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Volles Haus bei Uraufführung von Klaus Sterns A 49-Doku

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Begrüßten das Publikum vor dem Kino Burgtheater in Treysa: Klaus Stern (links) und Frank Marten Pfeiffer sind die Regisseure von „Die Autobahn – Kampf um die A 49“.
Begrüßten das Publikum vor dem Kino Burgtheater in Treysa: Klaus Stern (links) und Frank Marten Pfeiffer sind die Regisseure von „Die Autobahn – Kampf um die A 49“. © Anne Quehl

Die erste Vorführung des Films „Die Autobahn – Kampf um die A 49“ haben fast 200 Zuschauer im Burgtheater in Treysa mitverfolgt: Ein außergewöhnlicher Zuspruch für Regisseur Klaus Stern und Co-Direktor und Kameramann Frank Marten Pfeiffer.

Treysa – Der Saal des Traditionslichtspielhauses war schließlich mit nur vereinzelten Sitzlücken besetzt, Kinobetreiber Peter Unger war mehr als zufrieden. Die lokale Uraufführung wollten sich über Erwarten viele Aktive und Wegbegleiter der Bürgerinitiative Schwalm ohne Autobahn um Klaus Hottmann und Rainer Scherb nicht entgehen lassen.

Gesehen wurden etwa auch zahlreiche Wieraer, enthält der Film doch auch wichtige Szenen mit Andreas Stehl und Alexander Krutsch. Der Kinoabend war augenscheinlich für Schwälmer ein echtes Event. Sowohl vor dem Burgtheater wie im Foyer wurde dann auch engagiert diskutiert, aber auch Wiedersehen gefeiert nach langer Pandemiezeit.

Ein zufriedener Regisseur

Klaus Stern zeigte sich überaus zufrieden: „Natürlich bin ich auch stolz, ein Schwälmer zu sein, glücklicher hätte ich nicht sein können.“ Ein so großes Publikum zu haben, das sei für Dokumentarfilmer keineswegs gewöhnlich. Im Anschluss beantworteten er und Frank Pfeiffer, der in Berlin und Tübingen lebt, Fragen und bezogen Stellung zu diversen, auch kritischen Statements zu ihrem fast 90-minütigen Werk. Neben Hottmann, Scherb, Stehl und Krutsch stand auch Titus Freiherr Schenck zu Schweinsberg auf der Kinobühne.

Natürlich bin ich auch stolz, ein Schwälmer zu sein, glücklicher hätte ich nicht sein können

Klaus Stern

Schencks Familie gehören seit Jahrhunderten große Wälder: Teile musste er für die A 49 abgeben, Klagen dagegen gab er auf. Die planungsrechtlichen Grundlagen für die letzten Bauabschnitte seien „am Ende zwangsläufig“ gewesen, nur schwerwiegende Rechtsfehler hätten den Durchbau aufhalten können, resümierte Schenck. Er blicke jetzt nach vorn, „es hat keinen Sinn in der Vergangenheit herumzuwühlen“.

Viele Schwälmer wollten das Filmereignis nicht verpassen

Wenn anderswo auf dem Roten Teppich Sekt gereicht wird, gibt es in der Schwalm ein Schwalmbräu aus der Flasche. So fehlte auch Brauereichef Eckhardt Haaß nicht. Er und viele gutbekannte Schwälmer strömten am Mittwoch, 11. Mai, bei bestem Frühsommerwetter zusammen, um das oder zumindest ein Filmereignis des Jahres nicht zu verpassen. Unter die vielen der Generation 50 oder 60 plus mischten sich eher wenig jüngere Gesichter.

Befürworter und Gegner einträchtig auf dem Podium: Von links Titus Freiherr Schenck zu Schweinsberg, Alexander Krutsch, Rainer Scherb, Andreas Stehl, Klaus Hottmann, Klaus Stern und Frank Pfeiffer.
Befürworter und Gegner einträchtig auf dem Podium: Von links Titus Freiherr Schenck zu Schweinsberg, Alexander Krutsch, Rainer Scherb, Andreas Stehl, Klaus Hottmann, Klaus Stern und Frank Pfeiffer. © Quehl, Anne

Die meisten zeigten anschließend Interesse an der Diskussion. Die drehte sich stark darum, wie der Protest gegen den Bau der A 49 früher aufgebaut war, Stichwort Bürgerinitiative Schwalm ohne Autobahn, und welche Formen des heutigen Widerstandes tolerierbar und potenziell wirksam sind. Bisweilen beklemmende, packende Szenen von der Räumung im Dannenröder Forst zwischen Stadtallendorf und Homberg (Ohm) beherrschen die zweite Hälfte des Films.

Ein Doku für alle

„Die Autobahn“ funktioniert auch für Zuschauer, die die Region nicht kennen. Einige Male lachte das Publikum auf, zum Beispiel wenn zigarettenrauchende Politiker in schwarz-weißen Fernsehbildern zu sehen waren, die an unbegrenztes Wachstum glaubten, oder der Ex-Verkehrsminister arrogante Aussagen traf.

Unter Dröhnen und Ächzen umstürzende Stämme, bitterlich frierende Baumhausbewohner und Luftbilder vitaler Wälder – die Macht der Bilder befindet sich im gesamten Film quasi im Diskurs mit Einschätzungen von Menschen, die mittelbar oder unmittelbar betroffen sind. Es gibt keine Kommentierung aus dem Off, für die elementaren Zusammenhänge verwenden die Filmemacher ältere TV-Beiträge und -Moderationen.

Lob und Kritik für die Filmemacher

Ein dickes Lob gab es von einem Polizeibeamten im Publikum, der nach eigenen Angaben oft Politiker während der Räumung im Rodungsgebiet bei Dannenrode begleitet hatte, zum Beispiel Heidemarie Scheuch-Paschkewitz. Auch sie war unter den Zuschauern.

Der Beamte nannte den Film „sehr sachlich“. Seiner – spontan vom Publikum beklatschten – Einschätzung nach, seien „98 Prozent der Menschen im Wald absolut friedlich“ gewesen. Brandsätze, Gefährdungen und Beschädigungen seien demnach von lediglich zwei Prozent der Umweltaktivisten ausgegangen. Zu einem hohen Prozentsatz seien die Baumhausräumungen „harmonisch“ verlaufen. – In der Räumungsphase letzten Winter seien bis zu 2000 Polizisten täglich im Einsatz gewesen, heißt es.

Kritisiert wurde, es fehle im Film an Einordnung der Geschehnisse. Das aber, so unterstrich Klaus Stern im HNA-Gespräch, unterbleibe konsequent und sei voll beabsichtigt. (Anne Quehl)

Peter Unger Kinobetreiber
Peter Unger Kinobetreiber © Freier Mitarbeiter

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