Lösung für Radler und Fußgänger

Ausweg aus der Sackgasse: Gekappte Verbindung Richtung Neustadt soll ersetzt werden

Die Autobahn-Baustelle bei Wiera: Hier entsteht die Kehlbachbrücke. Die Trasse zerschneidet den hier verlaufenden Radweg Deutsche Einheit, auch Pilger auf dem Elisabethpfad kommen hier nicht mehr weiter.
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Die Autobahn-Baustelle bei Wiera: Hier entsteht die Kehlbachbrücke. Die Trasse zerschneidet den hier verlaufenden Radweg Deutsche Einheit, auch Pilger auf dem Elisabethpfad kommen hier nicht mehr weiter.

Es hat lange gedauert: Jetzt scheint die Autobahngesellschaft bereit zu sein, eine Ausweichroute herzurichten, um die gekappte Verbindung Richtung Neustadt zu ersetzen.

Schwalmstadt/Neustadt – Erst auf Druck und eigentlich fast zu spät scheint die Autobahngesellschaft einzulenken: Nach vorläufigen Informationen erhalten Radfahrer, Wanderer und Pilger eine sichere Ausweichroute durch das „Frauenrodt“, nachdem die bisherige Verbindung zwischen Momberg und Wiera durch den Weiterbau der A 49 gekappt wurde. Zunächst hatte die Autobahngesellschaft keine Veranlassung gesehen, den Weg instand zu setzen.

Wegweisung am Abzweig Treysa-Wiera: Der Rad- und Fußweg weiter nach Neustadt ist wichtig.

Dabei war lange klar, dass der D4 „Deutsche Einheit“ über Jahre unterbrochen sein würde. Seit März gab es Abstimmungsversuche vonseiten der direkt betroffenen Kommunen Neustadt und Schwalmstadt – lange erfolglos. Die Raddemo, die Ulrich Wüstenhagen (ADFC) Ende Juni angeführt hatte, sollte den Verantwortlichen endlich klarmachen, dass eine Lösung dringlich sei.

Der Hilferuf der Bürgermeister (Artikel unten) soll nun gefruchtet haben. Noch bis Anfang der Woche ließ die Deges HNA-Anfragen offen, am Mittwoch dann hieß es von der Gesellschaft, es sei eine Lösung gefunden worden.

Strikte Ablehnung Kreisstraße als Ausweich

In Neustadt beschäftigte das Problem vor der Sommerpause das Stadtparlament. Neustadts Bürgermeister Thomas Groll hatte es strikt abgelehnt, dass einfach die Kreisstraße 17 (Wiera-Momberg) der Ausweich sein sollte, das sei wegen des Baustellenverkehrs nicht zumut- oder verantwortbar.

Für die sture Haltung der Deges hatte er kein Verständnis. Es könne nicht sein, dass diejenigen, die immer zur A 49 standen, nun so verärgert würden. Von Bürgermeister Stefan Pinhard erhielt die HNA keine eigene Stellungnahme, er verwies auf den offenen Brief, den er zusammen mit Groll verschickte.

Radwegenetz Schwalm

Der ADFC um den ehemaligen Radverkehrsbeauftragten Schwalmstadt, Ulrich Wüstenhagen, zeigte sich empört über die lange Zeit kompromisslose Deges-Position und erwog eine weitere Raddemo. Wüstenhagen machte die HNA auf verhallte Hinweise aufmerksam, die der ADFC seit einer Dekade gegeben habe. Verärgert äußerte sich auch Renate Spanknebel, Wegwartin im Raum Schwalmstadt für den Elisabethpfad-Verein.

Seit Baubeginn 2013 liege man „mehr oder weniger“ zuerst mit Hessen Mobil und heute mit der Deges „im Clinch“. Sie vermisse Informationen, Kosten und Zeit seien nutzlos investiert worden, Bitten seien abgeprallt, Pilger zuverlässig und deutlich über vor ihnen liegende Behinderungen durch Baustellen zu informieren, „es ist eine freudlose und offensichtlich endlose Geschichte des Elisabeth-Pfades rund um Schwalmstadt“. (Anne Quehl)

Bürgermeister Thomas Groll

Frauenrodt-Route soll im September nutzbar sein
Autobahngesellschaft lenkt offenbar ein und baut eine wassergebundene Decke ein

Die künftige Kehlbachbrücke bei Wiera ist inzwischen deutlich erkennbar. Aktuell hat die Autobahngesellschaft 13 von 46 Betonbauwerken begonnen. Der Zeitplan für alle Bauarbeiten auf der A 49-Trasse ist straff.

Der Baufortschritt

Die Menschen, die im weiteren Umkreis von Neustadt und Stadtallendorf leben, bemerken die Autobahnbaustellen in ihrem Alltag inzwischen erheblich, beispielsweise durch Erdaushubtransporte. Auf den Straßen im Bereich zwischen Mengsberg-Momberg, Neustadt und Treysa herrscht viel Lkw-Verkehr. Ein Teil des nicht benötigten Erdreichs wird zum Kiessee bei Kirchhain-Niederwald gebracht, der teils verfüllt wird. Ein großer Teil bleibt aber auch an der Trasse, wird also nur verschoben.

Der Hilferuf

Die Bürgermeister Groll (Neustadt) und Pinhard (Schwalmstadt) hatten schließlich einen teils scharf formulierten Brief an Verkehrsminister Scheuer und die SPD-Bundestagsabgeordneten Sören Bartol (Marburg) und Edgar Franke (Schwalm-Eder) gesandt. Man habe den Autobahnbaustets unterstützt und sei „zutiefst enttäuscht“, dass die Umleitungssituation, zumal die bedeutende Mittellandroute/Teil des Radwegs Deutsche Einheit, nicht bedacht wurde. Diese sei von großer touristischer und regionaler Bedeutung. Seit März habe sich nichts bewegt, obwohl die Deges nur kleinere Maßnahmen ausführen solle, „so stellen wir uns ein vernünftiges Miteinander nicht vor. Einer kann nicht immer nur wollen, ohne auch einmal zu geben“. „Die Art und Weise, wie uns die Deges behandelt, ist nicht akzeptabel.“

Der Kompromiss

Sören Bartol, Wahlkreisabgeordneter und Vize-Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, ergriff die Initiative und lud Vertreter der Kommunen, der Bundeswehr, der Deges und das ausführende Bauunternehmen sowie die Landräte kurzfristig zu einem Gespräch ein. Die Beratung ergab vor Kurzem nach vorab bekannt gewordenen Informationen einen guten Kompromiss für Umleitungen bis 2024. Die Deges soll nun bereit sein, den Wirtschaftsweg „Frauenrodt“ (Wiera-Neustadt) bis Ende September mit einer wassergebunden Decke zu versehen. Die Kommunen erwägen demnach, dass die Streckenführung auch später dauerhaft so bleibt. (aqu/OP)

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