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Amtsgericht verurteilt 19-Jährigen zu Geldstrafe und Therapie

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Das Foto zeigt den Eingang zum Amtsgericht Schwalmstadt.
Amtsgericht: In Treysa wurde einem Mann auch wegen Körperverletzung der Prozess gemacht. © Sandra Böhm

Vor dem Amtsgericht Schwalmstadt wurde ein 19-Jähriger aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis zu einer Geldbuße von 1000 Euro und zur Teilnahme an einer Sucht-und Drogentherapie verurteilt.

Schwalmstadt – Insgesamt warf der Staatsanwalt dem jungen Mann drei Straftaten vor: Körperverletzung in zwei Fällen und Handel mit Betäubungsmitteln. Der 19-Jährige handelte mit 100 Gramm Cannabis.

Der Beschuldigte soll im November 2021 seinen jüngeren Bruder in der Waschküche ins Gesicht geschlagen haben. „Ich war zu dem Zeitpunkt cannabisabhängig und versuchte einen kalten Entzug. Dadurch wurde ich schnell aggressiv, bekam Horrortrips und Wahnvorstellungen“, berichtete der Angeklagte.

An die konkrete Tat habe er keine Erinnerungen mehr. Jetzt habe er wieder einen sehr guten Draht zu seinem Bruder. „Dass es zwischen Brüdern mal zu körperlichen Auseinandersetzungen kommt, ist ganz normal. Eigentlich ist das kein Fall für das Amtsgericht“, erklärte der Strafverteidiger lapidar.

Auch im zweiten Anklagepunkt wurde dem 19-Jährigen Körperverletzung vorgeworfen. Er soll laut Staatsanwalt einen 17-Jährigen im Februar 2022 geschlagen sowie andere bedroht haben. Dazu gab der Angeklagte an, dass er mit dem 17-Jährigen damals befreundet war. Dieser habe sich aber zu gut mit seiner 15-jährigen Freundin verstanden, so der 19-Jährige.

Nachdem ihn der 17-Jährige per Textnachrichten provozierte, verabredeten sie sich, um ihre Unstimmigkeiten mit den Fäusten zu klären. Diese Version bestätigte die 15-Jährige.

Handel mit Betäubungsmitteln: Verfahren eingestellt

Im Hinblick auf die dritte Straftat – Handel mit Betäubungsmittel – wurde das Verfahren eingestellt. „Meinem Mandanten war nicht klar, was alles unter die Straftat Handel mit Betäubungsmitteln fällt. Ihm war das in dem Moment nicht präsent, dass er eine Straftat begeht“, sagte der Verteidiger.

Der 19-Jährige habe nur für einen Bekannten, der 100 Gramm Cannabis verkaufen wollte, nach Abnehmern in seinem Freundeskreis per Textnachricht gefragt.

Dazu versicherte der Angeklagte: „Ich hatte nie mehr als 10 Gramm in den Händen, ich hab nur gefragt, ob jemand etwas kaufen möchte. Die Polizei hat auch bei der Hausdurchsuchung kein Cannabis sichergestellt.“ Aber auch die Anbahnung eines Handels sei strafbar, erläuterte der Staatsanwalt.

Geldbuße und Therapie

Staatsanwalt und Verteidiger waren sich in ihren Plädoyers einig. Der 19-Jährige sei der Körperverletzung gegen seinen Bruder und des Handelns sowie der Beihilfe zum Handel mit Betäubungsmitteln schuldig. Sie sprachen sich beide für eine Geldbuße von 1000 Euro und der Teilnahme an einer Drogen- und Suchttherapie aus.

Die Richterin folgte in ihrem Urteil diesen Forderungen. Zudem soll der 19-Jährige seine Cannabisabstinenz über ein halbes Jahr lang mit Drogentests nachweisen. Er hatte vor Gericht immer wieder geäußert, dass er mittlerweile keine Drogen mehr nehme und er einen Schlussstrich unter diese Zeit in seinem Leben setzen wolle.

„Die Leute, mit denen Sie Umgang hatten, sind keine Freunde. Ich finde es gut, dass sie sich von ihnen distanziert haben und Ihre Drogenprobleme angehen wollen“, gab die Richterin dem jungen Mann mit auf den Weg. (Philipp Knoch)

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