Brandstifter zeigt Reue

Angeklagter wird zu drei Jahren Jugendstrafe verurteilt

Diebstahl, Bedrohung, Sachbeschädigung und versuchte schwere Brandstiftung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung – darum ging es jüngst vor dem Amtsgericht Schwalmstadt.

Der Angeklagte, ein 20-jähriger Jugendlicher, der zum Tatzeitpunkt in einer Jugendhilfeeinrichtung lebte, räumte gleich zu Beginn der Verhandlung die Delikte ein.

Das Jugendschöffengericht verurteilte den Mann zu einer dreijährigen Jugendstrafe und ordnete die Unterbringung in einer Entzugsanstalt an.

In das Urteil floss eine bereits vom Amtsgericht Gießen verhängte Jugendstrafe wegen schwerer räuberischer Erpressung im Rahmen eines Tankstellenüberfalls ein.

Angeklagte wurde erneut straffällig

Unter Bewährung stehend, wurde der 20-jährige Angeklagte erneut straffällig: 

Am 26. Oktober vergangenen Jahres hat er als Angestellter einer Fast-Food-Kette in Treysa rund hundert Euro aus der Kasse gestohlen, am 14. Dezember nach Besuch des Weihnachtsmarkts in Ziegenhain einen Betreuer in seiner Wohngruppe mit dem Messer bedroht und am 20. Dezember im Parkhaus in Treysa zwei Kunststoffmülltonnen in Brand gesetzt und wenige Stunden später in seinem Zimmer im Wohnheim seine Matratze angesteckt – alles unter Alkoholeinfluss.

„Mein Mandant empfand es als sehr belastend, in der Wohngruppe zu leben“, sagte der Pflichtverteidiger. Er habe mit dem Brand in seinem Zimmer einen Schlussstrich ziehen wollen und sei davon ausgegangen, dass dabei niemand das Zimmer betreten werde und zu Schaden käme. 

Glück für den Angeklagten: Die Verletzungen bei einem Betreuer, der den Rauch bemerkte, blieben gering.

Persönlichkeitsstörung und Alkoholabhängigkeit

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe stellte bei dem Angeklagten eine starke Überforderung fest: „Die Hilfe und Unterstützung, die er gebraucht hätte, konnte die Wohngruppe ihm nicht geben. Immer wieder verletzte sich der Angeklagte selbst, wurde zum „Dauergast in der Notaufnahme Ziegenhain“.

Nach Abschluss der Realschule hatte der 20-Jährige, Probleme, seinen Lebensalltag zu bewältigen. Verlustängste, depressive Störungen, Alkoholkonsum, Gewaltfantasien und Suizidgedanken nahmen zu, so eine Gutachterin der psychiatrischen Klinik Haina. 

Sie diagnostizierte Anzeichen einer Persönlichkeitsstörung und Alkoholabhängigkeit, jedoch keine verminderte Schuldfähigkeit.

Dem Wunsch des Angeklagten entsprechend wurde das Urteil sofort rechtskräftig. Der Angeklagte sollte direkt in eine entsprechende Einrichtung gebracht werden.

VON KERSTIN DIEHL

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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