Bewahren eines Zeugnisses

Görzhainer kümmern sich seit 75 Jahren um letzte Ruhestätte

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Görzhains Ortsvorsteher Günter Allendorf vor dem kürzlich hergerichteten Kriegsgrab von Unteroffizier Hans Hufnagel 

Auch 75 Jahre nach Kriegsende gibt es in der Region auf einigen Friedhöfen noch Kriegsgräber. Seit 2009 kümmert sich der Görzhainer Ortsvorsteher um das Grab.

In Görzhain findet sich beispielsweise das Grab des Fliegers Hans Hufnagel. In den vergangenen Jahrzehnten nagte der Zahn der Zeit an dem Grab. Nach mehreren Arbeitseinsätzen erstrahlt das Kriegsgrab jetzt wieder in neuem Glanz.

Unteroffizier Hans Hufnagel starb am 24. Dezember 1944 mit nur 21 Jahren am Fuße des Rimbergs, abgeschossen in seinem Jagdflugzeug vom Typ Focke-Wulf 190. Er konnte zwar aus seiner schwer getroffenen Maschine noch abspringen, aber sein Fallschirm öffnete sich nicht rechtzeitig.

Gefallene Soldaten auf Görzhainer Friedhof

Sein Gegner im Luftkampf, Leutnant William T. Gilbert, stürzte über dem Raum Machtlos ab. Auch der amerikanische Soldat überlebte den Absturz nicht. In den Kriegsjahren war es üblich, dass gefallenen Soldaten auf dem nächstgelegenen Friedhof beigesetzt wurden. 

Beide Soldaten wurden daher auf dem Görzhainer Friedhof beerdigt. Gilbert wurde nach Kriegsende nach Margraten in Holland überführt. Seine sterblichen Überreste fanden am dortigen amerikanischen Militärfriedhof ihre letzte Ruhe.

Unteroffizier Hans Hufnagel verlieb in Görzhain

In Görzhain begraben: Hans Hufnagel

Unteroffizier Hans Hufnagel verblieb in Görzhain. Sein Grab wurde von der Dorfgemeinschaft Görzhain gepflegt. Insbesondere Martha Flohr kümmerte sich bis zu ihrem Tod um das Grab Hufnagels. 

Grab wurde neu hergerichtet

Ab dem Jahr 2009 übernahmen der heutige Ortsvorsteher und Stabsunteroffizier d.R. Günther Allendorf und die Stabsfeldwebel Uwe Wittig und Holger Blumenauer die Grabpflege. Etliche Male musste der brüchige Grabstein aufgerichtet werden, berichtet der Ortsvorsteher Günther Allendorf und so kam man auf die Idee, das Grab völlig neu herzurichten. 

Über die Deutsche Kriegsgräberfürsorge und Unterstützung vom Ottrauer Bürgermeister Norbert Miltz wurde das Projekt im Herbst 2019 verwirklicht. Das Grab von Unteroffizier Hans Hufnagel ist seither in einen würdigen Zustand zurückversetzt.

Andenken bewahren

Gefragt nach ihrem Antritt für dieses Engagement sagen alle drei Männer unisono: Ihnen sei es wichtig, das Andenken zu bewahren, an jene Männer, die irgendwo zwischen Kindheit und Erwachsensein in den Kriegswirren den Tod fanden, bevor ihr Leben wirklich begann.

Hintergrund: Erbitterter Luftkampf am Heiligen Abend

2000 Bomber mit 800 Begleitjägern setzten die Amerikaner am 24. Dezember 1944 ein, um in Deutschland Verkehrsverbindungen und Flugplätze anzugreifen. Das war die bis dahin größte von den Amerikanern eingeflogene Luftmacht. 

Insgesamt 2000 Bomber waren eingesetzt, sie warfen 5000 Tonnen Bomben ab. Ein Teil der Bomber hatte Gießen als Ziel. Eine Fighter-Gruppe sollte den Luftraum für die Bomber freikämpfen. Sie trafen im Raum  Schwarzenborn auf die schwergepanzerten Maschinen der Jäger der Reichsluftverteidigung. Es kam zum erbitterten Kampf, bei dem die schweren Flugzeuge der Deutschen hoffnungslos unterlagen. 

Heilige Abend 1944 wurde zum Schicksalstag

Einer der jungen Flieger war Hans Hufnagel. Der Heilige Abend 1944 war ein Schicksalstag für die Familie Hufnagel aus Konstanz am Bodensee: Zwei Stunden, bevor der junge Unteroffizier abstürzte, war sein Bruder in Holland schwer verwundet worden.

VON HARALD BECKER

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