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Amtsgericht Schwalmstadt verurteilt 36-Jährigen wegen sexuellen Missbrauchs

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Von: Maike Lorenz

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Das Foto zeigt den Bahnsteig und einen eingefahrenen Zug.
Der Bahnhof in Treysa: Hier und in einem eingefahrenen Zug bedrängte der 36-jährige Angeklagte im August 2019 eine zum Tatzeitpunkt 13-Jährige. © Anne Quehl

Das Schöffengericht Schwalmstadt hat mehr als drei Jahre nach der Tat einen 36-jährigen Mann wegen sexuellen Missbrauchs und Nötigung einer 13-Jährigen verurteilt.

Schwalmstadt – Der Angeklagte aus dem Südkreis erhielt eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, einem Monat und zwei Wochen, die drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird.

Während der Verhandlung am Amtsgericht Schwalmstadt saß der Angeklagte zusammengesunken auf seinem Stuhl. Seine Winterjacke hatte er anbehalten, denn um Ansteckungen mit Corona zu vermeiden, war im Sitzungssaal ein Fenster geöffnet worden. Während der Verhandlung wirkte es fast so, als wolle der Angeklagte sich in seiner dicken Jacke verstecken. Den Kopf stützte er immer wieder ab und bedeckte so sein Gesicht. Wie auch der psychologische Gutachter während der Verhandlung bemerkte, war dem Angeklagten die Scham für seine Tat ganz deutlich anzusehen.

Vor Gericht ließ der 36-Jährige meist seinen Verteidiger für sich sprechen. Er selbst redete nur wenig und was er sagte, ließ der seit etwa 20 Jahren in Deutschland lebende Geflüchtete von einem Dolmetscher übersetzen.

Übergriffe am Bahnsteig und im Zug

Wie der 36-Jährige gestand, hat er im August 2019 zuerst am Bahnhof in Treysa und anschließend in einem eingefahrenen Zug eine 13-Jährige sexuell bedrängt.

Der Verteidiger berichtete vor Gericht, sein Mandant habe die 13-Jährige zuerst nach ihrem Alter und anschließend danach gefragt, ob er ihren BH sehen könne. Als diese verneinte, habe der heute 36-Jährige versucht, den BH-Verschluss zu öffnen.

Das Mädchen habe sich daraufhin gewehrt und versucht, Abstand zu gewinnen. Der Angeklagte hielt die 13-Jährige jedoch fest, versuchte ihr das T-Shirt auszuziehen und berührte oberhalb der Kleidung zwei Mal die Brust des Mädchens.

Später fasst er noch den Kopf der 13-Jährigen und „versuchte sie zwei bis drei Mal aufs Gesicht zu küssen“, berichtete der Verteidiger. Außerdem habe der Angeklagte ihr teils seine Zunge ins Ohr gesteckt.

eine Zugbegleiterin beendete die Übergriffe

Ein Ende fanden die Übergriffe erst, als eine Zugbegleiterin einschritt. Vor Gericht schilderte die 47-Jährige, dass ihr der Angeklagte und das Mädchen bereits auf dem Bahnsteig aufgefallen seien. Zuerst habe sie sich keine großen Sorgen gemacht, aber im Zug sei sie schließlich dazwischen gegangen: „Das Mädchen war von dem Mann so eingeengt in ihrem Sitz“, berichtete sie.

Um zu prüfen, ob alles in Ordnung sei, habe sie die 13-Jährige deshalb aufgefordert, mit ihr mitzukommen. Daraufhin sei das Mädchen der Zugbegleiterin sofort in ein anderes Abteil gefolgt und habe ihr von den Übergriffen erzählt.

„Das Mädchen war ängstlich und hat gezittert“, erinnerte sich die Zugbegleiterin. Auch drei Jahre nach der Tat ist die Zeugin bei ihrer Aussage vor Gericht sichtlich aufgebracht. Die Richterin lobte: „Es ist großartig, dass Sie ihre Fahrgäste so im Auge haben“.

über drei Promille Alkohol im Blut

Während der Tat war der Angeklagte stark alkoholisiert. Tests der Polizei ergaben, dass der Alkoholgehalt im Blut zur Tatzeit bei über drei Promille lag. Wie der Verteidiger berichtete, habe der Angeklagte früher „nahezu täglich und in großen Mengen Alkohol getrunken“. Mittlerweile trinke er aber nicht mehr, sagte der Angeklagte.

Dem Gericht erschien dies durchaus glaubwürdig, denn dem Betreuer des Angeklagten war der 36-Jährige bisher noch nicht betrunken aufgefallen und auch der psychologische Gutachter bestätigte die Abstinenz. Nach Auffassung des Gutachters sei in Zukunft zudem „keine grundsätzliche Gefährdung der Allgemeinheit“ durch den 36-Jährigen zu erwarten.

Der Angeklagte sagte vor Gericht, dass seine Tat ihm große mentale Probleme bereitet habe. Sein Verteidiger berichtete zudem, dass der 36-Jährige versucht habe, sich nach der Tat mit einem Sprung aus dem zweiten Stock umzubringen. Seit dem Selbstmordversuch läuft der Angeklagte an Krücken. Nach Angaben des Verteidigers wird der Angeklagte nun für immer mit den Folgen der Verletzung leben müssen.

Zu einer Strafmilderung habe geführt, dass der Mann umfangreich geständig gewesen sei, erläuterte die Richterin. Das hat es dem heute 16-jährigen Mädchen erspart, vor Gericht zu erscheinen. (Maike Lorenz)

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