A 49-Weiterbau

Autobahn schiebt sich in Landschaft: 31 Kilometer lange Strecke verändert Wiesen, Wald und Flur

Baustelle mit Blick in Richtung Treysa: Die Brücke an den Biedenbacher Teichen überspannt das Tal.
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Baustelle mit Blick in Richtung Treysa: Die Brücke an den Biedenbacher Teichen überspannt das Tal.

Es ist mit Abstand die größte Baustelle der Region – der Weiterbau der A 49 von Schwalmstadt bis zum Ohmtaldreieck. Wir haben uns auf der Baustelle umgesehen und uns Details erklären lassen.

Schwalmstadt – Die Baustelle ist lang, fast 31 Kilometer und nahezu überall wird gearbeitet: Sie beginnt hinter dem Tunnel in Frankenhain und endet am Ohmtaldreieck – dort, wo die A 49 in die A 5 mündet. Ab November 2024 sollen Autos auf diesen 31 Kilometern fahren. Dann wird die jahrzehntelange Auseinandersetzung zum Bau der Autobahn enden.

Die Veränderungen, die der Streckenbau mit sich bringt, sind zwischen Schwalmstadt und Neustadt sichtbar. Auf der gesamten Breite schiebt sich die Trasse in die Landschaft. Bäume, Sträucher, Felder und Wiesen müssen weichen. Zurück bleibt im Augenblick aufgebrochene und durchwühlte Erde, die im satten Grün links und rechts der Trasse wie eine offene Wunde klafft.

Bagger, Schieber, Lasterwagen und Traktoren mit großen Hängern pendeln über die Strecke, liefern Baumaterial, transportieren Erde ab, planieren das Gelände. „Der Erdbau wird derzeit höhenmäßig auf plus/minus einen halben Meter zum Endzustand erstellt“, sagt Jürgen Driebe, Technischer Geschäftsführer der A 49Autobahngesellschaft GmbH & Co.KG. Das Konsortium baut den letzten Abschnitt, VK 30/40 genannt, und wird den Fernweg ab Fritzlar in den kommenden 30 Jahre, bis Oktober 2050, betreuen.

Fortschritt: Der Trassenbau, hier in der Nähe der Auffahrt Schwalmstadt, macht Fortschritte. Bagger gestalten die Böschung und die Trasse.

Neues Wegenetz

Nicht nur die Landschaft verändert mit dem Autobahnbau ihr Gesicht. Durch den Eingriff sind viele Straßen, Feld- und Radwege durchschnitten, unterbrochen oder umgeleitet. Für Driebe ist das kein Problem: „Gemeinsam mit dem Bau der Autobahn werden die unterbrochenen Wirtschaftswege mittels neuer Verbindungen an das bestehende Netz angeschlossen. Eingeschlossen sind Feld- und Radwege.“ Das sei in den Planungs- und Genehmigungsunterlagen festgelegt. Es brauche nur etwas Geduld, bis die gewohnten Wege wieder genutzt werden können.

Umweltabstimmungen

Abgestimmt mit den Behörden seien auch die Vorgaben des Umweltschutzes, des Wasserrechts und anderer Auflagen. Das Konsortium sei bestrebt, so umweltschonend wie möglich zu bauen. Deshalb würden die Projekte im Bereich der Umwelt mit der Oberen Naturschutzbehörde abgestimmt. Darunter zählten beispielsweise Rodungsabläufe und die Kontrolle der Umweltmaßnahmen.

Erdbewegungen

Gewaltig sind die Erdmassen, die auf den 31 Kilometern bewegt werden. Insgesamt seien es vier Millionen Kubikmeter Erde, die auf dem letzten A49-Teilstück verarbeitet werden, rechnete Driebe vor. Zum Teil würden sie wieder in den Trassenboden eingearbeitet, zu Wällen aufgeschüttet und zur Modellierung genutzt. Übrig blieben 1,5 Millionen Kubikmeter, die abgefahren und beispielsweise in Baggerlöchern in Kirchhain verfüllt werden.

