Prozess vor dem Landgericht

Aussage steht gegen Aussage: Schwälmer bleibt in U-Haft

Amtsgericht in Treysa: Dort musste sich ein Paar wegen Drogenbesitzes verantworten.
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Landgericht Marburg: Mann bleibt bis Ende September in Haft

Am Nachmittag des dritten Verhandlungstags vor dem Landgericht in Marburg hatte der Gießener Strafverteidiger Frank Richtberg genug.

Schwalm – Er beantragte nach den Zeugenaussagen die sofortige Aufhebung des Haftbefehls gegen seinen 27-jährigen Mandanten. Vergeblich. Das Gericht sieht weiterhin Verdunklungsgefahr. Der Mann aus dem südlichen Schwalm-Eder-Kreis sitzt seit über einem Jahr in Untersuchungshaft. Ihm wird vorgeworfen, am 16. August 2020 eine damals 20-jährige Frau in deren Wohnung vergewaltigt zu haben (die HNA berichtete).

Es steht Aussage gegen Aussage

Im Februar war der Mann vom Amtsgericht zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden. Sowohl die Verteidigung als auch die Staatsanwaltschaft legten Berufung gegen das Urteil ein. Es steht nach wie vor Aussage gegen Aussage.

Verteidiger Frank Richtberg begründete seinen Antrag mit unterschiedlichen Aussagen der Nebenklägerin zum sogenannten Kernbereich des Verfahrens. Dies betrifft insbesondere Aussagen zum Oralverkehr, den die junge Frau gemacht haben soll. Es bestehe daher kein dringender Tatverdacht mehr gegen seinen Mandanten. Aus Sicht von Richtberg ist das Verfahren damit im Grunde gelaufen.

Staatsanwältin Janina Pristl entgegnete, die junge Frau habe in Bezug auf diese Sexualpraktik von Anfang an Unsicherheiten gezeigt und unterschiedliche Aussagen gemacht. Dies bedeute nicht, dass man ihr nicht glauben könne. Es bestehe weiterhin dringender Tatverdacht gegen den Mann. Das Gericht unter Vorsitz von Dr. Sebastian Pfotenhauer folgte ihr. Der 27-Jährige flehte das Gericht an: „Was soll ich denn noch machen? Ich habe sie nicht bedroht.“

Mann bleibt bis Ende September in Haft

Fakt ist: Der Mann bleibt bis zum Urteilspruch, der Ende September erwartet wird, in Haft. Rechtsanwalt Richtberg kündigte unterdessen weitere Hilfsbeweisanträge an – unter anderem ein Gutachten über die Fotos, die in der Uniklinik Marburg nach der angeklagten Vergewaltigung von den Hämatomen am Körper der Frau gemacht wurden. Ihm gehe es um die Frage der Farbe der Hämatome, das alter der Flecken und ob sie in der Tatnacht oder schon früher entstanden sein könnten, begründete der Strafverteidiger.

Am dritten Prozesstag hörte das Gericht acht Zeuginnen und Zeugen, darunter war auch ein Polizeibeamter, der die Chats in den Handys der Prozessbeteiligten ausgewertet hatte. Der Beamte berichtete unter anderem von Druck, der von der Schwester des Angeklagten auf die Geschädigte ausgeübt worden sei, von Drohungen und teilweise gelöschten Chats.

Aus Körperverletzung wurde Anzeige wegen Vergewaltigung

Die Nebenklägerin hatte den Mann ursprünglich wegen Körperverletzung angeklagt. Bei den Vernehmungen der Frau stellte die Polizei fest: Das ist mehr. Aus der Körperverletzung wurde eine Anzeige wegen Vergewaltigung, denn die Frau habe gegen ihren Willen brutalen Sex erlebt. Nach Aussage des Angeklagten war der Sex dagegen einvernehmlich.

Eine Zeugin vermutete mit Blick auf die Anzeige wegen Körperverletzung, dass ihre Freundin „so unter Schock stand, dass sie gar nicht realisiert hat, was ihr zugestoßen ist“. (Uwe Badouin)

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