurecht.“

Hintergrund: Frauen trifft es am härtesten

Die Zahlen der berufstätigen Menschen im rentenfähigen Alter im Schwalm-Eder-Kreis passen zum bundesweiten Trend. Laut Statistischem Bundesamt waren 2008 rund 413 000 im Alter von 65 bis 69 Jahren berufstätig. Sieben Jahre später waren es bereits 622 000. Das bedeutet einen Anstieg von knapp 210 000. Die gerade erschienene Bertelsmann-Studie zur Altersarmut prognostiziert, dass in 20 Jahren jeder fünfte Rentner arm ist. Bislang seien es 16 Prozent (Stand: 2015). Besonders betroffen sind alleinstehende Frauen. Der Anteil der Frauen, die von staatlichen Leistungen abhängig werden, steigt laut Studie von heute 16,2 auf 27,8 Prozent in 2036.

Rubriklistenbild: © Foto: Jens Kalaene/Archiv

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