Anwohner fordern Blitzanlage

Wierastraße in Treysa: Hohes Verkehrsaufkommen belastet enorm

Anwohner der Wierastraße
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Erhoffen sich Hilfe und weniger Verkehrslärm: von links Wilfried Hoos, Doris Schmid mit Enkel Alexander, Wolfgang Schmid, Erhard Spanknebel, Kathrin Gonther, Renate Spanknebel, Beatrice Appenroth, Pawel Beda, Valentina Beda und Holger Gunkel.

Die Belastung durch das hohe Verkehrsaufkommen in der Wierasstraße ist hoch – und Anwohner fürchten, dass sich die Situation noch verschärft. Seitens der Stadt bleiben die Bedenken ungehört.

Schwalmstadt. Ein ruhiger Herbstvormittag, in Höhe der Alten Molkerei in der Wierastraße kommt eine Gruppe Leute zusammen, die endlich gehört werden möchte. Ein Lkw mit osteuropäischem Kennzeichen düst auf der breiten Piste vorbei, „der kommt bestimmt vom Entladen aus Neustadt“, spottet Anlieger Wilfried Hoos und meint die Tatsache, dass Schwerlastverkehr aus Nah und vor allem Fern ein echtes Problem ist. Die weiträumige Schwerlastführung sei sehr ungünstig für Treysa, schon ab dem Gambacher Dreieck/A5.

Darunter würden alle leiden, die an diesem Abschnitt der Bundesstraße 454 wohnen, direkt oder auch oberhalb. Häuser direkt an der Straße wurden vor Jahren zwar mit Schallschutzfenstern ausgestattet, aber, da der Bereich als Mischgebiet ausgewiesen sei, darf die Lärmbelastung allgemein höher sein als in reinen Wohngebieten. Dabei ist die bauliche Situation hier lärmtechnisch besonders ungünstig: Die Wierastraße gleiche einem Trichter, der Krach werde weit verteilt. Im Raum Marburg-Biedenkopf seien inzwischen an vielen Stellen Lärmschutzwände da, davon könnten sie hier nur träumen.

Leider, so wird im Gespräch klar, bringe das inzwischen herrschende nächtliche Tempolimit 30 in der Realität praktisch nichts. Dieses war aufgrund der objektiv ermittelten tatsächlichen Lärmbelastung angeordnet worden, ohne Zutun weiterer Instanzen (siehe „Das sagt der Bürgermeister“). Doch die Freude darüber sei verhalten, so berichten die Anlieger, denn es habe sich praktisch nichts gebessert: Ohne Überwachung brausten die meisten Fahrer wie zuvor, gerade nachts von Wiera her in die Stadt hineinfahrend. Wilfried Hoos: „Das ist in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich immer schlimmer geworden.“

Die Politik kann nicht helfen

Im Bürgermeisterzimmer sei man immer wieder vorstellig geworden, schon seit der Amtszeit von Dr. Gerald Näser, bisher ohne Erfolg. Und auch bei Lokalpolitikern, die die Gruppe anschrieb, sei der Hilferuf zumeist verhallt.

Dabei haben die Anlieger einen konkreten Vorschlag: Sie haben mit einem Hersteller von Geschwindigkeitsmessgeräten Kontakt aufgenommen und wollen, dass ein sogenannter permanenter „Blitzer“ aufgestellt wird. Auch wenn der natürlich sehr teuer sei, werde sich der Anschaffungspreis in sehr überschaubarer Zeit amortisieren, haben sie errechnet. Sie hätten eine umfangreiche Vorarbeit mit Zahlen, Daten und Fakten vorgelegt und Wege der Realisierung aufgezeigt, doch: „Wir haben uns immer wieder bemüht, die Herren zum Jagen zu tragen, vergeblich!“ Denn die Gruppe ist sicher: Ohne Kontrolle würden sich die Probleme nicht lösen, sondern demnächst noch verstärken.

Mit der Aussage von Verwaltungschef Stefan Pinhard, die Lage vor Ort zu begutachten, wollen sie sich nicht mehr zufriedengeben, denn die gesundheitsschädigende Lärm- und Schadstoffsituation sei inzwischen nahezu unerträglich. Dass die Stadt nicht aktiv werde, kann die Gruppe nicht verstehen. Vertreter von Hessen Mobil hätten ausgesagt, dass es aus Schwalmstadt keine Forderungen etwa nach baulichem Lärmschutz oder anderen aktiven Maßnahmen gebe. Man halte es schlicht für ein „Märchen und Humbug“, dass nicht möglich sein soll, was es doch an vielen Stellen gebe: Blitzanlagen.

Man habe seitens der Gruppe Kontakt aufgenommen mit der Firma Vitronic, die der Weltmarktführer für Geschwindigkeits-Messanlagen sei. Vitronic habe Daten zur Verfügung gestellt und gegenüber der Stadt eine Beratung angeboten. Dergleichen hätten viele Kommunen schon angenommen. Laut Vitronic stünden in 357 Orten in Hessen solche Anlagen (Stand 2019). Die Baukosten seien mit 80 000 Euro schnell „eingefahren“. Das Genehmigungsverfahren sei beherrschbar. Was fehle, sei der „politische Wille sowie Gestaltungskraft“, es herrsche „Bequemlichkeit“ und „völlige Ignoranz gegenüber legitimen Schutzinteressen“, doch man gebe die Hoffnung nicht auf. (Anne Quehl)

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