Leitstelle ist vorbereitet

Zahl der Rettungseinsätze im Schwalm-Eder-Kreis 2018 gestiegen

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Die Leitstelle des Landkreises ist 24 Stunden am Tag mit zwei Einsatzbearbeitern besetzt. Hier werden Notrufe entgegengenommen und Rettungseinsätze koordiniert. Im Bild Einsatzbearbeiter Jürgen Harnisch.

Die Rettungskräfte im Schwalm-Eder-Kreis haben immer mehr zu tun. Wie der Kreis auf HNA-Anfrage mitteilte, mussten Feuerwehr und Rettungsdienste im vergangenen Jahr zu 43.230 Einsätzen ausrücken. 

Seit 2015 stieg die Zahl der Rettungseinsätze um gut 2200 an. Dasselbe Bild zeigt sich bei den Notrufen. Auch hier gab es eine Steigerung um rund 2200 auf gut 45.200. Der Kreis ist damit keine Ausnahme: Die Zahlen für 2018 liegen zwar noch nicht vor, aber hessenweit stieg von 2016 bis 2017 allein die Zahl der Feuerwehreinsätze um gut 8000 auf 71.000. Ursächlich für die Steigerung seien insbesondere Unwettereinsätze, schreibt das Hessische Ministerium des Inneren und für Sport in seinem aktuellen Jahresbericht Brandschutz, Allgemeine Hilfe und Katastrophenschutz. 

Am häufigsten mussten die Feuerwehren im Schwalm-Eder-Kreis zu Technischen Hilfeleistungen ausrücken. Dabei reichte das Spektrum von der klassischen Ölspur, über den Baum auf der Straße bis hin zur Gasexplosion mit anschließendem Gebäudeeinsturz in Knüllwälder Ortsteil Wallenstein. 

487 Brände mussten gelöscht werden

Allein bei diesem Einsatz seien rund 500 Helfer mehrer Stunden vor Ort gewesen, erklärte Kreispressesprecher Stephan Bürger: „Ein Gebäudeeinsturz ist immer eine außergewöhnliche Lage. Es gibt kaum Einsatzkräfte im Kreis, die über eigene Einsatzerfahrung bei Gebäudeeinstürzen verfügen.“ 

Ebenfalls in die Kategorie Hilfeleistung fällt die Rückholung von knapp 200 Kindern und Jugendlichen aus dem Zeltlager Dahme. 

2018 mussten die Feuerwehren 487 Brände – rund 170 mehr als im Vorjahr – löschen. Hier macht sich der Dürre-Sommer mit den ungewöhnlich vielen Wald-, Feld- und Flächenbränden in der Statistik bemerkbar. Zusätzlich rückten die Brandschützer kreisweit auch noch zu 236 Fehlalarmen, in der Regel Falschalarme von Brandmeldenanlagen, aus.

Mehr Feuerwehrleute im Kreis

In den 218 Feuerwehren im Landkreis engagieren sich aktuell 4949 Mitglieder, darunter 799 Frauen. 

Die Zahl der aktiven Einsatzkräfte hat sich in den vergangenen drei Jahren zwar um 114 Feuerwehrangehörige reduziert, seit 2018 gibt es aber wieder einen leicht positiven Trend nach oben. Der Rettungsdienst verfügt im Kreis über 13 Rettungswachen. 

2018 gab es rund 21.880 Notfalleinsätze für Rettungswagen. Notärzte mussten gut 6400 Mal ausrücken. Darüber hinaus wurden über 13.000 Krankentransporte gefahren.

Leitstelle ist vorbereitet

Im vergangenen Jahr mussten die Einsatzbearbeiter der Leitstelle Schwalm-Eder genau 45.177 Notrufe bearbeiten. Die Bandbreite reichte dabei von Bagatellen, wie einem Insektenstich bis hin zum Gebäudeeinsturz in Wallenstein.

Wer im Landkreis Hilfe braucht und den Notruf 112 wählt, landet automatisch im Gebäude 3 des Behördenzentrums in Homberg. Von hier werden die Einsätze von Rettungsdienst, Feuerwehr, THW, DLRG und anderen Hilfsorganisationen ausgelöst und zumindest in der Anfangsphase auch koordiniert.

Stress und Belastung sind oft groß. Bei Sturm Kyrill habe man beispielsweise in den ersten dreißig Minuten 63 Notrufe angenommen, erinnert sich Uwe Wunsch, Fachbereichsleiter im Fachbereich 37 Brand-, Katastrophenschutz und Rettungswesen: „In der nächsten Stunde weitere 108. Das war die höchste Belastung für die Leitstelle.“

Leitstelle immer mit mindestens zwei Disponenten besetzt

24 Stunden am Tag, 7 Tage in der Woche und 365 Tage im Jahr ist die Leitstelle mit mindestens zwei Disponenten besetzt. Dies sei seit 2006 so, sagt Landrat Winfried Becker. Im Schichtbetrieb arbeiten in Homberg vierzehn Mitarbeiter, darunter eine Frau.

Um auch auf größere Unglücke vorbereitet zu sein, habe man in der Leitstelle mehrer Führungsebenen, erklärt Uwe Wunsch: „In der ersten Stufe wird die Rufbereitschaft verständigt. Der diensthabende Kollege muss dann innerhalb der üblichen Zeiten in der Leitstelle sein.“

Die Alarmierung der Rufbereitschaft erfolgt wie bei den meisten Rettungskräften über digitale Pager. Auch wenn immer nur einer Bereitschaft habe, gehe der Alarm an alle Kollegen, sagt Wunsch: „So können die anderen gleich sehen, ob noch mehr Unterstützung erforderlich ist.“ Wenn erkennbar ist, dass es sich um ein größeres Schadensereignis handelt, wird der Leiter des Lagedienstes verständigt. Dieser sammelt Informationen und versucht, sich ein Bild der Situation zu verschaffen. Dadurch werden die Einsatzbearbeiter entlastet.

Betrieb immer sichergestellt

Die Daten werden vom Leiter Lagedienst auf mehren Whiteboards erfasst. Das sei zum einen ausfallsicher und zum anderen könne dort jeder auf den ersten Blick erkennen, wie die aktuelle Lage sei, erklärt Uwe Wunsch: „Bagatelleinsätze werden mit einer Strichliste und brisante Einsätze mit taktischen Zeichen dargestellt.“

Einfache Technik: Bei größeren Schadenslagen fasst der Leiter des Lagedienstes die Informationen auf Whiteboards zusammen. Uwe Wunsch zeigt Landrat Winfried Becker das System.

Apropos ausfallsicher: Eine Woche ist der Betrieb der Leitstelle mit Notstrom möglich, erst dann müssen die Treibstofftanks nachgefüllt werden. Sollte die Kommunikationstechnik ausfallen, könne man Notrufe immer noch über Nottelefone entgegennehmen, sagt Fachbereichsleiter Wunsch.

Auf der nächsten Führungsebene kommt der sogenannte kleine Stab und in der höchsten Stufe die auch aus ehrenamtlichen Kräften bestehende technische Einsatzleitung – kurz TEL – zusammen. Er lege großen Wert auf die TEL, sagt Landrat Becker und fügt an: „Um zu lernen wird unser System nach jedem größeren Einsatz analysiert.“

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