Haft als letzte Chance

Keine Bewährung: 21-Jähriger muss für ein Jahr ins Gefängnis

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Vor dem Jugendschöffengericht musste sich ein 21-Jähriger aus dem Altkreis Ziegenhain wegen Sachbeschädigung und Körperverletzung verantworten. 

Die Sachbeschädigung, eine eingetretene Haustür, gestand der junge Mann auch unumwunden zu, „es war eine Affekthandlung“.

Er habe nach einem Streit mit seiner damaligen Freundin im November 2017 kurzzeitig das Haus verlassen, aber als er wieder zurückwollte, um seine persönlichen Sachen zu holen, habe diese ihn nicht mehr hereingelassen. „Da habe ich einmal gegen die Tür getreten und schon war sie offen“, sagte der 21-Jährige.

Die als Zeugin geladene Ex-Freundin fehlte bei dem Prozess unentschuldigt, sodass die Richterin auf Antrag der Staatsanwältin ein Ordnungsgeld über 150 Euro verhängte. Zur Körperverletzung äußerte sich der Angeklagte anfangs nicht, erst als mehrere Zeugen aussagten, er habe mit der Faust einen anderen jungen Mann geschlagen, widersprach er: „Es war eine Backpfeife, kein Faustschlag.“

Der Vorfall hatte sich im Februar 2018 in der Schwalm-Galerie zugetragen. Der Geschädigte berichtete, er habe friedlich auf einem der Stühle gesessen, als ihn der Angeklagte gegriffen und vom Stuhl gezogen habe, dabei sei er gestürzt. Um Aufsehen zu vermeiden, habe er den Täter nach draußen begleitet, wo dieser ihm den Faustschlag versetzt habe. Der Angeklagte habe ihn bestrafen wollen, weil er selbst zuvor ein junges Mädchen aus Versehen geschlagen habe.

Kurioserweise stellte sich schnell heraus, dass bereits kurz zuvor ein Prozess gegen einen anderen Täter stattgefunden hatte, in der das Opfer ebenfalls Schläge in der Schwalm-Galerie wegen des Vorfalls mit dem Mädchen erhalten hatte.

„Zweimal derselbe Tatverlauf, da habe ich doch Zweifel“, sagte der Verteidiger. Sein Mandant schilderte die Körperverletzung so, dass das Opfer ihn als „Knacki“ beleidigt habe, deswegen habe er ihm eine Ohrfeige versetzt.

Die Jugendgerichtspflege gab einen bedrückenden Einblick in das bisherige Leben des Angeklagten. Bereits mit elf Jahren kam er in eine Pflegeeinrichtung, da er von seinem Vater regelmäßig geschlagen worden war. „Er war damals schon zu alt für eine Pflegefamilie“, so die Jugendgerichtspflegerin. In den folgenden Jahren sei es zu verschiedenen Vorfällen mit ersten Jugendstrafen gekommen. Sie plädierte für die Anwendung des Jugendstrafrechts, da der junge Mann nicht altersgerecht entwickelt sei, und empfahl eine Freiheitsstrafe zur Bewährung.

Doch das Jugendschöffengericht sah es anders und verurteilte den 21-Jährigen zu einem Jahr Gefängnis ohne Bewährung. Der ungelernte und arbeitslose Mann benötige eine Therapie und eine feste Tagesstruktur, so die Richterin. „Ich hoffe, die JVA bietet Ihnen Hilfsangebote an, die Sie auch annehmen“, sagte die Jugendrichterin.

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