Amtsgericht Schwalmstadt

21-Jähriger schlug zu – Gericht verhängt Sozialstunden

Amtsgericht Schwalmstadt: Ein 21-Jähriger aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis war wegen vorsätzlicher Körperverletzung angeklagt.
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Amtsgericht Schwalmstadt: Ein 21-Jähriger aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis war wegen vorsätzlicher Körperverletzung angeklagt.

Wegen vorsätzlicher Körperverletzung musste sich ein 21-Jähriger aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis vor dem Amtsgericht verantworten.

Schwalmstadt – Die Staatsanwaltschaft Marburg warf ihm vor, einen Mann mit der Faust auf die Nase geschlagen zu haben. Der Vorfall passierte im November 2020.

Der Angeklagte sollte erstmal aus seiner Sicht den Vorfall schildern: Er und ein Freund waren abends auf einem Schulgelände, um eine Zigarette zu rauchen. „Plötzlich kam ein Mann auf uns zu und beschuldigte uns, wir würden in die Schule einbrechen“, sagte der 21-Jährige. Doch das sei nicht der Fall gewesen. Sie fingen an zu diskutieren, bis „der Mann zu mir sagte, du kriegst jetzt eine“. Dabei soll er die Hand gehoben haben und einen Schritt auf den Angeklagten zugegangen sein. Daraufhin schlug der 21-Jährige ihm auf die Nase. „Außerdem hat der Mann nach Alkohol gerochen“, sagte er.

Während der Angeklagte den Vorfall schilderte, hörte man im Hintergrund das Rauschen des Luftfilters, der im Gerichtssaal stand. Und auch Plexiglasscheiben als Trennwände standen im Raum bereit. Der Strafverteidiger des Angeklagten verzichtete allerdings auf diese Abtrennung.

Dann schilderte das Opfer die Situation – allerdings anders: „Ich war an dem Abend mit meinen Hunden spazieren und hatte zwei Gestalten vor der Schule gesehen“, sagte er. Der Mann fragte die beiden, ob sie in die Schule einbrechen wollten, sie verneinten. „Dann fingen sie an, mich zu beleidigen.“ Das habe den 53-Jährigen wütend gemacht: „Dir müsste man eine an den Backen geben.“ Der Angeklagte habe entgegnet, dass er das machen solle, aber er habe sich darauf nicht eingelassen. Dann habe er plötzlich einen Schlag auf die Nase bekommen. „Ich war fassungslos.“ Die Nase war gebrochen und musste genäht werden.

Diese geschilderte Aggressivität des Angeklagten war vor Gericht nicht zu erkennen. Er blickte während der Verhandlung nur auf den Boden.

Bevor der Freund, der an dem Abend des Vorfalls dabei war, als Zeuge aussagte, wurden die Fenster im Gerichtssaal geöffnet – zum Durchlüften. Die Aussage des Zeugen deckte sich mit der des Angeklagten: „Der Mann hatte uns vorgeworfen, wir würden in die Schule einbrechen und drohte uns mit einem Schlag“, sagte der Zeuge. Eine Jugendamtsmitarbeiterin des Schwalm-Eder-Kreises schilderte, dass der Angeklagte selbst schon Gewalterfahrungen erlebt habe. „Sein Vater hat ein Alkoholproblem“, sagte sie.

„Die Beteiligten sind unglücklich zusammengetroffen“, schlussfolgerte die Richterin. Es kam daher zu keiner Verurteilung, sondern das Verfahren wurde eingestellt. Dafür muss der 21-Jährige 40 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. (Lea Beckmann)

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