95-Jährige wartete neun Stunden auf Behandlung in Schwälmer Klinik

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Warten auf Versorgung: Unser Archivbild zeigt eine wohl typische Situation im Wartebereich in einem Unfallkrankenhaus in Berlin. Es zeigt nicht die tatsächliche Situation nach der Schilderung von Brigitte Stolz in der Asklepios-Klinik Ziegenhain. 

Schwalmstadt. Eine 95-Jährige wird mit Verdacht auf Thrombose ins Krankenhaus gebracht. Ihr wird Blut abgenommen und ein EKG geschrieben. Dann geschieht neun Stunden lang nichts.

Für eine kranke Frau viel zu lange, findet Brigitte Stolz, Betreuerin und Nichte der Frau.

Beschwerde

Ihre Tante sei nicht nur inkontinent. Sie habe zudem eine Sehschwäche und könne ohne Rollator nicht mehr gehen. „Mich ärgert es einfach, dass eine Patientin, die sich selbst nicht helfen kann und völlig hilflos ist, nicht versorgt wird“, sagt Brigitte Stolz. Auf ihren Brief, den sie im Spätherbst, direkt nach der Behandlung, an die Asklepios-Klinik Ziegenhain schickte, hat sie keine Reaktion erhalten (Hintergrund).

Vorfall

Grund für die Einlieferung ins Krankenhaus sei ein Sturz ihrer Tante gewesen. „Sie ist 95 und fällt oft hin, weil sie unter Dauerschwindel leidet.“ Bei diesem Sturz habe sie sich am Bein verletzt. Das sei plötzlich angeschwollen, sagt Stolz. „Der Bereitschaftsdienst im Pflegeheim hat sie mit Verdacht auf Thrombose in die Klinik einliefern lassen.“

Nach Blutentnahme und EKG sollte noch ein Ultraschall vom Bein gemacht werden. Darauf habe die Patientin lange warten müssen: „Sie lag nur auf einer Liege. Niemand hat ihr Essen und Trinken angeboten.“

„Aber was wäre gewesen, wenn sie wirklich eine Thrombose gehabt hätte?“

Völlig allein habe sie sich um ihre Tante kümmern müssen, niemand habe ihr geholfen, die inkontinente Frau zur Toilette zu bringen. Nur einmal habe man der Patientin neue Vorlagen gegeben. „Meine Tante war am Abend bis unter die Achseln nass.“

Gegen Mittag machte sich Brigitte Stolz auf den Heimweg, bei Anrufen im Krankenhaus habe sie immer die selbe Antwort erhalten: Ihre Tante sei noch in Behandlung. Als sie am Abend wieder in die Klinik fuhr, wurde die 95-Jährige auf ein Zimmer verlegt, am nächsten Tag wurde sie entlassen, berichtet Brigitte Stolz. „Es war zum Glück nur eine Schwellung, die wir nachbehandeln mussten.“

Verständnis

Brigitte Stolz akzeptiert Wartezeiten, hat Verständnis für die große Arbeitsbelastung der Ärzte, „es kommt immer mal was dazwischen.“ Besonders, weil sich Ärzte um immer mehr Patienten sorgen müssten, die in die Notaufnahme kommen, so Stolz. „Aber was wäre gewesen, wenn sie wirklich eine Thrombose gehabt hätte?“ Neun Stunden Untätigkeit seien dann deutlich zu lang, findet die Nichte.

Auszüge aus dem Brief an die Klinik:

Der Brief, den Brigitte Stolz an das Krankenhaus schickte, liegt der HNA vor. Hier einige Auszüge daraus: 

• „Das Bein war geschwollen und entzündet.“ 

• „Unmittelbar nach Aufnahme wurde ein EKG geschrieben sowie Blut abgenommen. Anschließend sollte ein Ultraschall des Beines erfolgen.“ 

• „Ich habe um 13.30 Uhr die Notaufnahme verlassen, da bis dahin nichts geschehen war.“ 

• „Vom Zeitpunkt der Einlieferung waren mittlerweile neun Stunden vergangen. Diese Situation halte ich für untragbar.“ 

• „Die Inkontinenz war der Ambulanz bekannt.“

• „Ich erbitte Ihre Stellungnahme zu diesem Sachverhalt.“

Nach Angaben von Asklepios traf dieser Brief in ihrem Krankenhaus nicht ein.

Das sagt die Klinik:

Die Leitung der Asklepios-Klinik in Ziegenhain verzichtet auf Anfrage der HNA auf eine Stellungnahme zu dem Vorfall. „Die Klinikleitung hat sich nichts vorzuwerfen“, sagt Pressesprecher Uli Klein. Die medizinische Versorgung der Patientin sei erfolgt, man habe alles über die Behandlung dokumentiert. „Die Klinikleitung sucht nun den privaten Kontakt zu den Betroffenen.“

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