So soll es weitergehen

Lückenschluss der A49: Das sind die aktuellen Probleme

Einzelbaustelle südlich von Neuental: Bau der Schlierbachtalbrücke mit 30 Meter tiefen Bohrpfählen – hier Ende Mai. Bis die A49 fertig ist, wird es noch viele Jahre dauern. 

Wie geht es weiter mit dem Lückenschluss der A49, die ja mal Kassel mit der A5 und damit Südhessen verbinden soll? Aktuell gibt es Diskussionen um Altlasten und Wald. 

Unverbesserliche Optimisten glaubten noch 2015 an die Fertigstellung der A49 zur A5 bis 2021. Inzwischen hat der Haushaltsauschuss des Bundestags 1,1 Milliarden Euro freigegeben, die als Anschubteil des Bundes privaten Autobahninvestoren den Bau der fehlenden 30 Kilometer, Betrieb und Unterhaltung zwischen Fritzlar und A5 schmackhaft machen sollen.

Federführend ist die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH (Deges), Projektgesellschaft von Bund und Ländern. Dort wäre man schon froh, wenn im ersten Halbjahr 2020 der A49-Bau weitergehen könnte. Man plane, das Projekt „noch 2017 als ÖPP-Projekt (Öffentlich-private Partnerschaft) auszuschreiben. Die Vergabe sollte bis Ende 2019 erfolgen“, hieß es auf Anfrage unserer Zeitung. Ein paar Probleme müssen aber noch aus dem Weg geräumt werden: Gegen den A-49-Abschnitt von Stadtallendorf bis hin zum A5-Anschluss Ohmtal-Dreieck gibt es nach wie vor eine, wenn auch ruhende, Klage vor dem Bundesverwaltungsgericht. Das Land Hessen verhandelt mit den privaten Klägern über außergerichtliche Einigung - so wie schon vor zwei Jahren. Einigung und Rücknahme der Klage würden bis Ende diesen Jahres angestrebt, so die Deges. Bei den Verhandlungen über Waldflächen eines Forstbetriebs geht es laut Hessens Wirtschaftsministerium um akzeptable Ausgleichsflächen.

Bleiben Bodenuntersuchungen im Bereich Stadtallendorf: Die seien angestoßen, sagt Deges-Sprecher Michael Zarth. Ergebnisse, die sich auf die Vergabe des ÖPP-Projektes auswirken könnten, „werden nach derzeitigem Kenntnisstand nicht erwartet“.

Es geht um Rüstungsaltlasten auf der A49-Trasse: Auf dem Gelände der ehemaligen Sprengstofffabrik Wasag in Stadtallendorf müssen laut Antwort im Landtag auf Anfrage der Grünen von 2011 im Wasserschutzgebiet knapp eine halbe Million Kubikmeter Erdreich ab- und gut 80 000 Kubikmeter aufgetragen werden. „Sechs Gebäudestandorte (Füllstellen für Bomben und Minen, Gebäude für Sprengstofflagerung und Versand) könnten betroffen sein“, hieß es damals. 9,5 Mio. Euro sollen die Bodenbewegungen kosten, 4,3 Millionen der Schutz des Trinkwassers in diesem Bereich – Stand 2008.

Autobahnbau frisst mächtig Land. Am Ende der Neubautrasse im Bereich Homberg (Ohm) läuft die Flurbereinigung jetzt an: 2500 Hektar von 630 Eigentümern werden neu sortiert, umverteilt, mit Entschädigungsflächen abgegolten, um der A49 Bahn zu schaffen. Die Vorstandswahl zur sogenannten Teilnehmergemeinschaft wurde Ende Juni erst mal abgeblasen und vertagt. Laut Behördenauskunft gibt es 100 Widersprüche gegen das Verfahren.

Landwirte seien unter anderem sauer, weil sie fürchteten, früher zugesagte Flächen der einstigen Staatsdomäne Neu-Ulrichstein nicht als Ausgleich zu bekommen, hieß es weiter. Das Verfahren werde davon aber nicht gebremst, Sofortvollzug sei angeordnet.

Hintergrund: Sprengstoff unter Wohnhäusern

Die Westfälisch-Anhaltische Sprengstoff-Actien-Gesellschaft (WASAG) wurde nach dem Ersten Weltkrieg zum größten deutschen Sprengmittelhersteller. Mit anderen Produzenten fusioniert, betrieben WASAG und Tochterunternehmen im Dritten Reich Sprengstoff- und Munitionswerke. Unter anderem im heutigen Stadtallendorf, wo damals Europas größte Munitionsfabrik entstand. Im Zweiten Weltkrieg schufteten dort mehr als 15000 Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge, die in SS-verwalteten Lagern in der Nähe hausten. Die Sanierung des 600-Hektar-Geländes begann in den 1990ern: 100 Wohngrundstücke stuften Experten als so verseucht ein, dass Erdreich rund um die Häuser bis in sieben Meter Tiefe ausgetauscht werden musste (Foto). Ganz Säcke mit Sprengstoff fanden sich dabei. Insgesamt wurden 154 Tonnen Schadstoffe aus den Böden und 697 Tonnen von einer Halde entfernt. Kosten laut Landesregierung: 167 Millionen Euro. 

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