Drohnenflugpiloten auf der Suche nach Kitzen

Kitze vor dem Mähtod retten: Mit der Drohne werden die Tiere entdeckt 

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In den frühen Morgenstunden auf Suche: Vor der Mahd schicken Daniel Kurz und Alexander Bätz ihre Drohnen los, um Rehkitze zu sichten.

Noch vor Sonnenaufgang bei Temperaturen um den Gefrierpunkt machten sich die beiden Drohnenflieger Alexander Bätz und Daniel Kurz daran, Wildtierleben zu retten.

Die beiden Freunde sind professionelle Drohnenflugpiloten und suchten vergangene Woche erstmals mit ihren hochtechnisierten Fluggeräten nach Kitzen in Mahdwiesen. „Die moderne Technik erspart dem Landwirt Zeit und die Suche aus der Luft ist einfach viel präziser“, so die befreundeten Piloten, die ihr Hobby inzwischen zum Nebenerwerb ausgebaut haben und mit ihrer Technik eben nicht nur Rehkitze suchen können, sondern auch sonst allerlei Flugaufträge annehmen.

Kitzsuche ist ein besonderes Anliegen

„Die Kitzsuche ist uns aber ein besonderes Anliegen. Es wäre schön, wenn sich noch mehr Landwirte der modernen Technik gegenüber öffnen würden. Mithilfe der Wärmebildkameras können wir kleinste Temperaturunterschiede im Gras aufspüren“, erklärte Alexander Bätz. Die beiden fliegen Drohnen unterschiedlicher Preiskategorien, doch beide haben die Technik, um ein Rehkitz zu finden. „Da fliegt gerade ein Kleinwagen über die Wiese“, so die beiden Flugexperten. In noch fast völliger Dunkelheit baute Alexander Bätz ein ganzes Arsenal an Technik am Rand der zu befliegenden Weide auf. Neben der Drohne und der Fernsteuerung beeindruckte vor allem ein großer Bildschirm, wo eben auch der Landwirt und der Jagdpächter mitverfolgen konnten, wenn es verdächtige Veränderungen in der Wiese gab. Die Drohne schickte Luftbilder mit Farbveränderungen auf den Monitor und nahm Temperaturunterschiede von 0,05 Grad wahr. „Ein Kitz hat etwa 20 Grad Körpertemperatur. Das sieht man das Kitz bei kühler Umgebungstemperatur gut“, sagte Kurz, der so selbst auch Mäuse, die im Mauseloch verschwanden, aufspürte. Ein winzig kleiner heller Punkt war auf dem Monitor erschienen und so stoppte der Pilot die vorprogrammierte Flugbahn und zoomte ins Gras. Die Maus war weg, doch das Mauseloch war deutlich und klar zu erkennen. „Eine Wahnsinnstechnik“, staunte auch Jagdpächter Eduard Husung. Bevor man sich der modernen Drohnentechnik bediente, versuchten der Landwirt wie auch der Jagdpächter mit intensiver fußläufiger Suche mit Hund, dem Aufstellen von Raschelsäcken oder auch sogenannten Wildpiepern die Kitze aufzuspüren und zu retten. 

Bei hohem Gras war der Aufwand jeweils enorm. „Aber keiner möchte ein Kitz mähen, wir haben schon immer gesucht und oft auch schon Kitze retten können“, so der Allendorfer Kuhbauer, der sich gerne auf die moderne Technik einließ und dennoch nicht darauf verzichtete, die Wiesen behutsam am Vorabend anzumähen, um die Ricken zu warnen.

Nicht einfach losfliegen 

Der Landwirt hatte dem Fliegerteam im Vorfeld die Lage der Wiesen mitgeteilt und so konnte die Fluggenehmigungen vom Regierungspräsidium eingeholt werden. „Wir führen immer einen ganzen Ordner an Verordnungen und Vorschriften mit uns. Man darf keinesfalls einfach nur losfliegen“, so Bätz.

Insgesamt suchte das Wildrettungsteam zwölf Hektar Wiese in gut zwei Stunden ab. Wenn die beiden Drohnenflieger nicht nach Rehkitzen suchen, nutzen sie ihre teure Technik vor allem, um beauftragte Luftbilder zu machen oder bei der Suche von Vermissten und bei Brand- und Unfallszenarien zu helfen. Daniel Kurz hat zudem eine Weiterbildung zum zertifizierten Thermografen absolviert und sich in der Überprüfung von Solar/PV-Anlagen einen Arbeitsschwerpunkt geschaffen. Zudem sind die Drohnen auch zur Luftbekämpfung des Maiszünslers mit Schlupfwespennützlingen tauglich, können dreidimensionale Vermessungsbilder liefern und aber auch bei der Schadensschätzung von Wildschäden oder auch zur allgemeinen Aufwuchsbeobachtung bei Feldfrüchten eingesetzt werden.

Informationen:schwalmcopter.de, kurz-airworks.de.

Von Regina Ziegler-Dörhöfer

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