Bei Tiefbauarbeiten an der Festung wurden Reste alter Burgmauern gefunden

Ziegenhain: Geschichte wird zu Bauschutt

Deutlich sichtbar rechts neben dem Betonrohr sind die alten Burgmauerreste, deren Fundamente noch weit in die Tiefe ragen. Die Baugrube ist inzwischen geschlossen.
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Deutlich sichtbar rechts neben dem Betonrohr sind die alten Burgmauerreste, deren Fundamente noch weit in die Tiefe ragen. Die Baugrube ist inzwischen geschl ossen.

Den Blick auf frühe mittelalterliche Spuren innerhalb der Festung Ziegenhain richten Mauerreste, die bei Bauarbeiten an der Vorderseite des Landgrafenschlosses gefunden wurden.

Der Bezirksarchäologe bedauert, dass damit eine Dokumentation nicht ausreichend vervollständigt werden konnte: Bereits bei der Sanierung des Paradeplatz im Jahre 2011 waren Spuren einer mittelalterlichen Burgmauer gefunden worden, die einige Meter vor der jetzigen Schlossmauer verlief.

Eindrücklich beschreibt Heinz Reuter die bauliche Entfaltung Ziegenhains in dem Buch „Geschichte der Stadt 782 bis 1973“. In die Entwicklung von der Rundburg aus den Anfangszeiten des Mittelalters und ihrer ständigen Erweiterung über eine Burg mit militärischem Lager bis hin zur mittelalterlichen Burg mit einer stark befestigter Siedlung im 13. Jahrhundert könnten auch die in diesem Herbst entdeckten und wie Bauschutt entsorgten Mauerreste fallen.

Alltägliche Begegnung mit Siedlungsgeschichte

Beim Treffen mit Bernd Völker vom Arbeitskreis Festung in Ziegenhains Altstadt wird klar, dass man rund um den Paradeplatz den Frühphasen von Ziegenhains Siedlungsgeschichte alltäglich begegnet, sie häufig nur nicht als solche wahrnimmt. Der Garten des Dekanats beispielsweise atmet Geschichte. 

Bei Bauarbeiten am Landgrafenschloss – jetzt JVA – wurden Reste einer mittelalterlichen Burgmauer gefunden und entsorgt. Die Baugrube, rechts, ist inzwischen wieder geschlossen. Der Bezirksarchäologe Dr. Andreas Thiedmann war vor Ort.

Durch Ausgrabungen hinter Stadtkirche im Jahr 1944 wurde laut Heinz Reuter eine Rundburg von 42 Metern Durchmesser nachgewiesen. Ein Stück der Außenmauer ist heute noch sichtbar. Die Stärke der Mauern beträgt immerhin 2,40 Metern. Aus dieser Rundburg entwickelte sich später die Burg der Grafen von Ziegenhain.

Burgturm, Befestigungsmauer und mehr 

Da ist der im Pflaster hervorgehobene Bogen rechts neben der Gefängnispforte. Dort wurden Grundmauern eines Burgturms gefunden, der Teil der Befestigungsmauer war, von der Teile jetzt im Zuge der Bauarbeiten entdeckt wurden. Sie führte zu einem heute noch sichtbarem Turm (an der Grenzebach) am heutigen Lüdertor. Während das militärische Lager im 12. Jahrhundert nur den Raum zwischen der Rundburg und dem Wohnturm – noch erhaltener Eckbau zwischen Fürsten- und Nordflügel des Schlosses – und den erwähnten zwei Türmen umfasste, war im 13. Jahrhundert der Burg der Grafen von Ziegenhain bereits eine kleine Stadt vorgelagert.

Der gepflasterte Bogen markiert den Fund von Grundmauern eines der beiden Türme mittelalterlichen Burgtürme.

Burg, Stadt, Wasserfestung: Immer wieder in der baugeschichtlichen Entwicklung Ziegenhains wurde bereits Bestehendes in neue Bauwerke integriert. Deutlich sichtbar wird das an einem Gebäude des heutigen Gestüts, das zu Festungszeiten (16. Jahrhundert) das Küchenhaus war. Die Rückwand der Festungsküche bildeten Teile der mittelalterlichen Stadtmauer. Noch heute sind Schießscharten zu sehen. Der Wehrgang ist noch komplett erhalten.

Von Sylke Grede

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