Nummer für Bauwerk

Ein scheinbares Gewirr an Zeichen, Zahlen und Ziffern ist auf den Bauplänen zu sehen. Jedes Bauwerk, ob Brücke, Überführung über einen Rad- oder Feldweg oder die Autobahnmeisterei an der Straße nach Gilserberg, alle haben Nummern. So trägt die Brücke an den Biedenbacher Teichen die Nummer 115. Die Überbrückung eines Wirtschaftsweg Richtung Florshain hat die Nummer 117 und die Kälbachtalbrücke ist schlicht Bauwerk (BW) 119. Überall drehen sich Kräne, werden Fundament und Baugruben ausgeschachtet, Bohrpfähle eingebracht und Rückhaltebecken gebaut.

Orientierungshilfe: Alle Bauwerke auf er 31 Kilometer langen Baustelle tragen eine Nummer.

Der Ablauf der Arbeiten sei so abgestimmt, dass Werkzeuge und Maschinen von einem Bauwerk zum anderen weiterrücken. Bei manchen Bauwerken liege man sogar vor dem Zeitplan, sagt Driebe. Deshalb ist sich der Technisches Geschäftsführer des Konsortiums sicher: „Wir werden die Trasse nach dem derzeitigen Stand in der geplanten Zeit fertigstellen, und den kompletten Abschnitt zum 1. November 2024 für den Verkehr freigeben.“

Auf einer Fläche von 12 000 Quadratmetern baut die Autobahngesellschaft an der Anschlussstelle Schwalmstadt zurzeit eine Autobahnmeisterei (HNA berichtete). Nach den Plänen soll sie bis Juni 2022 fertig sein. Denn zum 1. Juli kommenden Jahres soll die Strecke von Neuental bis Schwalmstadt für den Verkehr freigegeben werden.

Brücken

Zwischen Schwalmstadt und Neustadt sind die Brücke an den Biedenbacher Teichen und die Kälbachtalbrücke die größten Bauwerke. In beiden Fällen handelt es sich um Spannbetonbrücken. An den Biedenbacher Teichen hat die Brücke sieben Felder mit einer lichten Weite von 197 Metern. Die Stützweiten der Felder sind zwischen 23,50 und 31 Meter. Die Höhe über dem Tal beträgt 15 Meter. Die Kälbachtalbrücke hat acht Felder mit Längen zwischen 31 und 42 Metern. Die Höhe über dem Tal liegt bei 20 Metern. (Rainer Schmitt)

Bau in öffentlich-privater Partnerschaft

Die letzte Teilstrecke der A49 wird als Projekt der „Öffentlich-Privaten Partnerschaft“ (ÖPP) gebaut. Anschließend betreut das Konsortium die Autobahn von auf einer Länge von 62 Kilometern von Fritzlar bis zum Ohmtaldreieck bis zum Jahr 2050.

Laut einer Pressemitteilung des Bundestags vom September vergangenen Jahres sind für das Projekt über eine Vertragslaufzeit von 30 Jahren Gesamtkosten für Ausführungsplanung, Neubau, Erhaltung, Betrieb und (anteilige) Finanzierung in Höhe von 1,45 Milliarden Euro im Bundeshaushalt 2020 veranschlagt. Die Baukosten für den Abschnitt von Neuental bis Schwalmstadt werden auf 243,8 Millionen Euro beziffert.

Der Vertrag für das ÖPP-Autobahnprojekt A49 wurde am 1. September 2020 geschlossen und hat laut Strabag eine Laufzeit von 30 Jahren. Neben der bestehenden Strecke von Fritzlar bis Schwalmstadt sollen die Strabag Großprojekte GmbH und die Leonhard Weiss GmbH &Co.KG die Strecke von Schwalmstadt bis zum Ohmtaldreieck bauen.

Das Bauvolumen wird auf 700 Millionen Euro beziffert. Insgesamt betreut die A 49 Autobahngesellschaft eine Strecke von 62 Kilometern. Nach den Plänen ist die Bauzeit von September 2020 bis 31. Oktober 2024 projektiert. Als Kernbauzeit sind 34 Monate, von März 2021 bis Dezember 2023 veranschlagt.

Nach der geplanten Streckenöffnung im November 2024 stehen noch landschaftspflegerische Maßnahmen auf dem Plan. Die sollen bis Oktober 2025 abgeschlossen sein.

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