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Die Schwalm ist im Steinefieber

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Lieblingsstein: Der Stein „Gürre Fee“ (gute Fee) taucht wie von Zauberhand immer wieder an den unterschiedlichsten Ablagestellen auf. © Ute Anemone Lorenz

Die Idee, verzierte Steine zu verstecken, kommt aus den USA. Dort gibt es die Facebook-Gruppe „painted rocks“, bemaltes Gestein.

Es geht darum, anderen eine Freude zu bereiten und zu sehen, wie weit ein Stein reisen kann.

Janina Riebeling (38), die Gründerin der Facebook Gruppe „Schwälmer Steine“, hat während ihres Urlaubs an der Nordsee die Aktion „Küstensteine“ kennengelernt. Vor erst einer Woche gründete sie ihre Gruppe, bemalte Steine mit Schwälmer Motiven und legte diese aus, zum Beispiel am Museum, auf dem Paradeplatz und am Rathaus Treysa. 

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Jeder Stein ein Unikat: Janina Riebeling und ihr jüngerer Sohn Malte. © Ute Anemone Lorenz

Die Niedergrenzebächerin: „Dass jemand einen dieser Steine findet, es demjenigen ein Lächeln ins Gesicht zaubert und eine kleine Freude bereitet, das ist die Idee, die dahinter steckt.“ Und weiter: „Finden, fotografieren, posten, neu auslegen oder, bei besonderem Gefallen, auch gerne mit nach Hause nehmen: So soll es sein.“ 

Binnen einer Woche hat die Gruppe bereits über 1500 Mitglieder. Quasi im Minutentakt tauchen neue Bilder, Fundorte und Postings in ihrer Facebookgruppe auf. Ihre Arbeit als Administratorin der Gruppe nimmt mittlerweile sehr viel Zeit in Anspruch: „Ich schaffe das bald nicht mehr allein.“ 

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Ein schönes Versteck ist das Kunstwerk am Bahnradweg bei Loshausen. © Ute Anemone Lorenz

Neben Fundstellen in Schwalmstadt tauchen die Steine auch in Frielendorf, Schrecksbach, Willingshausen und Neukirchen auf, ja sogar in Kassel und in München, während geeignete Stifte, Farben und Lacke in einigen Läden schon ausverkauft sein sollen.

Lehrsteine mit Platt-Begriffen

Unterstützung erhält Janina Riebeling auch durch ihre Söhne Mattheo (5) und Malte (3), die mit großem Eifer selbstgesammelte Kieselsteine bemalen. Nicht immer falle es den beiden Jungs leicht, sich von den eigenen Kreationen zu trennen und diese auszulegen. 

„Beide Jungs hören gerne den Großeltern zu, wenn diese sich auf Schwälmer Platt unterhalten. Nur leider verstehen die zwei dabei nicht jedes Wort und möchten deshalb nun auch gerne den Dialekt lernen.“ So entstand die Idee, Steine nicht nur zu bemalen, sondern mit Schwälmer Wörtern zu beschriften. Auch um das Schwälmer Platt wieder ins Bewusstsein als heimischen Dialekt zu rufen und zu beleben. 

So kursieren jetzt Steine mit dem Schriftzug Käschä (Kirschen), Zejräng (Zeitung), alles Gurre fer Dech (alles Gute für Dich) und auf ihrem Lieblingsstein die Aufschrift: Gurre Fee (Gute Fee). Viele Steine haben einen neuen Besitzer gefunden. Der Stein „Gurre Fee“ taucht jedoch wie von Zauberhand immer wieder an den unterschiedlichsten Ablagestellen auf.

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Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, Schwälmer Motive und Begriffe in Platt sind häufig. © Ute Anemone Lorenz

Ansteckender Spaß

Mit diesem augenzwinkernden Text beschreibt Riebeling das Steine-Fieber als Epidemie: „Ärzte vermuten, dass sich schon über 1000 Menschen aus der Region mit dem hochansteckenden Steinfieber infiziert haben. An folgenden Symptomen können Sie erkennen, dass Sie oder Ihre Kinder das Virus in sich tragen: Ihre Kinder gehen plötzlich freiwillig und stundenlang spazieren. Häufig: Leichte Unruhe, wenn Sie nach ausgiebiger Suche nach einer Stunde noch nicht fündig geworden sind. (...) Sie bemalen bis spät in der Nacht Steine (...) und haben überall blaue Flecken, da sie nur noch mit nach unten gerichtetem Blick herum laufen und Hindernisse nicht mehr wahrnehmen. Sie reagieren panisch, wenn sie plötzlich keine Bilder von #schwaelmerSteinen mehr ansehen oder neu posten können."

VON UTE ANEMONE LORENZ

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