Amtsgericht Schwalmstadt

22-Jähriger nach Messerattacke zu Haftstrafe verurteilt

Ein 22-Jähriger aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis musste sich am Dienstag wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten.
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Ein 22-Jähriger aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis musste sich am Dienstag wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht verantworten.

Zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten wurde ein 22-Jähriger aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis verurteilt. Er musste sich wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht Schwalmstadt verantworten. 

Schwalmstadt – Dem Angeklagten hatte die Staatsanwaltschaft Marburg vorgeworfen, einen damaligen Freund im Februar vergangenen Jahres mit einem Küchenmesser, mit einer Länge von 11,5 Zentimetern, zwischen Hals und rechte Schulter gestochen zu haben. „Es war eine brutale und plötzliche Tat“, sagte die Richterin. Der 22-Jährige habe sich in keiner Notwehrsituation befunden, begründet sie das Urteil. Ein Stich in diese Region des Körpers hätte lebensbedrohlich enden können, sind sich Staatsanwaltschaft, Richterin und Schöffinnen sicher.

Doch wie kam es dazu? Der Angeklagte und das 30-jährige Opfer hatten sich an einem Abend in der Garage des 22-Jährigen getroffen. Der Grund: Der Verurteilte schuldete ihm Geld. Nach Angaben des 22-Jährigen soll es sich um 1200 Euro gehandelt haben, das Opfer sprach allerdings von 12 000 Euro. Der Angeklagte behauptete, dass ein Kollege das Geld vorbeibringen würde. Die Situation schilderten beide unterschiedlich. Der Angeklagte sprach von einer stressigen und angespannten Situation, in der das Opfer aufbrausend gewesen sei. Aus Angst habe er das Messer, welches in seiner Garage lag, genommen und dann von der Seite zugestochen. Aus Sicht des Opfers, der Zeuge und auch Nebenkläger war, war es ein ruhiger Abend und der Angriff kam für ihn unvermittelt.

Der 22-Jährige rief nach der Tat den Rettungsdienst, stellte sich aber erst am nächsten Tag der Polizei. Der junge Mann zeigte Reue und entschuldigte sich beim Opfer: „Ich war von mir selbst überrascht.“ Im Gericht zeigte sich der Angeklagte ruhig. Dass er die Tat am selben Abend bereute, erkannte man an der Aussage seiner damaligen Freundin. „Er hat mich danach angerufen und war völlig schockiert, aufgelöst und weinte“, sagte sie.

Für die Staatsanwaltschaft und die Richterin bleibt bis zum Ende unklar, was vor und nach dem Messerstich genau passiert ist. Eins ist aber klar: Den Messerstich gab es. Der Verteidiger plädierte auf eine Freiheitsstrafe unter zwei Jahren und auf Bewährung. Doch für die Richterin wäre diese Strafe der Tat nicht angemessen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Angeklagte kann Berufung einlegen.

Messerattacken in der Kriminalstatistik

Im Jahr 2020 hat die hessische Polizei 1712 Messerangriffe registriert. Das geht aus der Kriminalstatistik hervor. Unter den 2046 Angegriffenen erlitten 879 Verletzungen, 14 von ihnen tödliche. Im Jahr 2021 soll die Zahl der Messerattacken in Hessen leicht gesunken sein. Das sei die vorläufige Prognose der hessischen Sicherheitsbehörden, erklärte Innenminister Peter Beuth (CDU) auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden.

Opfer leidet unter der Tat

Die Aussagen des Angeklagten und des Opfers unterschieden sich deutlich vor Gericht. Ursprünglich ging es um die Geldschulden an das Opfer. Der 22-Jährige behauptete, es seien 1200 Euro gewesen, doch das Opfer sprach von 12 000 Euro. Am Abend der Tat sei auch herausgekommen, dass er einem Verwandten des Opfers ebenfalls Geld schuldete, erklärte der Angeklagte. Er versuchte sich herauszureden und behauptete, dass ihm das Geld geklaut worden sei. Der 30-Jährige wollte den Namen des Diebs wissen, doch der junge Mann schwieg. Das Opfer sei aufbrausend gewesen, so die Aussage des Verurteilten. Er steckte sich das Messer, welches im Regal der Garage lag, zunächst in die Hosentasche: „Ich hatte Angst in dem Moment.“ Der 30-Jährige habe ihn weiter bedrängt, weswegen der Angeklagte irgendeinen ausgedachten Namen nannte. In dem Moment als das Opfer sich den Namen notierte, stach er unvermittelt mit dem Messer zu.

Mit dem Messer im Hals ging der Verletzte zu seinem Auto, zog es dort raus und ging damit wieder in Richtung des Angeklagten. „Ich dachte, er geht jetzt auf mich los, deswegen habe ich mein Pfefferspray in seine Richtung gehalten“, sagte der 22-Jährige. Der 30-Jährige habe ihm das Messer lediglich zurückgegeben, so der Mann gegenüber dem Gericht. Der 22-Jährige warf das Messer in den Busch neben der Garage und rief den Krankenwagen. „Dann habe ich erst richtig realisiert, was ich getan habe, und lief aus Angst weg.“ Am nächsten Tag stellte er sich der Polizei.

Für das Opfer stellte sich die Situation anders dar: Der Abend sei harmonisch verlaufen, bis er plötzlich mit einem Messer verwundet wurde. Er zog das Messer raus, warf es auf den Boden und holte einen Schal aus dem Auto, um diesen auf die Wunde zu drücken. „Ich sah, wie er abhauen wollte und rief ihm noch zu, dass er einen Krankenwagen rufen soll, sonst verblute ich, aber er zeigte keine Reaktion“, erklärte der 30-Jährige vor Gericht.

Der vom Täter gerufene Krankenwagen brachte das Opfer ins Krankenhaus. Die entstandene vier Zentimeter tiefe Wunde spürt er auch heute noch: „Nach dem Sport tut mir der Arm meistens ziemlich weh.“ Und auch psychisch leidet er unter der Tat – seitdem habe er häufig Albträume.

Da der Angeklagte schon ein laufendes Verfahren wegen Körperverletzung mit Sachschaden hatte, gilt die Strafe für beide Verfahren. (Lea Beckmann)

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